Zwischenbilanz

100 Tage Impfzentrum im Kreis Unna: „Könnten viel mehr Leute versorgen“

Dem Impfzentrum in Unna stehen derzeit pro Tag zwischen 1200 und 1400 Impfdosen zur Verfügung. An den mittlerweile zehn Impfstraßen könnten aber weitaus mehr Menschen versorgt werden – bis zu 2000.
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Dem Impfzentrum in Unna stehen derzeit pro Tag zwischen 1200 und 1400 Impfdosen zur Verfügung. An den mittlerweile zehn Impfstraßen könnten aber weitaus mehr Menschen versorgt werden – bis zu 2000.

Das Impfzentrum des Kreises Unna in der Kreissporthalle in Unna besteht seit 100 Tagen. Während die Kapazität nach und nach ausgebaut wurde, hat sich eines seit der Eröffnung am 8. Februar nicht verändert: die Mangelverwaltung. Noch immer gibt es viel zu wenig Impfstoff.

Kreis Unna – Mit fünf Impfstraßen war das Impfzentrum an den Start gegangen, mittlerweile wurde deren Zahl auf zehn verdoppelt, wobei die Nachbeobachtung der Geimpften aus Platzgründen in die benachbarte alte Kreissporthalle ausgelagert wurde. „Wir könnten pro Tag bis zu 2000 Menschen mit Impfstoff versorgen“, sagt Dr. Theodor Spanke, Ärztlicher Leiter des Impfzentrums. Aktuell stünden aber in der Regel nur zwischen 1200 bis 1400 Impfdosen zur Verfügung.

Bis dato haben im Impfzentrum mehr als 72.000 Menschen ein Mittel zur Immunisierung gegen das Coronavirus verabreicht bekommen, bei rund 24.000 von ihnen wurde bereits eine zweite Spritze gesetzt. Eingesetzt werden vor allem die Vakzine von Biontech/Pfizer sowie Moderna. An zwei Vormittagen in der Woche greifen die Mediziner auch auf Astrazeneca zurück.

Termine sind derzeit kaum zu bekommen

Selbst wer impfberechtigt ist, kommt oft nicht zum Zuge. Das gilt für jene, die sich beim Hausarzt die Spritze geben lassen möchten, wobei bei den Mitteln von Astrazeneca und Johnson & Johnson die Priorisierung längst aufgehoben wurde. Das gilt aber auch für Angehörige der Priorisierungsgruppe 3, die aktuell über das Impfzentrum versorgt werden sollen. „Im Moment ist es online nur sehr eingeschränkt möglich, einen Termin zu bekommen“, berichtet Spanke. Man hoffe auf Juli, dann solle sich die Lage bei der Ausstattung mit Impfstoffen entspannen.

Die Chancen bei der „Terminlotterie“ würden dann aber nicht unbedingt sofort steigen, räumt Spanke ein. Das sei unter anderem davon abhängig, wie viele Impfberechtigte es dann gebe. Werde die Priorisierung, wie jetzt beabsichtigt, im Juni etwa auch bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna aufgehoben, würde die Zahl der Impfberechtigten sprunghaft steigen. Gleiches gelte bei einer möglichen Freigabe des Biontech-Mittels für Jugendliche ab zwölf.

Die Geduld der Impfwilligen schwindet

Auch an erste Auffrisch-Impfungen in Pflegeheimen müsse gedacht werden, ergänzt Spanke. Experten gingen teils davon aus, dass diese schon nach acht bis zwölf Monaten nötig seien. Zur Erinnerung: Erste mobile Teams der Kassenärztlichen Vereinigung hatten gleich nach Weihnachten 2020 mit dem Impfen in den Einrichtungen begonnen.

Auf Dauer sieht Spanke die Impfungen gegen das Coronavirus – analog zu allen anderen Impfungen – bei den niedergelassenen Ärzten verortet. Das Impfzentrum in Unna werde es aber vermutlich bis mindestens Ende des Jahres geben müssen – wenn nicht sogar weit über diesen Zeitpunkt hinaus.

Was die Arbeit dort zurzeit erschwere, sei die nachlassende Geduld der Impfwilligen. „Wir merken, dass der Druck größer wird – auch, weil schon so viel von Erleichterungen für Geimpfte die Rede ist und der Sommerurlaub geplant werden möchte“, sagt Spanke. Unterdessen würden Termine von Menschen gebucht, die noch gar nicht impfberechtigt seien. „Da werden dann teils Atteste von Arbeitgebern vorgelegt, obwohl die genannte Berufsgruppe noch gar nicht an der Reihe ist.“

Größte Vorsicht bei Impfstoff-Bereitstellung

100 Tage Impfzentrum des Kreises Unna: Aus diesem Anlass zieht auch die Apothekerkammer Westfalen-Lippe eine Zwischenbilanz. Ihren Angaben nach haben in Unna bislang rund 220 Apotheker und Pharmazeutisch-technische Assistenten den teils hochsensiblen Impfstoff für die Verimpfung auf- und vorbereitet.

Die Bereitstellung des Impfstoffs durch pharmazeutisches Personal sei alles andere als trivial, verdeutlicht Apothekerin Sarah Maria Doll, Pharmazeutische Leiterin im hiesigen Impfzentrum. Jeder noch so kleine Fehler würde die Wirksamkeit gefährden. Daher gebe es eine exakte Verfahrensanweisung, an die man sich akribisch halte.

Größte Vorsicht sei auch bei der Übergabe der Impfspritzen an das medizinische Personal geboten. „Schlagen die Spritzen beim Transport in einer Schale aneinander, kann der Impfstoff seine Wirkung verlieren“, erläutert Doll. Daher kämen für den Transport keine einfachen Behälter, sondern nur speziell angefertigte Schalen aus dem 3D-Drucker zum Einsatz. Hinzu komme eine genaue Dokumentation, da das Vakzin nach Aufbereitung nur begrenzte Zeit lang verimpft werden dürfe.

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