1. wa.de
  2. Lokales
  3. Bergkamen

Stadt richtet wieder ein Impfzentrum ein – Eindringlicher Appell

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jürgen Menke

Kommentare

Die Stadt Bergkamen reagiert auf die rasant steigenden Corona-Zahlen und richtet ein eigenes temporäres Impfzentrum ein. Zugleich schickt Bürgermeister Bernd Schäfer einen eindringlichen Appell an alle Nicht-Geimpften, sich zum Schutz aller Menschen immunisieren zu lassen.

Bergkamen – Das Impfzentrum soll in der Marina Rünthe entstehen und am Freitag kommender Woche an den Start gehen. „Wir arbeiten gerade mit Hochdruck daran, die organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen“, erläutert Schäfer. Dazu zähle eine Absprache mit der Kassenärztlichen Vereinigung, damit sich genügend Ärztinnen und Ärzte für das Angebot finden. „Anfang nächster Woche können wir Einzelheiten nennen“, so Schäfer – „auch zu der konkreten Örtlichkeit“.

„Es ist bereits zu viel Zeit ungenutzt vergangen. Weiteres Zögern können wir uns nicht leisten“, sagt Bürgermeister Bernd Schäfer.
„Es ist bereits zu viel Zeit ungenutzt vergangen. Weiteres Zögern können wir uns nicht leisten“, sagt Bürgermeister Bernd Schäfer. © Rother

Klar ist aber jetzt schon: Das Impfzentrum soll Anlaufstelle sowohl bei Erst- und Zweit-, als auch bei Booster-Impfungen sein. Ob Terminvereinbarungen an den einzelnen Impftagen möglich sein werden, steht laut Schäfer noch nicht fest. Er rechne damit, dass das Angebot mindestens bis Ende Januar aufrecht erhalten werde,

Schon im Frühjahr hatte die Stadt ein eigenes Impfzentrum eingerichtet und dabei vor allem Lehrkräfte an Schulen und Kita-Beschäftigte und später die älteren Mitmenschen in den Blick genommen. Geimpft wurde damals in der Römerberg-Turnhalle. „Jetzt haben wir uns bewusst gegen eine Sportstätte entschieden, um nicht mit dem Schulsport zu kollidieren“, sagt Schäfer.

Entlastung für niedergelassene Ärzte

Gemessen an der Einwohnerzahl steht Bergkamen mit derzeit 73 aktiven Corona-Fällen noch relativ gut da. Doch die immer neuen Höchstwerte bei den Inzidenzen im Kreis, im Land und im Bund und eine weiterhin zu geringe Impfquote treibt Schäfer die Sorgenfalten auf die Stirn. Mit dem eigenen Impfzentrum will Bergkamens Stadtoberhaupt nicht zuletzt die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte entlasten. Deren Praxen werden derzeit regelrecht überrannt von Menschen, die ihren Immunschutz gegen das Virus mit einer dritten Spritze auffrischen lassen wollen.

Schäfer spricht sich gegen einen allgemeinen Impfzwang aus, hat aber eine klare Haltung: „Die, die impffähig sind, sollten ihren Beitrag leisten, das eigene und das Leben anderer sicherer zu machen“, meint er. Wer sich einer Immunisierung verweigere, trage mit dazu bei, dass Krankenhäuser und Intensivstationen volllaufen und dass auch Geimpfte wieder Einschränkungen erfahren würden. „Das bezeichne ich als unsolidarisch.“

„Es geht mehr denn je ums Impfen“

„Es ist bereits zu viel Zeit ungenutzt vergangen. Weiteres Zögern können wir uns nicht leisten“, ruft Schäfer zu entschlossenem Handeln auf. Da es vor allem ungeimpfte Personen seien, die andere ansteckten und aufgrund schwerer Krankheitsverläufe intensivmedizinisch behandelt werden müssten, komme es vor allem darauf an, die Impfquote zu erhöhen. Schäfer: „Jetzt geht es mehr denn je ums Impfen. Es muss gelingen, mehr Menschen von den Vorteilen eines maximalen Infektionsschutzes zu überzeugen.“ Das verhindere auch das Entstehen neuer Mutationen, gegen die es womöglich keine wirksamen Impfstoffe gebe.

Die Pläne des NRW-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst – 2G beziehungsweise „2G plus“ im Freizeitbereich, 3G am Arbeitsplatz – begrüßt Bergkamens Bürgermeister. Sie seien für ihn „ein Weg, dass der ein oder andere bislang Ungeimpfte ins Nachdenken kommt“. Ein Nachdenken auch darüber, dass Krankheitsverläufe bei fehlendem Immunschutz ungleich schwerwiegendere Folgen haben können.

Weiterer Lockdown „nicht vertretbar“

Als Arbeitgeber von rund 550 Beschäftigten ist die Stadt auch selbst von der angekündigten Verschärfung der Corona-Regeln betroffen. „Sollte 3G am Arbeitsplatz kommen, werden wir die neuen Vorgaben natürlich umsetzen“, sagt Schäfer. Dann sei es hilfreich und notwendig, dass man – anders als heute – den Impfstatus der Mitarbeitenden erfassen und speichern könne. Regelmäßige Corona-Tests biete die Stadt intern weiterhin an. Die würden aber derzeit seltener in Anspruch genommen. „Ich hoffe, dass bei uns mehr geimpft sind, als die durchschnittliche Quote von 70 Prozent.“

Schäfer ruft die Bürger dazu auf, „Verantwortung für sich und seine Mitmenschen zu übernehmen“. Für ihn bedeute das: die Rückkehr zur konsequenten Anwendung der AHA-Regel (Abstand halten, Handhygiene, Alltagsmaske) regelmäßiges Lüften geschlossener Räume sowie das Reduzieren sozialer Kontakte und der Freizeitaktivitäten. Einen weiteren generellen Lockdown hält Schäfer für „nicht vertretbar“. Für einen solchen Schritt gebe es auch wohl keine Akzeptanz in der Bevölkerung, meint er.

Überrascht vom Ausmaß

Obwohl die Experten vor einer neuerlichen Corona-Welle gewarnt hätten: „Dass sie so mächtig ausfällt, hätte ich nicht gedacht“, sagt Schäfer. Gerade deshalb – und weil man auf Dauer mit dem Coronavirus werde leben müssen – sei nun konsequentes Handeln gefordert.

Für den Betrieb des Impfzentrums in der Marina würden sich ausreichend Kräfte in der Verwaltung finden, ist Schäfer überzeugt.

Auch interessant

Kommentare