Lebensretter für Frösche und Co

Amphibienschutzgruppe richtet Barrieren für mehr als 10 000 Tiere

Gruppe von Helfern der Amphibienschutzgruppe Bergkamen auf Wiese
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Neben der Erich-Ollenhauer-Straße haben die freiwilligen Helfer einen Graben ausgehoben, um die Amphibien einsammeln zu können.

Bergkamen – Die letzten Schneereste sind verschwunden und das beschert der Amphibienschutzgruppe in Bergkamen nun jede Menge Arbeit. Direkt nach dem Tauen des Schnees machten sich Amphibien auf den Weg vom Winterquartier auf dem Gelände der Halde Großes Holz zum Laichgewässer Schwanenweiher jenseits der Erich-Ollenhauer-Straße und müssen auf den richtigen Weg gelenkt werden.

Einen klassischen Schutzzaun aufstellen, müssen die Helfer nicht. Ein altes, senkrecht gestelltes Förderband hinter einem Graben mit geringer Tiefe neben der Erich-Ollenhauer-Straße bildet eine Barriere für Lurche und Frösche. Genug zu tun haben Sandra Prinz, Christian Kruthoff, Heidrun Graner, Tanja Mastenbroek, Uwe Janke und Thorsten Bramey an diesem Morgen trotzdem. Zum einen muss der Graben von Gräsern und Blättern gesäubert werden. Dann müssen die verbuddelten Kanalrohre wiedergefunden werden, die die Eimer aufnehmen, in denen die Amphibien schließlich gesammelt werden.

Teichmolche sind bereits seit einigen Tagen unterwegs zu ihrem Laichgewässer.

Über 30 Teichmolche bringt Kruthoff zum Fototermin. „Wir werden aktiv, sobald die Tiere aktiv werden“, erklärt Kruthoff den Einsatz. „Dummerweise tun sie das meist, wenn das Wetter richtig schlecht ist.“ Nun werde es Zeit, die Molche wandern schon seit einigen Tagen. Zwei Nächte zwischen fünf, sechs Grad würden schon reichen, um sie zu bewegen.

„Das Förderband klettern die Molche oft hoch, außerdem sind diese Einfahrt zum Acker und die Hofeinfahrt dort drüben Lücken im System“, erklärt Bramey, „dort werden wir mit Zäunen abdichten.“

Damit sei die Arbeit aber noch längst nicht erledigt. „Wir sind bestimmt bis in den Sommer hinein vor Ort“, erklärt Bramey. Sind die jungen Teich- und Bergmolche, geschützte Kammmolche sowie Erdkröten, Gras- und weitere Grünfrösche bereit zu wandern, müssen sie erneut über die Hauptverkehrsader Bergkamens. „Ohne uns kämen vielleicht fünf Prozent durch“, erklärt Mastenbroek. 11000 Tiere transportierte die Gruppe zuletzt zurück auf die Nordseite der Straße. Wenn nicht geholfen werde, würde der Asphalt schwarz von Streichholz großen Molchleichen.

Die Amphibien werden in Eimern gesammelt.

Seit drei Jahren kümmert sich die Amphibienschutzgruppe, zu der auch noch Kirsten Reschke, Sabine Freyermuth und Ruth Theiler sowie Brameys Tochter Helene (9) gehören, um den Artenschutz. „Zweimal am Tag und teils bis Mitternacht in der Nacht“, sagt Mastenbroek.

Der Schutzwall selbst besteht seit 2004/05, initiiert von der Ortsgruppe des Naturschutzbunds Deutschland. Wegen zu wenigen Helfern für zu viel Arbeit gab der Verein auf. Die Bürgerinitiative gegen den Bau der Landesstraße L821n übernahm. Bis auf den harten Kern der aktuellen Helfer sind die aber auch raus.

Dass die Ortsumgehung Oberadens noch mehr Verkehr für die Erich-Ollenhauer-Straße mit sich bringt, ist naheliegend. Die Amphibienschutzgruppe befürchtet, dass die Tiere auf dieser Seite der Halde letztlich aussterben, weil der Nachwuchs den Weg zurück nicht mehr schafft. „Aber jede Art ist wichtig in der Nahrungskette“, unterstreicht Tanja Mastenbroek, auch Landschaftswächterin in Bergkamen. Die übrige Fauna im Schutzgebiet Großes Holz würde beeinträchtigt.

Die geschützten Kammmolche haben´s etwas besser. Sie leben auf einer Wiese in der Nähe des künftigen Kreisverkehrs. Dort, knapp 500 Meter westlich vom Schwanenweiher, plant Straßen NRW eine Amphibienschutzanlage. „Projektleiter Sebastian Felgenhauer hat uns zugesagt, eine temporäre – also einen Zaun – und eine dauerhafte Schutzmaßnahme zu errichten“, erklärt Bramey. Auf der Haldenseite soll die Barriere dann geschlossen sein.

Am besten für Mensch und Tier sei eine Untertunnelung der Erich-Ollenhauer-Straße. „Aber dieser Teil ist eine Kreisstraße und der Kreis sagt, er hat kein Geld“, erklärt Mastenbroek. Bramey kann das nicht nachvollziehen und ist der Auffassung, dass sich die offiziellen Stellen zu stark auf die Arbeit der Ehrenamtlichen verlasse. „Wäre Straßen.NRW zuständig, würde wohl die Querung gebaut, die wollen ihre Unterhaltungskosten ja so gering wie möglich halten.“

Die Helfer wollen sich mit der Stadt Bergkamen, dem für die Halde zuständigen Regionalverband Ruhr, der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises und Vertretern von Straßen.NRW nochmal zusammensetzen. Eine Idee ist, die erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen für die Versiegelung der Landschaft durch die neue L821n umzulenken, die Gelder in eine solche Untertunnelung zu stecken.

„Man müsste auch mal gucken, was im südlichen Bereich so kreucht und fleucht“, sagt Mastenbroek, „die Umweltverträglichkeitsprüfung ist ja sehr alt.“ Die Gruppe könne das aber nicht auch noch leisten. „Dort werde der Heidegraben, der ja renaturiert wurde, zerschnitten“, erklärt Bramey.

Kontakt: Wer mitmachen will beim Amphibienschutz kann sich bei Tanja Mastenbroek unter t.luma@gmx.de oder bei Thorsten Bramey unter thorsten.bramey@t-online.de, telefonisch unter 02307/87802 melden.

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