1-2-3 Bergkamen: Stadt drückt beim "Dreck weg" aufs Tempo

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Einsatzbereit und mit dem neuen Logo verziert steht das „SEK“-Fahrzeug beim Bauhof bereit.

Bergkamen – Welche Stadt hat sie nicht? Schangelige Ecken überfälliger Grünpflege und ekelige Anblicke auf die hässlichen Hinterlassenschaften achtloser Mitbürger an Bänken, Büschen und was man sonst noch so vollmüllen kann. Weil es mit erhobenem Zeigefinger nicht zu besseren Zuständen kommt und der Baubetriebshof beim Reinemachen kaum noch hinterher, hat die Stadt aufgerüstet: Mit einer „schnellen Eingreiftruppe“ unter dem Titel „1-2-3 Bergkamen“ will sie derlei Probleme lösen.

Schon am Dienstag nach Pfingsten soll es losgehen. Mit drei „Saubermännern“, die schon ausgesucht sind und nun zügig ihren Arbeitsvertrag für zunächst zwei Jahre Versuchsphase erhalten. Und mit Fahrzeug und Gerät, das auf Basis des grundlegenden Ratsbeschlusses von Dezember bereits angeschafft ist und, mit dem imagefördernden 1-2-3-Signet verziert, für den Einsatz bereit steht. 

Das kostet eine Stange Geld, 250 000 Euro fürs Personal über die zwei Jahre Projektphase und 60 000 Euro für die beschaffte Ausstattung. Da kamen unter dem Einfluss der Verwerfungen der Coronakrise im Stadtentwicklungs- wie im Umweltausschuss bei der CDU massive Zweifel auf, ob diese Investition noch sinnvoll ist. Fraktionschef Thomas Heinzel beantragte, „1-2-3 Bergkamen“ zurückzustellen, weil nicht absehbar sei, wie groß die Löcher ausfallen, die von der Pandemie absehbar in die Finanzen gerissen werden.

Das sah Werner Engelhardt von BergAuf ganz ähnlich. „Wir sollten erst einmal ins Portemonnaie schauen, bevor wir das Geld ausgeben“, mahnte Heinzel auch im Haupt- und Finanzausschuss noch einmal, erst die Einnahmeausfälle – nach aktueller Schätzung des Kämmerers gut sieben Millionen Euro – und Corona-Extraaufwendungen zu bilanzieren, am besten das Geld an dieser Stelle zusammen zu halten. 

Für die SPD blieb es dabei: „In zwei Jahren wollen wir das Projekt neu bewerten, so wie wir es im Rat beschlossen haben“, gab Fraktionschef Bernd Schäfer zurück. Seine Rünther Parteifreundin Monika Werne pflichtete ihm bei und sah im Ausnahmezustand erst recht einen Grund, bei der Stadtbildpflege eine Schüppe drauf zu legen: „Die Bürger sind in diesen Tagen froh, wenn sie vor die Tür können und gehen viel spazieren.“ Weil sie kaum reisen könnten, habe die Erholung vor der Haustür erheblichen Wert, fürs Gemüt obendrein. Aber das werde nicht heller, wenn allerorten Unrat ins Auge falle. „Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich darauf angesprochen werde“, gab Wernau zu Protokoll. 

Bauhof-Mitarbeiter pflegen gezielt Rabatten 

Grünen-Sprecher Hans-Joachim Wehmann hielt der Verwaltung zwar vor, das teils schlechte Ortsbild sei durch die von seiner Fraktion beklagten Sparmaßnahmen auch selbst verschuldet. Er teilte aber die Ansicht, dass es dieser Tage auf die Aufenthaltsqualität besonders ankomme. BBH-Leiter Stephan Polplatz hob ebenfalls hervor, „dass es in der Bevölkerung eine erhebliche Erwartungshaltung“ in dieser Hinsicht gebe. Deshalb soll „1-2-3 Bergkamen“ zwar nicht hexen, aber nach Möglichkeit schon am nächsten Tag zur Stelle sein, wenn Bürger wilde Müllkippen, wucherndes Grün oder Ähnliches melden. Dafür gibt es einen kurzen Draht. 

Darüber hinaus nimmt sich der Bauhof gezielter die Rabatten vor, damit Bergkamen ein besseres Bild abgibt. Und der typische Behördensatz „Da sind wir nicht zuständig“ soll nicht fallen, wenn etwas im Argen liegt. Im Gegenteil: Die städtischen Gärtner sollen auch Kreisverkehre und Banketten anderer Straßenbaulastträger in Schuss bringen, wenn sie zur regelmäßigen Pflege unterwegs sind. „Der Bürger weiß nicht, dass da Straßen.NRW oder ein anderer zuständig ist. Er sieht nur, dass es in seiner Stadt nicht gut aussieht“, warb Polplatz um Unterstützung. Denn auch hier geht es ums knappe Geld. Über eine teilweise Kostenerstattung wird verhandelt, Optimismus ist aber fehl am Platz. Wie es hübsch aussehen kann bei ökonomischer Gestaltung der Beete, hat der Betrieb mit einem Azubi-Projekt an der Kurt-Piehl-Straße schon gezeigt. „Das scheint gut anzukommen“, sagte Polplatz mit einem Achselzucken, „die Hälfte der Pflanzen ist nämlich schon weg.“

Auf drei Wegen können Bürger der Stadt mitteilen, wo etwas im Argen liegt. Per E-Mail an buergermeisterbüro@bergkamen.de, über die Rufnummer 96 51 23 und die Mängelmelder-App, die Kürze freigeschaltet und präsentiert wird.

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