Seit fast zwölf Jahren dabei

100 Mahlzeiten pro Tag: Sibille Winkler (47) ist die gute Küchenfee der Kita Mikado

Sibille Winkler kocht seit Februar 2009 in der Kindertagesstätte Mikado in Bergkamen. Damals besuchten ihre eigenen Kinder noch die Einrichtung.
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Sibille Winkler kocht seit Februar 2009 in der Kindertagesstätte Mikado in Bergkamen. Damals besuchten ihre eigenen Kinder noch die Einrichtung.

Schnippeln, würzen, brutzeln: Sibille Winkler hat gut zu tun. Als Küchenchefin bringt sie in normalen Zeiten täglich etwa 100 Mahlzeiten auf den Tisch. Und das mit nur einer Spülhilfe und ohne großes Team, an das sie die Aufgaben delegieren kann. Denn Winkler kocht nicht in einem Restaurant, sondern in der Kindertagesstätte Mikado. Seit fast zwölf Jahren steht sie dort am Herd.

Bergkamen – Durch einen Zufall ist es dazu gekommen. „Meine Kinder sind hier in den Kindergarten gegangen. Ich habe gesagt ‚Wenn ihr mal Hilfe braucht, sagt Bescheid‘.“ In ihren Anfangszeiten verließen etwa 20 bis 25 Mittagessen pro Tag ihr neues Reich in der Kindertagesstätte. „Über die Jahre sind es immer mehr geworden.“

Dementsprechend früh beginnt ihr Arbeitstag. Um 7.30 Uhr steht die gelernte Köchin, die ihre Ausbildung in der Hauptkantine der Ruhrkohle AG in Dortmund absolviert hat, auf der Matte und beginnt mit den Vorbereitungen. „Ich bereite die Beilagen und den Nachtisch vor, schneide das Obst und Gemüse, plane den Speiseplan und gebe die Bestelllungen auf.“ Um das Frühstück kümmern die Gruppen sich selbst. Aber da ist noch etwas: „Manchmal backe ich aber auch.“

„Kinder sind einfach so herrlich ehrlich“

Ob es schmeckt, erfährt die 47-Jährige ungefiltert. „Kinder sind einfach so herrlich ehrlich“, sagt sie. Dafür, dass sie mit ihren abwechslungsreichen und oft selbst entwickelten Rezepten den Geschmack ihrer kleinen Gäste trifft, gibt es etliche Beispiele.

Vor Kurzem war Winkler für einige Wochen krank, das Mittagessen kam vom Caterer. Als sie die Küche wieder übernahm, schickte eine Gruppe ihr ein Jubel-Video. Normalerweise wären die kleinen Feinschmecker wohl zu ihr gestürmt – wegen der Corona-Pandemie herrscht allerdings strenges Küchenverbot für sie.

„Ein Junge, der hier in die Kita gegangen ist und jetzt die fünfte Klasse besucht, hat mich schon zu seiner Hochzeit eingeladen“, erzählt die Küchenfee schmunzelnd. Dort solle sie seiner Frau dann die Geheimnisse ihrer Kochkunst anvertrauen.

Manchmal gibt sie auch Eltern Tipps

Eltern fragen immer wieder mal nach den Rezepten, weil die Sprösslinge Sibille Winklers Essen lieber mögen als die heimische Kost. „Manchmal mache ich auch eine Ausnahme und verrate etwas.“

Keine Ausnahme dagegen gibt es bei ihren Messern. Die sind ihr Heiligtum. „Da darf absolut keiner dran“, betont sie, denn ohne gute Messer geht es nicht, bei so viel Obst und Gemüse, das Sibille Winkler schnippeln muss. Wenn es Kartoffeln gibt, schält sie die Erdäpfel direkt kiloweise. „Da gehen schon so 15 Kilo bei drauf“, berichtet sie.

Neben gesunden Zutaten legt die Köchin, die 1995 die Dortmunder Stadtmeisterschaften im Kochen gewann und Vierte bei den Landesmeisterschaften wurde, Wert auf Abwechslung im Speiseplan, den sie selbst schreibt. Mal gibt es Fleisch (Geflügel), mal vegetarische Gerichte, mal Suppen und Eintöpfe. Manches brauche sie jedoch gar nicht erst zu versuchen. Mit Grünkohl und Pilzen sei fast kein Kind glücklich zu machen.

„Wir geben sie auch nicht mehr her!“

Das Team um Kita-Leiterin Martina Müller vertraut auf Winklers Einschätzung. „Da redet mir keiner rein“, freut sie sich über die freie Hand für den Speiseplan. Auch das ist ein Grund, warum sie sich im Mikado so wohl fühlt, obwohl ihre Aufgabe über die Jahre anspruchsvoller geworden ist. „Ich koche in einer etwas erweiterten Haushaltsküche, das ist logistisch schon kompliziert bei diesen Mengen.“ Dennoch: Jegliche Überlegungen, ob sie den Arbeitsplatz wechseln möchte, sind zugunsten des Mikado ausgefallen. Sie fühlt sich wohl in der Einrichtung. „Außerdem ist das ein guter Beitrag zur Gesellschaft, finde ich. Man hilft bei der Entwicklung der Kinder mit. Und es macht Spaß.“

Dass eine gelernte Köchin mit Meisterschaftserfahrung wohl eine Seltenheit in Kindertagesstätten ist, weiß Chefin Martina Müller ganz genau. Umso glücklicher ist sie über das Engagement der 47-Jährigen: „Da haben wir ganz großes Glück. Wir geben sie auch nicht mehr her!“

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