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Anmutige Bewegungen, prächtige Kleider und Lebensfreude pur

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Von: Carola Schiller

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Tanzen gerne: Fathma Gulami, Nagah Wahidi, Sharbano Ghulami, Huda Ferongli (Lehrerin), Bahar Wahidi, Sumaya Wahidi, Reyhana Qanbari und Khatereh Nazin.
Tanzen gerne: Fathma Gulami, Nagah Wahidi, Sharbano Ghulami, Huda Ferongli (Lehrerin), Bahar Wahidi, Sumaya Wahidi, Reyhana Qanbari und Khatereh Nazin. © Schiller

Afghanische Mädchen und Jungen müssen das Tanzen nicht erlernen. Sie wachsen damit auf. So erklärt es die 16-jährige Bahar Wahidi von der Tanzgruppe Dokhtar Afghan, die kürzlich in der Kita „Kleine Sprösslinge“ auftrat – sehr zur Begeisterung der Kita-Kinder und der Familien, die die anmutigen Bewegungen der jungen Tänzerinnen und die prächtigen Kleider bewunderten.

Bergkamen – Bis zu 18 Kilogramm kann ein solches Kleid wiegen, das von Handarbeit gefertigt wird. Vor allem die sorgfältig aufgenähten Spiegel wiegen schwer. Am Saum der Röcke und an den weiten Ärmeln sorgen sie aber auch dafür, dass die fröhlichen und festlichen Kleider bei allen Bewegungen mitschwingen.

Bei dem Termin trägt jede der acht- bis 16-jährigen Tänzerinnen sowie die Lehrerin ein anderes Kleid. Das sei den Traditionen geschuldet, weiß Bahar Wahidi, die sich für eine goldgelbe Tracht entschieden hat. „In Afghanistan kann man am Kleid erkennen, zu welchem Fest die Frau geht.“

Aber auch die Herkunft lasse sich aus dem Kleid ableiten. Jeder Region habe ihre eigenen Trachten. Das goldene Kleid von Bahar würde sich für eine Hochzeit eignen.

Männer tanzen wilder

Getanzt wird in Afghanistan aber bei fast allen Gelegenheiten. Besonders bei Familienfesten gehöre das Tanzen unbedingt dazu. „Wir leben in Großfamilien, und wenn wir uns treffen, dann wird erst gemeinsam gegessen und dann getanzt.“ Lebensfreude pur sei das, wenn alle zusammen die Speisen wegräumen und dann die Musik zu spielen beginnt. Schon die kleinen Kinder lernen so die traditionellen Tänze.

Während die Frauen aber eher langsam tanzen, seien die Tänze der Männer wilder. „Sie bewegen sich viel schneller, wir tanzen lieber ruhiger und weiblicher“, so Bahar Wahidi. Dabei sei es unter vertrauten Familienmitgliedern auch üblich, dass Männer und Frauen gemeinsam tanzen. Überhaupt seien Vertrauen, Liebe und Geborgenheit bei den Familienfesten besonders spürbar.

Wir leben in Großfamilien und wenn wir uns treffen, dann wird erst gemeinsam gegessen und dann getanzt.

Bahar Wahidi

Das zu vermitteln, ist der Wunsch der Tanzgruppe. Kleidung, Frisur und Bewegungen – alles ist sorgfältig aufeinander abgestimmt. Entsprechend lang dauert das Umziehen. Bis zu einer halben Stunde brauchen die Mädchen dafür. Dazu kommen die Aufregung und die Vorfreude auf den Tanz. Denn auch wenn die Schritte gut vertraut sind, vor Zuschauern zu tanzen, ist eine Herausforderung, die Mut erfordert.

Deshalb tritt Huda Ferongli als einzige Erwachsene mit der Gruppe auf. Sie ist im Alltag Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache. Nebenbei tanzt sie mit den Mädchen und hilft bei den Auftritten. Mit dem gemeinsamen Tanzen erreicht sie nicht nur die Sprachschüler, sondern auch deren Angehörige, wie zum Beispiel Bahar. Die Schülerin ist seit neun Jahren in Deutschland und spricht fließend Deutsch. Die anmutigen afghanischen Tänze zu zeigen und damit Einblicke in die afghanische Kultur zu bieten, macht allen Mädchen Spaß.

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