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Analyse: So wohnt es sich in Bergkamens Mitte

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Von: Katharina Bellgardt

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Luftbild von der Stadtmitte Bergkamen mit Rathaus und Stadtverwaltung und Anbau Sparkasse Bergkamen-Bönen - Immobiliencenter in Bergkamen, Ruhrgebiet, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Viele Hochhäuser, Parkplätze, das Rathaus und die Turmarkaden, die nun abgerissen werden – in welche Richtung entwickelt sich die Mitte von Bergkamen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Konzept „Bergkamen mittendrin“. © Szkudlarek

Bergkamen – Mitten in der Innenstadt stehen seit Jahren die Turmarkaden leer. Auch in der Fußgängerzone von Bergkamen herrscht wenig Leben. Die Architektur der Stadtmitte ist von den Bausünden der 1970er geprägt. Das soll sich ändern.

Nun soll das Integrierte Handlungskonzept „Bergkamen mittendrin“ das schwierige Image des Zentrums ändern. Dafür wurde der Ort erst einmal gründlich analysiert.

Was ist „Bergkamen mittendrin“?

Hinter dem sperrigen Titel verbergen sich eine Bestandsaufnahme, Lösungsvorschläge und neue Konzepte für die Mitte. Im Mittelpunkt der Untersuchung standen der Bereich um das Hallenbad, das Rathausviertel, der Bereich um den Nordberg und die ehemalige Bergbaufläche Neu-Monopol. Dafür untersuchte das Planungsbüro Stadtbüro Dortmund die betreffenden Gebiete, analysierte die Statistiken und befragte Anwohner, Vereine und andere wichtige Akteure der Mitte.

Was ist daran problematisch?

Das Planungsbüro bezieht sich teilweise auf veraltete Daten. Bestimmte Ergebnisse gibt es nur aus früheren Jahren, wie etwa durch die Volkszählung 2011 (Zensus). In den meisten Fällen lassen auch die mehrere Jahre alten Daten Schlüsse auf die aktuelle Situation der Stadtmitte zu. Zeit ist trotzdem das größte Problem des Integrierten Planungskonzept, denn mit dem Neubau der Turmarkaden werden wichtige Ergebnisse der jetzigen Untersuchung überholt sein.

Welche Ergebnisse lieferte ein Blick in die Statistik?

In der Mitte leben laut Carsten Schäfer vom Planungsbüro zehn Prozent von Bergkamens Bevölkerung. Die Bewohner sind jünger als der Gesamtdurchschnitt, haben öfter einen Migrationshintergrund und sie werden mehr – seit 2012 hat die Mitte 300 Bewohner mehr, das sind 45 Prozent des Gesamtzuwachses. 

Wie wohnt es sich in Bergkamen-Mitte? 

Die Analyse sei noch holzschnittartig, sagte Carsten Schäfer, aber besonders an der Stadtmitte ist, dass zwei Drittel der Wohnhäuser vor 1977 entstanden sind. „Hier besteht vermutlich Modernisierungsbedarf“, sagte Schäfer. Es gäbe zu wenige kleine Wohnungen für Singles und auch die Barrierefreiheit sei nicht gegeben. Einkaufen ist relativ schwierig in der Mitte. Zwar sei die Grundversorgung gedeckt, mehr jedoch – besonders im Rathausviertel durch den Leerstand der Turmarkaden – nicht. Das alte Einkaufszentrum würde auch die Attraktivität der Gegend schmälern, meinte Schäfer. Das Gebäude wird aber seit Anfang der Woche abgerissen. 

Was kritisiert die Bevölkerung? 

Besonders die Turmarkaden und der Zustand der Fußgängerzone sorgen für viel Kritik. Auch die Brachfläche am Grimberg, der Kaufland-Komplex und der Wasserpark werden negativ gesehen. Die Ergebnisse der Akteursbefragung zeigen, dass sich manche Anwohner in der Stadtmitte unsicher fühlen, besonders wenn es dunkel ist. Auch die wenigen Aufenthaltsmöglichkeiten und der Mangel an Unterhaltung besonders für Jugendliche standen schwer in der Kritik.

Was gefällt den Anwohnern an der Stadtmitte? 

Die Mitte wird vor allem als guter Wohnstandort gesehen, mit schönen Grünanlagen und einer guten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Auch das Kulturangebot fällt positiv auf. Das Zusammenleben ist friedlich. Trotzdem wünschen sich viele ein besseres Verhältnis auch untereinander.

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