14. ADAC Oldtimer Classic Borg

Stelldichein der Liebhaber historischer Autos in der Marina Rünthe

Eine runde Sache war die Prüfung in der Marina: Ben-Paul Mattenberg hielt den Rennreifen hoch, die Teilnehmer mussten den Umfang schätzen.
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Eine runde Sache war die Prüfung in der Marina: Ben-Paul Mattenberg hielt den Rennreifen hoch, die Teilnehmer mussten den Umfang schätzen.

Wer in Rünthes guter Stube flaniert, schaut in der Regel, was da so im Wasser dümpelt. Am Samstag lohnte aber auch der Blick auf die Straße.

Rünthe – Benzinschwaden wehen mit einer Nuance von verbranntem Zweitaktgemisch. Dazu knattert’s kräftig, mal leicht metallisch aus dem Wartburg, dann recht sonor aus dem Rohr des BMW-Motorrads mit Beiwagen und hörbar viel Hubraum. Es ist das Kontrastprogramm zu Klimadiskussion und E-Mobilität, was am Samstag vor der Remise auf Gut Keinemann und danach in der Marina passierte.

100 Autos und Motorräder am Start

Knapp 100 Automobile und Zweiräder mit dem bezeichnenden „H“ auf dem Kennzeichen haben ihre Besitzer vorgefahren. „H“ für historisch: Die 14. ADAC Oldtimer Classic Borg machte auf der Hälfte der Ausfahrt Mittagspause in Rünthe. Eine Prüfung stand auf Gut Keinemann auch an. Die Piloten mussten die Höhe ihres Fahrzeuges schätzen oder wissen, einige maßen vorher mit dem Zollstock nach. An jeder Station auf der Route über 100 Kilometer stellten die Macher den Fahrern Aufgabe mit Bezug zum Automobil.

Oldtimer-Parade in der Marina Rünthe

Mit guter Laune unterwegs: Die Marina war Station der Rallye.
Mit guter Laune unterwegs: Die Marina war Station der Rallye.
Mit guter Laune unterwegs: Die Marina war Station der Rallye.
Mit guter Laune unterwegs: Die Marina war Station der Rallye.
Oldtimer-Parade in der Marina Rünthe

Beim Halt zuvor, am Kraftwerk Heil, musste die ihr Gefährt exakt fünf Reifenumdrehungen vorwärts rollen. Wer das rechte Maß nicht traf, kassierte Strafpunkte. In der Marina Rünthe galt es, den Umfang eines Rennreifens zu schätzen. Ein pfiffiger Teilnehmer hielt ihn neben das Rad seines Buckelvolvos. „So 175 Zentimeter“, wusste er sogleich. Kinderleicht war’s nicht für jeden, obwohl hier der erst fünfjährige Ben-Paul Mattenberg mit der Aufsicht betraut war.

Überhaupt sind Oldtimer nicht nur etwas für alte Männer. „Das Motorengeräusch, dieser Sound, der Benzingeruch, das ist Autokultur“, schwärmte Amelie Mitrenga. Die 21-Jährige ist mit einem Golf 3 dabei, sie träumt von einem Porsche 964. „Zu teuer, leider“, bedauert sie. Aber Sie für einen Oldie auf vieles verzichten, um sich das leisten zu können.

Die Preise sind in die Höhe geschossen

Also sitzen eher Leuten am Steuer, die sich am Ende eines Arbeitslebens belohnen wollen. Alte Schätzchen sind zudem Spekulationsobjekte geworden. „100 000 Euro habe ich für meinen Jaguar E1-Type, Jahrgang 68, hingelegt“, erklärt ein Bergkamener Gast. Seinen Namen behält er für sich, Neid ist ein Problem. „Der E-Type war ein Traum von mir. Ich hab ein Faible für englische Autos und mein Geld selbst erarbeitet. Es ist nicht geerbt.“

Selbst Kleinod steht hoch im Kurs

Selbst an den Kleinen hängen große Summen. Norbert Kecks Goggomobil ist Baujahr ‘59. Das letzte Wertgutachten bescheinigte dem Selmer, dass sein Symbol des Wirtschaftswunders heute am Markt bei 15 000 Euro steht. Als er sich das Gefährt 1983 als Student zulegte, waren 850 D-Mark genug.

Zwei aus demselben Baujahr

Keck ist Dauergast der Oldtimer Classic wie die meisten im Starterfeld. „Die richtig alten Autos aus den 1930er-Jahren sind heute in der Garage geblieben“, bedauerte Mitorganisator Gerd Meneken. Sein Stolz ist ein VW Käfer. „Baujahr 1952, mein Geburtsjahr.“ Liebevoll restauriert ist das Modell, hat einen Dachgepäckträger. „Die Sachen sind vom Flohmarkt“, deutet er auf die Fracht: Skier, Pappkoffer und eine Holzkiste mit Cola-Flaschen. „Damals sind die Leute mit dem Käfer so als Familie in den Urlaub gefahren, auch nach Italien.“

Für Neuwagen ein Auge zugedrückt

Bierernst nimmt auch das Personal des MSC Bork die Prüfungsregularien nicht. So passiert ein offensichtlich nagelneuer Renault Alpine die Einlasskontrolle zur Oldtimer-Remise auf dem Rünther Gut. „Es ist ja ein schönes Auto und der alte Alpine des Fahrers tat es heute Morgen nicht“, erklärt der Türsteher die Nachsicht. Geht es bei der Rallye doch weniger um den Gesamtsieg, als darum, die Schätzchen zu präsentieren und gemeinsam eine schöne Ausfahrt zu erleben.

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