Aus Bauernhof wird Oldtimerzentrum

+
Regelmäßig treffen sich Oldtimerfans aus der näheren und weiteren Umgebung auf dem ehemaligen Bauernhof.

Bergkamen -  Ein Traum ist es schon nicht mehr, den sich Thomas Albrecht-Tiedemann, der neue Eigentümer auf dem Hof Keinemann, verwirklicht. Vielmehr sind die Planungen für ein Oldtimer-Zentrum mittlerweile so konkret, dass er sie heute im Stadtentwicklungsausschuss vorstellte.

In spätestens fünf Jahren soll sich auf dem ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieb, der zum Teil unter Denkmalschutz steht, alles um chromglänzende Schätzchen auf zwei und vier Rädern drehen – von der Reparatur – eigentlich sind es mehr Konservierungsarbeiten von Spezialisten – bis zur Ausstellung von edlen Karossen in einem Museum. Und selbst ein Gästehaus für Oldtimerfans ist vorgesehen, die von dort aus Touren in die Umgebung unternehmen. Das Gesamtkonzept will er demnächst als Bauvoranfrage der Stadt vorlegen.

Baudezernent Dr. Hans Joachim Peters ist von dem Projekt begeistert: „Es passt in das Konzept für das Kanalband“, sagte er gestern bei einer Pressekonferenz.

Thomas Albrecht-Tiedemann ist Ingenieur und Brandschutzsachverständiger. Sein Büro in Unna wird mit ihm nach Rünthe ziehen. „Seit 15 Jahren bin ich begeisteter Oldtimerfan“, sagt er. Vor gut fünf Jahren reifte in ihm die Idee, nach einem Platz Ausschau zu halten, wo Autos, Motorräder und Landmaschinen werterhaltend gepflegt und untergestellt werden können „und wo die Kompetenz gebündelt wird.“ „Oldtimer sind nichts für Industriegebiete“, schildert er seine Suche, „ich habe mir 35 Hofstellen angeguckt.“ Schließlich wurde er im vergangenen Jahr am Westenhellweg fündig.

Für einen Baufachmann wie ihn war der alte Hof, das Haupthaus stammt aus dem Jahr 1831, von besonderem Reiz. „Ich habe das Nutzungskonzept mit der Landesdenkmalbehörde und der Stadt besprochen“, sagt er. Begonnen hat er bereits mit Sanierungsarbeiten an den Dächern der ehemaligen Remise im westlichen Teil des Hofes, die Fassade folgt als nächstes, wobei sich Albrecht-Tiedemann an dem Original orientiert. „Da war vieles schon eingefallen“, berichtet er.

Dort sollen bis zum kommenden Jahr ein spezieller Oldtimer-TÜV, der GTÜ, sowie ein Sattler und ein Kfz-Techniker, der das so genannte „Smart Repair“, also die schonende Behandlung der Fahrzeuge beherrscht, die Arbeit aufnehmen. Alle Drei werden eigenwirtschaftlich arbeiten. Albrecht-Tiedemann sucht niemanden, der mit Hightech die Autos fahrtüchtig macht, sondern Künstler und Handwerker, die das Fahrzeug – Mindestalter 30 Jahre und ein Tag – so erhalten, wie es ist. „Ich suche das Besondere“, so seine Maxime für Autos und den Bauernhof. „Die Patina muss bleiben, das ist der Wert des Fahrzeuges“, unterstreicht der Ingenieur.

Aus der ehemalige Scheune im östlichen Bereich soll ein besonderes Museum werden, in dem er und auch andere Sammler ihre Schätzchen ausstellen – hinter Glas wohlgemerkt, damit die wertvollen Karossen keinen Schaden nehmen.

Zudem ist dort ein Hofcafé geplant. Und auch dort sucht er nach etwas Besonderem: nach jemandem, der das Brotbacken im Steinofen beherrscht. In Sachen Gastronomie hat er einen dicken Fisch an der Angel. Die Potts-Brauerei hat bereits Interesse signalisiert. „Der Seniorchef ist Oldtimerfan“, freut sich der Hausherr.

Selbst der Kuhstall des Hofes Keinemann ist etwas Besonderes: „Der war beim Bau 1920 mit seinem automatisierten Transportband einer der modernsten“, so Thomas Albrecht-Tiedemann. Überbleibsel der Anlage sollen später im Museum gezeigt werden.

Weiterhin ist ein Gästehaus für Oldtimerfans geplant – rund 24 bis 30 Betten. Dem Eigentümer schwebt vor, dass die Besucher dort übernachten und von Rünthe aus Richtung Münsterland, Soester Behörde oder ins Ruhrgebiet Touren unternehmen. Natürlich hat er schon einige Strecken ausgearbeitet. Wie am vergangenen Sonntag haben bereits Oldtimertreffen auf dem Hof stattgefunden.

Bislang hat er sein Projekt vorsichtig öffentlich präsentiert. Der Grund: Die Diebstahlrate bei den Oldies ist enorm gestiegen. Für Ersatzteile werden Spitzenpreise gezahlt.

Last but no least sollen Strom und Energie produziert werden. Ein Biomassekraftwerk wird mit Holzschnitzeln gefüttert – aus dem eigenen Wald, den er einige Meter weiter Richtung Kraftwerk ebenfalls gekauft hat.

Die Werkstätten in der Remise sollen bereits im kommenden Jahr in Betrieb gehen. Ansonsten will er sich Zeit lassen – gute fünf Jahre. Schließlich zählt für ihn die Qualität.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare