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Aufzug der Querdenker endet mit Platzverweis – Polizei: „Unangemeldete Versammlung“

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Von: Jürgen Menke

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An der Bushaltestelle „Sonnen-Apotheke“ in Bergkamen wurden die vermeintlichen „Spaziergänger“ gestoppt.
An der Bushaltestelle „Sonnen-Apotheke“ wurden die vermeintlichen „Spaziergänger“ gestoppt. © Menke

Die Polizei hat am Sonntag in Bergkamen eine Versammlung aufgelöst, weil sie weder angemeldet noch genehmigt war. Mehrere Dutzend Menschen – darunter offenkundig Corona-Leugner und sogenannte Querdenker – waren zum Rathaus gekommen, gingen zu Fuß in Richtung Wasserpark und wurden später gestoppt.

Bergkamen – Dieser „Spaziergang“ war zuvor in den sozialen Medien verabredet worden – was auch der Stadt Bergkamen sowie der Polizeibehörde nicht verborgen blieb. Während die Verwaltung mit einer Maskenpflicht im Bereich der Stadtmitte für Sonntag reagierte, schickten die Gesetzeshüter rund zehn Mannschaftswagen mit Einsatzkräften zum Termin.

15 Uhr: Nach und nach trudelten die „Spaziergänger“, die keine Demonstranten sein wollten, im Bereich des Rathauses ein – darunter auch Familien mit kleinen Kindern. Anfangs war die Zahl der Ordnungskräfte noch deutlich größer als die der anderen Anwesenden, zumal der städtische Ordnungsdienst zur möglichen Kontrolle mit acht Kräften vor Ort war. Eine von der Stadt beauftrage private Sicherheitsfirma kümmerte sich überdies mit neun Mitarbeitern um den Objektschutz.

An „Sonnen-Apotheke“ ist Schluss

Gegen 15.10 Uhr bewegten sich die Anwesenden wie von Geisterhand in Richtung Busbahnhof. Später gingen sie über die Töddinghauser Straße zum Wasserpark, um in einem kleinen Rundgang zur vorab bereits passierten Bushaltestelle „Sonnen-Apotheke“ zurückzukehren.

Hier stoppte die Polizei den Zug, um die nach Behördenangaben rund 50 bis 60 Anwesenden darüber zu informieren, dass die Zusammenkunft als nicht gemeldete Versammlung gewertet und deshalb aufgelöst werde. Dem Platzverweis folgten zunächst die Familien mit Kindern, später – teils mit Nachdruck – alle anderen. Nach insgesamt rund 60 Minuten war der ganze Spuk vorbei.

Nicht friedlich, aber ruhig

Die sonntägliche Maskenpflicht gilt, sobald mehr als zwei Haushalte oder – unabhängig der Haushalte – mehr als zehn Personen zusammentreffen. Die städtischen Ordnungskräfte hielten sich mit offensiven Kontrollen sichtbar zurück. Das war wohl einer der Gründe, warum es am Sonntag zwar nicht friedlich, aber gleichwohl ruhig zuging. Bei der Kreispolizei hieß es später, man habe „keine Verstöße gegen die Corona-Regeln festgestellt“.

Die „Spaziergänger“ suchten teils die Diskussion mit der Polizei – und auch die Provokation. Sie fühle sich wie eine Verbrecherin, dabei wolle sie doch nur spazieren gehen, meinte etwa eine ältere Dame. Ein jüngerer Mann drehte sich später unaufhörlich mit seiner Handy-Kamera um die eigene Achse und rief den Polizeibeamten entgegen, sie sollten sich schämen. Diese aber blieben besonnen und klärten bei Bedarf über die Sachlage auf.

Polizei: „Waren gut vorbereitet“

Bernd Pentrop, Leiter der Polizei-Pressestelle in Unna, zog eine positive Bilanz des Einsatzes. Man habe sich gut auf den Tag vorbereitet und sei mit einer ausreichenden Anzahl an Kräften vor Ort gewesen, sagte der Polizeihauptkommissar.

Dass der Spaziergang nach rund einer Dreiviertelstunde gestoppt wurde, sei angemessen gewesen. Pentrop: „Irgendwann muss man die Menschen erreichen können.“ Während des Einsatzes habe es ein Monitoring gegeben, um auch im Auge zu behalten, ob es nicht womöglich auch an anderer Stelle im Stadtgebiet zu „Spaziergängen“ oder gar offenen, nicht angemeldeten Demonstrationen kommt.

„Für die Kinder ist das schön ...“

Beobachter konnten am Sonntag und in den Tagen zuvor den Eindruck gewinnen, die sogenannten Querdenker wollten – auf Kosten der Allgemeinheit – Katz und Maus mit den Behörden spielen. Ein „Spaziergänger“ sagte unterwegs lapidar: „Für die Kinder ist das schön, sehen sie doch mal die Polizei.“ Wie viele Beamte genau im Einsatz waren, wollte Pentrop aus polizeitaktischen Gründen nicht mitteilen.

Nach Beobachtung von Heiko Brüggenthies, Sachgebietsleiter Bürgerdienste, Ordnung und Soziales bei der Stadt Bergkamen, waren am Sonntag nicht nur hartgesottene Corona-Leugner auf der Straße. Viele Kritiker der Corona-Politik indes bewegten sich „in der falschen Wahrnehmung, dass sie in Ausübung ihrer demokratischen Rechte behindert würden“. Das sei schlicht nicht der Fall. „Hätten sie eine Versammlung angemeldet, hätten sie selbstverständlich unter der Einhaltung aller Regeln demonstrieren können.“

Und die Polizei hätte diese Demonstration abgesichert, ergänzte Pentrop.

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