"Spottlight" als Talentschmiede

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Im chaotischen Wohnzimmer einer Wohngemeinschaft werden tiefsinnige Gespräche geführt.

BERGKAMEN - Schon seit vielen Jahrzehnten ist die Jugendgruppe der Volksbühne 20 Oberaden die bewährte Talentschmiede des Theater-Vereins. Viele ihrer heute aktiven und passiven „Alt-Mimen“ machten in dem Jugend-Ensemble die ersten Schritte - auf den Brettern, die schon mal die Welt bedeuten können.

Doch erst seit einem Jahr sind die Nachwuchsschauspieler endlich nicht mehr namenlos und nennen sich nun „Spottlight“ - ein zu Recht doppeldeutiger Name. Denn dass „Spottlight“ zugleich Programm ist, stellte die zwölf Nachwuchs-Akteure umfassende Truppe nun am Samstag unter Beweis, als sie mit ihrem neuesten Dreiakter „Doof gelaufen“ von Nils Heininger im Stadtmuseum in Oberaden eine bejubelte Premiere feiern konnte.

Auf der kuscheligen Kleinkunstbühne in der gutbesuchten Galerie im ersten Stock, wo sich sonst Kabarettisten austoben, haben die Helfer des Theatervereins um den ersten Vorsitzenden Michael Jürgens stilecht das beengte und äußerst chaotische Wohnzimmer einer WG von vier psychoneurotischen Typen aufgebaut.

Denn Vicky, Julia, Tanja und Sebi, was für Sebastian steht, haben allesamt einen gewaltigen Schuss. Die eine ist eine überaus verwöhnte und sexbesessene Millionärstochter, die nächste ein neurotischer Putzteufel, die dritte eine Sozialarbeiterin, die ständig die Welt erklären will. Da Sebi zudem unter allen möglichen Phobien leidet, besitzt er eine Pistole, die ihm von seiner Therapeutin wegen seiner Minderwertigkeitskomplexe verordnet wurde.

„Doof gelaufen“, als er dann damit aus Versehen die Pizzabotin just in dem Moment erschießt, als ein volltrotteliges Gangsterpaar, mit Sophie-Haas-Verschnitt, Valentina und dem ebenfalls neurotischen Klaus, irrtümlich die WG überfällt. Und als dann wenig später auch noch die Polizei an die Wohnungstür klopft, nimmt die turbulente und spritzige Komödie so richtig an Fahrt auf. Denn alle fühlen sich gleichzeitig ertappt und suchen nach Wegen, wie sie heile aus dieser Situation wieder herauskommen.

Mit viel Situationskomik, Schlagfertigkeit, überzeugender Mimik und Charakterisierung der einfältigen Typen sorgen die Nachwuchsmimen auf der Bühne dafür, dass die Zwerchfelle bei den Zuschauern nicht zur Ruhe kommen. Als sich dann Polizist Harry sogar noch freiwillig in die WG begibt, weil den Gangstern eine passende Geisel fehlt, bekommen die nun sechs Gangster endlich einen Fluchtwagen nebst Geldkoffer gestellt – und das Publikum kann sich endgültig vor Lachen nicht mehr halten.

Am Ende verwandelte sich die Bühne von dem chaotischen Wohnzimmer in einen Strand irgendwo in der Karibik, wo sich die sechs inklusive des übergelaufenem Polizisten Harry in der Sonne aalen – und alle fragen sich: „Wirklich doof gelaufen?“

Wer dieses absolut sehenswerte Lustspiel verpasst hat, sollte sich den 23. Oktober vormerken. Denn dann wird es noch einmal im Martin-Luther-Haus aufgeführt. - kdh

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