Zweifel beim Richter

Attacke vor den Augen der Kinder: Frau erhebt schwere Vorwürfe gegen Ex-Mann aus Bergkamen

Symbolbild - Häusliche Gewalt
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Ein Fall von häuslicher Gewalt wurde im Amtsgericht Unna.

Vor den Augen der gemeinsamen Kinder attackierte ein 49-jähriger Bergkamener seine Frau. Auch wurde ihm vorgeworfen, sie bei anderer Gelegenheit vergewaltigt zu haben. Vor dem Amtsgericht Unna stand es nun Aussage gegen Aussage.

Bergkamen/Unna - Die Vorwürfe gegen den Mann aus Bergkamen wogen schwer. Im April 2019 gab die Ehefrau bei der Polizei an, Opfer von zwei massiven Übergriffen geworden zu sein. Zuletzt so erklärte sie, habe ihr Mann sie fest am Hals gepackt, auf den Kopf geschlagen und in den Hintern getreten – in Anwesenheit ihrer Kinder. Dabei habe sie Prellungen erlitten. Einige Tage zuvor habe er sie trotz erbitterter Gegenwehr gewaltsam zum Verkehr gezwungen. Starke Schmerzen seien die Folge gewesen.

Nun begegnete sich das einstige Paar vor dem Schöffengericht in Unna wieder. Dort wurde dem 49-Jährigen Vergewaltigung und Körperverletzung zur Last gelegt.

Angeklagter wirkt unbeteiligt

Er verdeutlichte seine Haltung mit wenigen Worten: „Das ist alles gelogen, was da gesagt wurde.“ Er weise alle Vorwürfe von sich. Ansonsten habe er nichts zu sagen. Immerhin habe er sich schon umfassend bei der Polizei geäußert und das wolle er nun nicht erneut tun. Insgesamt wirkte der Mann aus Bergkamen schon fast unbeteiligt. Zwischendurch griff er sogar zum Handy und beschäftigte sich damit, bis ihn der Richter darauf hinwies, dass dies seine Verhandlung sei und er das Smartphone weglegen solle. Ansonsten werde er es einkassieren.

Nach der bestreitenden Einlassung des 49-Jährigen wurde die Geschädigte gehört. Ihre Befragung zog sich über Stunden und erwies sich als kompliziert. Zwar bestätigte sie ihre Vorwürfe, doch, so formulierte es der Richter letztlich, musste ihr „alles aus der Nase gezogen“ werden. Das führte dazu, dass das Gericht Zweifel daran hatte, ob es tatsächlich zu einer Vergewaltigung kam.

Er könne sich gut vorstellen, dass es so gewesen sei, wie sie es geschildert habe. Vielleicht seien es Sprachprobleme oder Scheu gewesen, die zu dem Einlassungsverhalten geführt hätten. „Es könnte aber auch anders sein“, betonte er. Und: „Wenn man es nicht weiß, ist der Angeklagte freizusprechen.“

Anders sah es bei dem Vorwurf der Körperverletzung aus. Hier hatte das Gericht keinerlei Zweifel an der Schuld des Bergkameners. In dem Punkt wurde der Mann, der zuvor noch nicht in Erscheinung getreten war, zu 2100 Euro Geldstrafe verurteilt.

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