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Letzter „Unter-Tage-Job“ auf Haus Aden: 340 Meter Grubenwasserleitung in zehn Metern Tiefe

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Von: Bernd Kröger

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Das Adengelände mit Blick nach Osten. Rechts unten, gleich neben dem verfüllten Schacht mit zwei Pumpenröhren, wird mit dem Vortrieb der Betonröhren unter dem Kanal hindurch begonnen. Später werden für den Wasserabschlag Rohrleitungen eingezogen.
Das Adengelände mit Blick nach Osten. Rechts unten, gleich neben dem verfüllten Schacht mit zwei Pumpenröhren, wird mit dem Vortrieb der Betonröhren unter dem Kanal hindurch begonnen. Später werden für den Wasserabschlag Rohrleitungen eingezogen. © Volker Wiciok

Auf Haus Aden wird noch einmal Strecke aufgefahren: 340 Meter vom alten Schacht unter Kanal durch bis zur Lippe: die neue Grubenwasserleitung.

Bergkamen – 21 Jahre nach Schließung der Zeche wird auf Haus Aden noch einmal „Strecke aufgefahren“, wie es der Bergmann sagen würde. Nach Verfüllung des fast 1000 Meter tiefen Schacht 2 im vergangenen Jahr zwar nur in gerade mal zehn Metern Tiefe und nicht vor Kohle, aber immerhin rund 340 Meter voraus. So schafft im Auftrag der Ruhrkohle AG ein Bauunternehmen nun unter dem Datteln-Hamm-Kanal hindurch den Grubenwasserkanal zur Lippe.

Hebewerk ersetzt Schachtgerüst

Von einem Schachtbauwerk frisst sich eine Vortriebsmaschine, wie sie im Tunnelbau zum Einsatz kommt, durch das Erdreich. Während ringsherum an der künftigen Wasserstadt als attraktives Wohnquartier samt Adensee auf der Brache gearbeitet wird, entsteht parallel auf Haus Aden einer der zentralen Grubenwasserstandorte der RAG. Anstelle des Schachtgerüsts wird das Grubenwasserhebewerk errichtet, das in markanter, moderner Architektur neuer Blickfang werden soll.

Ab hier noch 340 Meter. Mit der Kranbahn werden die Betonelemente für den Vortrieb eingesetzt.
Ab hier noch 340 Meter. Mit der Kranbahn werden die Betonelemente für den Vortrieb eingesetzt. © Volker Wiciok

Ab 2025 soll über die Anlage der derzeit ansteigende Pegel des Wassers in den Grubenbauen auf der Sollmarke von 600 Metern reguliert und überschüssiges Grubenwasser über die neue Pumpenanlage in die Lippe abgeschlagen werden, wie es im laufenden Betrieb auch schon geschehen ist.

11,9 Mio. Kubikmeter jährlich

Dafür wird nun auf der „Zehn-Meter-Sohle“ Richtung Norden besagte Strecke aufgefahren, um neue Leitungen für den Wasserabschlag zu schaffen, wie RAG-Sprecher Christof Beike am Dienstag mitteilte. Die alte Grubenwasserleitung genügt den künftigen Anforderungen nicht mehr. Über den zentralen Hebungspunkt im Ruhrgebiet wird die Grubenwasserleitung schließlich rund 11,9 Millionen Kubikmeter pro Jahr in den Fluss einleiten.

Gewaltiger Bohrer

Die Tunnelbohrmaschine ist eine Vollschnittmaschine der Firma Herrenknecht. Sie hat eine installierte Leistung von 850 kW und ist insgesamt sieben Meter lang, hat einen Durchmesser von vier Metern. Die TBM kann sich täglich bis zu 10 Meter durch das Erdreich schneiden.

Die Umsetzung erfolge in zwei Stufen. Zuerst erneuern die Tiefbauexperten die Grubenwasserleitung und die Abschlagsleitung für Hochwasserlagen an der Oberfläche zwischen dem ehemaligen Schachtstandort Haus Aden und der Straße Kleine Heide nördlich des Datteln-Hamm-Kanals. Mit der Tunnelbohrmaschine werden dazu zunächst zwei Betonröhren aus Einzelelementen geschaffen, in die später die Rohrleitungen eingezogen werden. Die Verlängerung bis zur Lippe erfolge später im zweiten Bauabschnitt.

Parallel entsteht neuer Hochwasserabschlag

Die parallel verlaufenden Röhren werden nacheinander aufgefahren. Bei Nummer eins sind die Vortriebarbeiten jetzt mit einem Innendurchmesser von 3,20 Meter auf der Länge von 340 Meter gestartet. Mit einem Durchmesser von 2,80 Meter wird abschließend in gleicher Tiefe die Röhre Nummer zwei aufgefahren. Dafür sind pro Kanal jeweils drei Monate Bauzeit geplant.

Start mit Verzug, Fertigstellung 2025

Die Arbeiten hätten ursprünglich im Frühjahr oder Sommer beginnen sollen. Aber die Genehmigung nahm wegen einiger gutachtlich zu klärenden Sachverhalten mehr Zeit ein Anspruch als gedacht, wie die RAG mitteilt. Zudem erschwerten Lieferschwierigkeiten bei wesentlichen Komponenten das Vorhaben. Gleichwohl sei die Fertigstellung der Gesamtmaßnahme planmäßig für 2025 vorgesehen.

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