Mit der Angel ins Ziel: in Rünthe wird eine seltene Sportart betrieben

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Der Bewegungsablauf beim Casting will gelernt sein. Thomas Ebbert macht vor, wie es geht.

Bergkamen - Die Sportart Casting wird nur von wenigen Leute betrieben. Beim Angelsportverein Rünthe ist sie aber fester Bestandteil des Vereinslebens. 

Alles ist still rund um Thomas Ebbert – fokussiert schaut er auf sein Ziel. Alles um sich herum blendet er vollkommen aus. Vorsichtig hält die Angelschnur fest, während er die Rolle an seiner Angel öffnet. Ganz vorsichtig schwingt er nun die Rute hin und her. 

Das weiße Gewicht pendelt, dann lässt Ebbert die Schnur lost und das Gewicht fliegt in die Richtung eines großen Ziels. Er hört ein leises Klacken und atmet auf – Treffer. Das gibt 10 Punkte. Doch Ebbert hat in diesem Durchgang noch neun weitere Würfe vor sich. Denn beim Casting, dem Zielwerfen mit der Angelrute, müssen immer mehrere Ziele getroffen werden.

Der Angelsportverein Rünthe hat eine eigene Casting-Abteilung. Geschäftsführer Ingo Weber, gleichzeitig auch Castingreferent des Fischereiverbandes, erklärt, wieso gerade in Rünthe noch Castingsport betrieben wird. „Wir richten jährlich unser ,Günter-Fix-Gedächtnisturnier‘ aus. Er trieb den Sport in unserem Verein voran und hat vielen den Castingsport nähergebracht.“

Casting hilft auch beim Angeln

So kamen an der Anlage des ASV jetzt wieder über 17 Teilnehmer aus drei verschiedenen Vereinen zusammen. In drei verschiedenen Disziplinen ermittelten sie, wer am besten mit seiner Angelrute umgehen konnte. Auf eine Weitwurf-Disziplin folgten zwei weitere, bei denen Zielgenauigkeit gefragt war. 

Casting ist keineswegs eine Breitensportart. Von allen Mitgliedern in Angelvereinen würden etwa nur zehn Prozent aktiv Casting betreiben. „In unserem Fischereiverband Westfalen und Lippe sind das demnach nur 7000 Leute“, hält Weber fest. Da bereits die Angelvereine kaum Nachwuchs haben, macht sich diese Entwicklung auch bei den Casting-Abteilungen bemerkbar.

Beim Casting werden mit der Angel keine Fische gefangen, sondern es kommt auf Zielgenauigkeit an. Ingo Weber ist Castingreferent des Fischereiverbandes und Geschäftsführer beim ASV Rünthe.

Immerhin sind an diesem Turniertag drei Kinder und Jugendliche vertreten. Die Sportler können die allgemein geringe Resonanz nicht nachvollziehen. Denn das Casting kann auch beim Angeln weiterhelfen. Die bessere Handhabung der Rute mache sich auch beim Angeln bemerkbar, meint Weber: „Man kennt die Stellen, an denen sich viele Fische tummeln. Einige fangen dann nicht so viel wie andere, weil sie nicht an die richtigen Stellen werfen können. Ein guter Caster ist meistens auch ein guter Angler.“

Einer der erfahrenen Caster ist Bernd Golomb. Seit 58 Jahren ist er im Angelverein aktiv und entdeckte in seiner Jugend den Castingsport. „Mit zwölf Jahren habe ich angefangen. In meiner Jugend konnte ich auch einige Erfolge auf Jugendmeisterschaften erzielen.“ 

Auch wenn er danach ein paar Jahre eine Pause einlegte, kam er zum Sport zurück. Früher habe er auch ein Hallentraining in Lünen organisiert. Doch das intensive Training an der frischen Luft mache ihm besonders Spaß. Inzwischen tritt der 71-Jährige in der Seniorenklasse an. 

Wie eine große Familie

Bei der vergangenen Seniorenmeisterschaft des Verbands belegte er zweimal den zweiten Platz und drei weitere Male den dritten Platz. Auf die Verbandsmeisterschaften begleitete ihn der 49-jährige Thomas Ebbert. Er verfolgt das Ziel, die eigene Leistung so weit wie möglich zu steigern. „Besonders im hohen Alter wird es schwierig noch bessere Ergebnisse zu erzielen. Das ist eine große Herausforderung.“ 

Statt eines Hakens hängt an der Angel ein Gewicht.

Pokale oder die Leistungen der anderen seien ihm nicht so wichtig. Ebbert ist zufrieden, wenn er seine persönlichen Ergebnisse verbessern kann. Unter den Castern herrsche außerdem ein sehr gemeinschaftliches Klima, da man sich auf Turnieren wiedersehe. „Man kennt sich untereinander. Wenn man eine Frage hatte oder Hilfe brauchte, stand man sich mit immer mit Rat und Unterstützung zur Seite. Zumindest habe ich es häufig so erlebt.“ 

Die angenehme Stimmung machte sich auch im Laufe des Turniers in Rünthe bemerkbar. Zwischen den einzelnen Durchgängen kamen die Sportler immer wieder ins Gespräch. Auch nach der Siegerehrung saß alle noch etwas zusammen. Ebbert findet: „Wir sind halt eine große Familie.“

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