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Erdbeer-Bauern unter Druck - aber in Bergkamen läuft‘s dank Direktvermarktung und Selbstpflücker

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Von: Klaus-Dieter Hoffmann

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So schmeckt der Sommer, Erdbeeren haben Hochsaison, Erzeuger aber keine ungetrübte Freude am Geschäft.
So schmeckt der Sommer, Erdbeeren haben Hochsaison, Erzeuger aber keine ungetrübte Freude am Geschäft. © © Andreas Rother

Reife Erdbeeren unterm Pflug, weil die Ernte finanziell nicht mehr lohnt. Die Nachricht aus dem Münsterland lässt aufhorchen: Wie kommt Bergkamens Erdbeer-Bauer über die Runden?

Bergkamen – Alles wird teurer – nur die Erdbeeren nicht. Was sich auf den ersten Blick wie eine gute Nachricht für Verbraucher anhört, ist in Wahrheit eine schlechte für die Erzeuger. Im Münsterland haben viele Landwirte begonnen, ihre Erdbeerplantagen unterzupflügen, weil die Einzelhandelsketten ihre importierten Erdbeeren zu unschlagbaren Niedrigpreisen verkaufen und sich die Ernte für die deutschen Bauern nicht mehr lohnt. Könnte das bei den heimischen Erdbeerbauern auch passieren?

SB-Markt-Ware keine Konkurrenz

Thies Henter, einer der größten Erdbeerbauern im Umkreis, lässt dies eher kalt, denn seit einigen Jahren haben er und viele seiner Kollegen in der heimischen Landwirtschaft längst auf Direktvermarktung umgestellt. „Für uns sind die Erdbeeren im Supermarkt keine Konkurrenz“, denn diese Sorten seien wegen ihres relativ langen Transportweges auf robust und haltbar gezüchtet worden, was natürlich deutlich zu Lasten von Süße und Geschmack gehe.

Nur pflücken, was weg geht

Zum anderen würden die heimischen Erdbeerbauern gleich eine Vielzahl von Erdbeersorten anbauen, die immer wieder neue Geschmackserlebnisse böten. Ein weiterer Vorteil sei es für den direktvermarktenden Landwirt, dass er nur das pflücken lässt, was er absehbar auch verkaufen kann.

Verständnis für Nöte anderer

Allerdings kann Thies Henter seine Kollegen im Münsterland ein Stück weit verstehen, denn auch die müssen Mitarbeiter haben, die die Erdbeeren pflücken – und der Mindestlohn sei dabei nicht selten ein K.-o.-Kriterium. „Wenn die Arbeitskosten höher sind als der Ertrag, dann hat es einfach keinen Zweck.“

Risikofaktor Wetter

Nicht zuletzt können auch die Wetterkapriolen, wie sie in den vergangenen drei Jahren häufig aufgetreten sind, den Erdbeerbauern die Laune kräftig vermiesen. So wurden in diesem Mai einige Sorten gleichzeitig reif, was sich eigentlich auf mehrere Wochen hätte verteilen sollen.

Selbstpflücker willkommen

Ein großes Plus sind bei Thies Henter die Felder für Selbstpflücker. „Hier zahlt man nur einen Bruchteil für seine anstrengende Arbeit und wird zudem mit superleckeren Erdbeeren belohnt.“ Besonders die Kids hätten immer wieder ihren Spaß, freut sich Henter. Ava, Romy, Johanna und Jannes gehören mit Mama Dana und Mama Linda bereits zu den Stammkunden, die jedes Jahr in diese Idylle wiederkommen. „Das Schöne ist dabei ja auch“, weiß Mama Dana zu berichten, „dass die Kinder wahrnehmen, wo eigentlich unser Essen herkommt, nämlich aus der Natur.“

Verkehrsprobleme gelöst

Dass Thies Henter insgesamt entspannt wirkt, liegt sicherlich auch daran, dass ihn die gesperrte Bambergstraße nicht mehr wirklich stört, denn durch seine überdimensionalen Erdbeeren, die inzwischen an etlichen Laternenmasten hängen, haben seine Kunden kein Problem, zu den Erdbeerfeldern zu gelangen. Einzig, wenn er seinen Bruder Niels auf dem Hof Henter besuchen möchte, der nur einen Steinwurf entfernt ist, muss Thies Henter schon einen riesigen Umweg fahren.

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