700.000 Euro für die Kanalbrücke: Das passiert auf der Baustelle

700.000 Euro kostet die Sanierung der Brücke über den Datteln-Hamm-Kanal: Bis Ende des Jahres werden ihre drei Fahrbahnübergänge erneuert, die noch aus dem Brückenbaujahr 1970 stammen.
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700.000 Euro kostet die Sanierung der Brücke über den Datteln-Hamm-Kanal: Bis Ende des Jahres werden ihre drei Fahrbahnübergänge erneuert, die noch aus dem Brückenbaujahr 1970 stammen.

Rünthe – Die Kanalbrücke über den Ostenhellweg ist eine besondere. Sie besitzt noch einen sogenannten Rollverschluss, drei statt der üblicherweise zwei Fahrbahnübergänge, zudem liegt sie extrem schiefwinklig auf. Das alles macht auch ihre Sanierung speziell.

Dazu wurde die Überführung Anfang Juli in Fahrtrichtung Osten gesperrt. Im Auftrag des Landesbetriebs Straßen.NRW bringt eine Firma aus Castrop-Rauxel das 1970 errichtete Bauwerk wieder auf Vordermann. 

Zunächst werden die Fahrbahnübergänge erneuert, danach die acht Kalottenlager, auf der die Brücke liegt. Überdies werden die beschädigten gusseisernen Entwässerungsrohre gegen neue aus glasfaserverstärktem Kunststoff ausgetauscht und mit einer neuen Anbringung versehen. Das Ganze dauert bis Jahresende und kostet laut Schätzung rund 700 000 Euro. 

Bauwerk soll sich bewegen können

Wenn ein Lastwagen über die Brücke fährt, ruckelt’s spürbar. „Sie hat ganz bewusst eine große Beweglichkeit“, sagt Projektleiter Martin Parkner von Straßen.NRW. Die Konstrukteure hätten bei ihrer Arbeit nicht nur den zukünftigen Verkehr im Blick gehabt, sondern auch die zu erwartenden Bergsenkungen mitgedacht. 

Laut Martin Parkner vom Landesbetrieb Straßen.NRW (Bild links) müssen auch die defekten Lager der Brücke ausgetauscht werden.

Dazu haben sie in der Mitte der gut 100 Meter langen und knapp 35 Meter breiten Brücke einen dritten Fahrbahnübergang gesetzt – und jenen auf der östlichen Seite als Rollverschluss ausgearbeitet, wie es heute kaum noch gemacht wird. Gerade dieser hat zuletzt große Probleme bereitet. „Anders als die anderen ist der Übergang wasserdurchlässig“, erläutert Parkner. 

Das Ergebnis: Am darunter liegenden Widerlager ist Beton abgeplatzt, darunter kommen stark verrostete Bewehrungseisen zum Vorschein. „Vor allem das Salz, das im Winter gestreut wird, hat dem Bauwerk zugesetzt“, verdeutlicht der Bauingenieur. Und Brücken seien in der Regel das erste, was Räumungsfahrzeuge im Winter ansteuerten, weil es auf ihnen schnell glatt werden könne. In den zurückliegenden 50 Jahren hat sich der Rollverschluss aber auch stark verformt. „Diese Stahlplatte hier hat sich zum Beispiel unter die andere geschoben“, verdeutlicht Parkner und zeigt auf eine beschädigte Stelle.

Bauwerk wird angehoben

Und auch die anderen beiden Übergänge seien sanierungsbedürftig. „Die Gummidichtungen fangen schon an zu reißen, auch die Stahlprofile sind in Mitleidenschaft gezogen, an einer Stelle sogar gebrochen.“ Die vielen kleineren Schäden hätten sich summiert, auf die Sicherheit der Brücke hätten sie aber noch keine Auswirkungen gehabt, betont der Regierungsbauamtmann. 

Mittlerweile sind die beiden äußeren Fahrbahnüberhänge auf jeweils der nördlichen Brückenseite freigelegt, sodass Löcher für eine neue Bewährung gebohrt werden können. Anfang November wollen die Bauarbeiter mit der Erneuerung der Übergänge fertig sein, die künftig alle wassersdicht sind. 

Viele kleinere Schäden an der Brücke haben sich summiert, so dass nun Handlungsbedarf bestand.

Die Stahlverbundbrücke bleibt aber weiterhin nur einspurig befahrbar, denn darunter wird weitergearbeitet. Zum Austausch der Brückenlager wird das Bauwerk später mit acht Pressen um einige Millimeter angehoben – erst auf der einen, dann auf der anderen Seite. 

Die Pressen sind für ein Gewicht von jeweils bis zu 310 Tonnen ausgelegt. Bei den jetzigen Lagern hat sich das Gleitmittel schon so weit herausgearbeitet, dass die Beweglichkeit der Brücke eingeschränkt ist – „und sich weiter einschränken würde, wenn wir nichts unternähmen“, konstatiert Parkner. 

Noch kein Geld für neuen Anstrich

Die Baufirma arbeitet mit zwei, mitunter sogar drei Teams an unterschiedlichen Stellen. Zur Erneuerung des mittleren Fahrbahnübergangs fährt laut Parkner noch ein Lastwagen mit einem Kranarm vor, sodass auch unterhalb der Überfahrung Hand angelegt werden kann. Der Schiffsgüterverkehr könne aber durchgehend aufrechterhalten werden. 

Laut Parkner wurde vor drei Jahren damit begonnen, in einem größeren Paket gleich 13 Landstraßen-Brücken im Gebiet der Bochumer Niederlassung von Straßen.NRW zu sanieren. Die hiesige Kanalbrücke sei die letzte dieser 13. „Am Ende werden wir fünf Millionen Euro verbaut haben“, erzählt der Brücken-Experte. Ein Brückenbauwerk wird auf 100 Jahre gerechnet, seine reale Lebensdauer hängt indes von der jeweiligen Beanspruchung ab. 

Gearbeitet wird mit mehreren Teams an unterschiedlichen Stellen.

Parkner hofft, dass die Kanalbrücke in Rünthe mit den nun eingeleiteten Maßnahmen die nächsten 30 bis 40 Jahr ohne weitere Probleme überstehen kann. Bis dahin wäre aber vielleicht noch ein Anstrich nötig. „Der hätte aktuell den Kostenrahmen gesprengt“, meint Parkner. 

Apropos Beweglichkeit: Parkner berichtet von einer Brücke in Castrop-Rauxel, die sich vor ihrer ersten großen Sanierung nach mehreren Jahrzehnten ganze acht Meter bewegt hat – nach unten, zusammen mit der restlichen Umgebung. In Rünthe müsse aktuell nicht mehr mit größeren Bergsenkungen gerechnet werden, gibt der Straßen.NRW-Mitarbeiter die Einschätzung der RAG wieder.

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