Baudezernent Dr. Peters: Urteil ist uns Ansporn

Wie lässt‘s sich in Bergkamen radeln? Bürger geben Stadt im ADFC-Zeugnis 2020 die Gesamtnote 4+

Wie steht‘s um die Radwege in Bergkamen? Das und mehr hat der ADFC die Bürger gefragt. Die Zufriedenheit ist er mäßig.
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Wie steht‘s um die Radwege in Bergkamen? Das und mehr hat der ADFC die Bürger gefragt. Die Zufriedenheit ist er mäßig.

Dieses Zeugnis ist fürs Prahlen nicht geeignet. Mit einer 4+ schneidet Bergkamen im aktuellen Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ab.

Bergkamen – Mit Bergkamen als Fahrradstadt sind offenbar immer weniger Menschen zufrieden. Beim ADFC-Fahrradklima-Test 2020 jedenfalls sank die Note für die Stadt erneut – von 3,45 im Jahr 2018 auf nunmehr 3,72. 2014 hatte der Wert noch bei 3,0 gelegen, 2016 bei 3,2.

Baudezernent: Urteil ist uns Ansporn

„Wir nehmen die Beurteilung der gefühlten Fahrradfreundlichkeit als Ansporn auf – wohlwissend, dass weiterhin Handlungsbedarf im Sinne der Radverkehrsförderung besteht“, sagt Dr. Ing. Hans-Joachim Peters, Erster Beigeordnete der Stadt. Beim örtlichen ADFC wünscht man sich keine Leuchtturmprojekte wie etwa die öffentlichkeitswirksame Ausweisung von Fahrradstraßen, sondern viele kleinere Verbesserungen, die das Fortkommen vor allem im Alltag erleichtern.

In Bergkamen gut 100 Teilnehmer

Im vergangenen Herbst hatte der ADFC dazu aufgerufen, sich am Fahrradklima-Test zu beteiligen und die Situation des Radverkehrs in den von ihnen befahrenen Städten zu bewerten – fast 230 000 Menschen im Bundesgebiet machten mit. Für Bergkamen lag die Anzahl der Teilnehmenden bei knapp 100. Das Fahrradklima der Städte wurde in insgesamt 27 Kategorien beurteilt.

Immerhin: Platz im oberen Drittel

Auch wenn der Zufriedenheitsindex vor Ort sinkt: Bergkamen liegt mit der Schulnote 4+ im oberen Drittel seiner Ortsgrößenklassen (20 000 bis 50 000 Einwohner). Bundesweit belegt die Stadt hier Rang 127 von 415 Kommunen, landesweit Platz 39 von 116 vergleichbaren Städten. Insgesamt wird die Situation für Radfahrer in Deutschland mit einer 3,9 bewertet – es gibt also nicht nur in Bergkamen noch jede Menge Luft nach oben.

Positive Ansätze zeigen Wirkung

Stärken und Schwächen des lokalen Radverkehrs wurden im Klima-Test anhand gleichbleibender Kategorien ausgemacht. Als positiv bewertet werden in Bergkamen die Erreichbarkeit des Stadtzentrums (Note 2,4), die Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung sowie die Wegweisung für Radfahrer (beide: 2,6). „Dies bestätigt unsere erfolgreichen Anstrengungen der Vergangenheit zur Optimierung des Radverkehrsnetzes im Stadtgebiet“, wird Radverkehrsbeauftragter Norman Raupach in einer Pressemitteilung der Stadt zitiert.

Darüber hinaus punktet Bergkamen in den Kategorien „Zügiges Radfahren“ und „Radfahren durch Alt und Jung“ (beide: 2,7). Zudem wird der Spaßfaktor (2,9) hervorgehoben. Doch es gibt auch Schwächen.

Minuspunkte: Kein Verleih, wenig Transport in Öffis

Am häufigsten genannt wurden hier das Fehlen eines Fahrradverleihsystems (5,1) und die offenbar nicht ausreichenden Möglichkeiten zur Fahrradmitnahme im öffentlichen Personennahverkehr (4,5). Überdies zeigen sich die Umfrage-Teilnehmer wenig begeistert mit der Führung des Radverkehrs an Baustellen (4,5), dem Winterdienst auf Radwegen und der Falschparker-Kontrolle auf Radwegen (beide: 4,4).

„Wir werden das Testergebnis im Detail auswerten und in unsere weiteren Maßnahmen zur Radverkehrsförderung einfließen lassen“, sagt Raupach. Bei der Behebung der Schwächen seien Verwaltung und Politik jedoch auch auf die Mitwirkung anderer Akteure angewiesen.

Neues Konzept: Bürger sind gefragt

Und sicher auch auf Verbesserungsvorschläge der örtlichen Radler: Ideen sind etwa im Zuge der Fortschreibung des Radverkehrskonzepts gefragt. Dazu will die Stadt in den kommenden Wochen und Monaten auf die Bürger zugehen. Planungsamtsleiter Thomas Reichling hatte jüngst erläutert, dass bei der Fortschreibung der Fokus auf die Alltagsrouten der Bergkamener gelegt werden soll. Will heißen: Das Fahrrad wird nicht nur als Freizeitvehikel gesehen, sondern als Fortbewegungsmittel etwa auch zum Erreichen des Arbeitsplatzes oder beim täglichen Einkauf.

Baustein in der Verkehrswende

Die Stadt Bergkamen ist Teil der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen. 2010 trat er ihr bei, 2017 wurde die Mitgliedschaft verlängert. Der leichte Abwärtstrend beim ADFC-Fahrradklima-Test dürfte den Verantwortlichen im Rathaus ein wenig Kopfschmerzen bereiten. Er hängt wohl auch damit zusammen, dass die Erwartungen der Bürger an die Gestaltung des Radverkehrs immer höher werden – nicht zuletzt, weil er als wichtiger Baustein der Verkehrswende angesehen wird, mit der dem Klimawandel erfolgreich begegnet werden soll.

ADFC-Sprecher: Schul- und Arbeitswege sichern

Aus Sicht von Christian Kruthoff, dem Sprecher der ADFC-Ortsgruppe Bergkamen, sind neben gut ausgebauten Freizeitrouten vor allem sichere und schnelle Verbindungen zu Arbeitsstätten und Schulen wichtig. Die könnten separat entstehen oder etwa auch entlang von Hauptrouten. Auf jeden Fall sollten sie asphaltiert sein, denn wer nach Regenfällen über Wege mit einer wassergebundenen Decke fahre, bekomme schnell dreckige Schuhe und Hosen.

Mehr Rücksicht oberstes Gebot

Wenn es um die Optimierung des Radwegenetzes geht, sollten die Behörden unabhängig von etwaigen Baulastträgerschaften besser zusammenarbeiten, meint Kruthoff. Oberstes Gebot bleibt für ihn aber die gegenseitige Rücksichtnahme. Radwege, mahnt er, seien nicht dazu da, damit die Autos schneller vorankämen oder bei Bedarf ihr Fahrzeug darauf abstellen könnten. „Bei einem vernünftigen Miteinander bräuchte es sie gar nicht“, meint der 64-Jährige.

Die Ortsgruppe Bergkamen des ADFC wurde vor zwei Jahren gegründet; die Mitglieder waren zuvor teils in Kamen organisiert. An den gemeinsamen Radtouren nehmen bis zu 20 Aktive teil.

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