Vorwürfe des Stalkings

Anklage gegen Mann aus Bergkamen: Richter verhindert Heiratsantrag im Gerichtssaal

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Der Angeklagte wollte sich im Gerichtssaal mit seiner neuen Freundin verloben.

Eigentlich war ein 47-jähriger Mann angeklagt, weil er seine Ex-Frau nicht in Ruhe lassen konnte. Im Gerichtssaal plante er nun aber die Verlobung mit seiner neuen Freundin. Der Richter brauchte starke Nerven.

Bergkamen/Kamen – Ein besonderes Vorhaben hatte ein Angeklagter aus Bergkamen am Dienstag im Amtsgericht Kamen. Noch vor Verlesung der Anklage kündigte der Mann an, dass er seine Freundin mitgebracht hätte und ihr heute einen Heiratsantrag machen wolle. Er drehte sich zu seiner Liebsten, die im Zuschauerbereich saß. „Aber nicht hier“, erstickte der Richter die offensichtliche Hoffnung des Angeklagten, an einem besonderen Ort um die Hand seiner Freundin anhalten zu können, direkt im Keim. Auch für den Rest der Verhandlung brauchte der Richter starke Nerven.

Angeklagt war der 47-Jährige wegen Nachstellung seiner Ex-Frau. Nach der Scheidung ließ er nicht von ihr ab. Er gab zu, am 11. Januar die Wohnung der Frau in Bergkamen aufgesucht zu haben. Die 47-Jährige wollte ihn aber nicht in ihrer Wohnung. „Er fing direkt an, zu reden. Ich habe die Tür zugemacht und die Polizei gerufen“, erklärte die Ex-Frau im Zeugenstand.

Liebesbriefe im Briefkasten


Am 26. Januar befand sich der Bergkamener abermals an der Wohnung. Er soll im Hauseingang laut Musik gehört und seiner Ex Liebesbriefe in den Briefkasten geschmissen haben. Das stimme nicht, so der Angeklagte. Er sei zu dieser Zeit Single und bei der Nachbarin seiner Ex gewesen, um diese zu massieren.

Da Gegenteiliges nicht bewiesen werden konnte, sprach das Gericht den Mann in diesem Punkt frei.

Am 10. Februar soll er dann die Arbeitsstelle der Exfrau in Kamen aufgesucht haben. Hierzu gab er an, einfach öfter in dem Laden einzukaufen. Diesen Vorwurf stellte das Gericht ein.

Angeklagter schweift bei Fragen häufig ab

Schließlich gab der Angeklagte noch zu, am 11. Februar einen Liebesbrief mit Fotos von ihm und seinem Hund in den Briefkasten der 47-Jährigen geworfen zu haben. Der Bergkamener machte es dem Gericht äußerst schwer, brauchbare Antworten zu kommen.

Immer wieder stellte der Richter Fragen zu den konkreten Vorwürfen. Immer wieder schweifte der Angeklagte ab, legte sein ganzes Leben offen. Er beschuldigte die Familie seiner Ex-Frau, gegen die Beziehung gewesen zu sein. „Das interessiert mich nicht. Darum geht es hier heute nicht“, machte der Richter mehr als einmal klar. Mehrfach musste der Vorsitzende das Geschwafel des Mannes unterbrechen. Aber auch die Zeugin neigte dazu, weit auszuholen.

Auch sie wollte dem Gericht ihr ganzes Eheleben erklären. „Er drängt und zwängt sich in mein Leben. Er lässt mich einfach nicht in Ruhe. Für mich ist das ganz schlimm“, beschrieb die 47-Jährige die Situation vier Jahre nach der Scheidung. Das Vorstrafenregister des Bergkameners zeigte, dass er in der Vergangenheit bereits zweimal wegen Nachstellung im Zusammenhang mit seiner Ex-Frau verurteilt worden war. Aktuelle Strafe: 1800 Euro.

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