Mit Tagespflege und Kita

24-Millionen-Projekt: Gesundheitszentrum entsteht auf Grimberg 3/4

Skizze Gesundheitszentrum Bergkamen
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So soll das Hauptgebäude des Gesundheitszentrums auf dem Grimberg 3/4-Gelände einmal aussehen. Neu im Vergleich zu früheren Ansichten ist das Staffelgeschoss.

Für ein millionenschweres Bauprojekt in Bergkamen wurde am Dienstag der erste Spatenstich gesetzt. Die ursprünglichen Pläne wurden dabei zuletzt noch einmal erweitert.

Bergkamen – Ein über viele Jahre geplantes Bauprojekt geht in die Realisierungsphase: die Errichtung eines Gesundheitszentrums auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage Grimberg 3/4. Am Dienstag wurde der erste Spatenstich gesetzt. 24 Millionen Euro sollen am historischen Standort in Weddinghofen investiert werden – auch in Wohnungen und eine Kindertagesstätte.

Baustart für das Zentrum sollte zuletzt vor fünf Jahren sein. So hatte es sich jedenfalls der Projektentwickler, die PueD GmbH in Lünen, gedacht. Doch es fehlte am nötigen Kapital. Ein Investor aber wurde vor eineinhalb Jahren gefunden, mit der Wohnvoll AG mit Sitz in Berlin.

Das Unternehmen hat mittlerweile gänzlich das Sagen, die Fläche Ecke Schulstraße/Kleiweg im Dezember erworben. „Wir treten noch als Dienstleiter, Vermarkter und teils als Betreiber auf“, erläuterte PueD-Geschäftsführer Dirk Grünhagen. Man sei froh, dass das Konzept nun endlich zum Tragen komme. „Eine lange Geschichte endet mit einem neuen Anfang.“

Platz für Apotheke und Gastronomie

Das Gesundheitszentrum besteht aus zwei Baukörpern. Im Hauptgebäude sollen auf vier Etagen (inklusive Staffelgeschoss) Arztpraxen, Fitness- und Reha-Angebot, Tagespflege, Pflegewohngemeinschaften, Apotheke sowie Gastronomie untergebracht werden. Im Nachbarhaus, das am Waldrand entsteht, sind 28 Wohnungen, ein zahnärztliches Kompetenzzentrum sowie die Kindertagesstätte geplant.

In den nächsten Wochen und Monaten soll zunächst der Bauplatz vorbereitet werden: Wild gewachsenes Grün verschwindet ebenso wie die bestehende Asphaltdecke. Mit den Gründungsarbeiten zunächst fürs Kita-Gebäude sei – je nach Witterung – im Februar/März zu rechnen. Vier Monate später soll’s mit dem Hauptgebäude losgehen. Bauzeit insgesamt: rund 18 bis 22 Monate.

Griffen gemeinsam zum Spaten: (v.l.) Wohnvoll-CDO Andreas Skoberne, Dezernentin Christine Busch, Wohnvoll-Vorstandsvorsitzender Sebastian Holl.

„Wohnvoll Village“ – unter diesem Namen setzt die Wohnvoll AG das PueD-Konzept um. „Wir werden hier einen modernen Wohlfühlort mit vielen Service- und begleitenden Pflegeangeboten errichten“, kündigte Vorstandsvorsitzender Sebastian Holl am Dienstag an – mit einem hohen Maß an Digitalisierung, von dem auch Angehörige profitierten.

Zum ersten Spatenstich waren etwa 40 Gäste gekommen, darunter – in Vertretung des Bürgermeisters – Bergkamens Sozialdezernentin Christine Busch. Sie erinnerte an den Beginn der Industrialisierung am Standort im Jahr 1923, an das schwere Grubenunglück mit 405 toten Kumpel vor über 75 Jahren sowie die Schachtverfüllung 1994. Mit Blick auf das Bauprojekt sagte sie: „Wir haben einen langen Atem benötigt. Uns ist die Luft aber nicht ausgegangen.“

Vier Kita-Gruppen mit 65 Plätzen

Nach Ansicht Buschs trägt das Gesundheitszentrum dazu bei, dass die Menschen aus dem Stadtteil – ob gesund, oder krank – dort leben und bleiben können, wo sie sich wohlfühlen. Froh ist sie, dass das auch für Familien mit Kindern gilt, die einen heilpädagogischen Betreuungsbedarf haben.

So wird die Kita künftig von der Lebenszentrum Königsborn gGmbH betrieben. „Wir werden mit einer Gruppe aus Königsborn hierhin umziehen“, kündigt Anne Rodemann an. Laut der Gesamtleitung Kindertagesbetreuung des Trägers kommen etliche der betreuten Kinder ohnehin aus Bergkamen. Insgesamt sollen am Standort vier Kita-Gruppen für U3- und Ü3-Kinder mit zusammen 65 Plätzen entstehen. Auch an Inklusionsgruppen sei gedacht, so Rodemann.

„Wohnvoll-Villages“ sollen laut Unternehmen deutschlandweit entstehen. Ab 2023 seien sechs bis zehn „Dörfer“ pro Jahr geplant, davon mehrere im Ruhrgebiet, heißt es. Bei der Umsetzung sei an Nachhaltigkeit gedacht. In Bergkamen etwa soll zum Großteil der KfW-40-Standard angewendet werden, um Energieaufwand und Heizkosten niedrig zu halten. „Das sei nur möglich, weil Bergkamen so sensationell gute Fernwärme-Werte hat“, betonte Wohnvoll-CDO Andreas Skoberne.

Interessenten für Arztpraxen gibt es bereits

Die Wohnungen im Gesundheitszentrum verfügen den Angaben nach über jeweils zwei Zimmer. „Mit dieser Ausrichtung sprechen wir eher Menschen in der zweiten Lebenshälfte an“, sagt Skoberne.

Und: Zwar habe man das PueD-Konzept weitgehend übernommen, bei der Ausstattung der Gebäude habe man aber noch mal draufgesattelt. So sei unter anderem eine hochwertige Klinkerfassade geplant.

Die Wohnvoll AG will nach Angaben des Vorstands langfristig Eigentümerin des Objekts bleiben. An ein Investorenmodell oder einen Verkauf sei nicht gedacht.

Für die Arztpraxen habe man bereits zwei Interessenten gewinnen können, berichtete PueD-Geschäftsführer Grünhagen. Diese planten einen Umzug innerhalb Bergkamens. Man gehe von einer verstärkten Nachfrage in der Zukunft aus, zumal in Bergkamen seines Wissens nach sieben Kassensitze für Allgemeinmedizin unbesetzt seien. Gerade jüngere Ärzte werde man ansprechen.

Neben dem Gesundheitszentrum, das an der Straße Grimberg einen Parkplatz erhält, soll auf dem früheren Zechengelände eine kleine Wohnsiedlung entstehen. Diese plant die UKBS. Aktuell sind dort in der ehemaligen Bergbauberufsschule („Fakt Campus“) diverse Bildungsstätten beheimatet.

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