Barbarazweige: Die Blüte an Weihnachten steht für Glück

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Frühlingsblüten im Winter? Die Zaubernuss kann das. Als Barbarazweig bringt sie die Vorfreude auf den Frühling in die dunkle Jahreszeit. Foto: Andrea Warnecke

Berlin (dpa/tmn) - Es ist ein Jahrhunderte alter Brauch: Am 4. Dezember schneidet man im Garten die kahlen Zweige von Bäumen, stellt sie im warmen Haus in eine Vase und wartet. Erblühen sie an Weihnachten, sollen Wünsche in Erfüllung gehen.

Großmutter hat es immer so gemacht. Am 4. Dezember stapfte sie durch den Schnee - manchmal auch durch den grauen Winterregen - in den Garten. Mit einer Schere schnitt sie vom Kirschbaum, von der Weide oder von der Zaubernuss Äste ab, die in eine Vase kamen. Mit etwas Glück blühten sie am Weihnachtstag - und sollten Glück im kommenden Jahr bringen.

Die Barbarazweige werden traditionell am 4. Dezember geschnitten, dem Gedenktag der Heiligen Barbara. Das geht auf eine Legende zurück: Die Heilige Barbara, eine Kaufmannstochter, wurde ins Gefängnis gebracht, erläutert die Evangelische Kirche in Deutschland. Auf dem Weg dorthin verfing sich ein Kirschzweig in ihrem Kleid. In ihrer Zelle benetzte Barbara den Zweig regelmäßig mit Wasser. Am Tag ihrer Hinrichtung öffneten sich die Blüten, so die Überlieferung.

Den Brauch, Zweige zur dunklen und kalten Adventszeit in die Wohnung zu stellen, gibt es schon lange. Und der Tag der Heiligen Barbara wurde als ein Art Lostag für das Schicksal wahrgenommen: Erblühen die Zweige bis zum Weihnachtsfest, gehen Wünsche in Erfüllung. Tun sie es nicht, sollte man im kommenden Jahr mit Unglück rechnen. In einigen Regionen gab es begleitende Losungen: In Niederösterreich zum Beispiel wurden beschriftete Zettel an die Zweige gehängt. Der Name auf dem Zettel an dem Zweig, der als Erstes erblüht, werde im darauffolgenden Jahr Glück haben, hieß es.

Geeignet für die vorzeitige Blüte sind laut der Gartenakademie Rheinland-Pfalz frühblühende Gehölze wie Winterjasmin, Zaubernuss, Kornelkirsche, Zierkirschen, Japanische Quitte, Goldregen und Ginster. Auch Zierjohannisbeere, Schlehe, Zierpflaumen, Mandelbäumchen, Forsythie, Weide und Hasel lassen sich vortreiben. "Mit Apfel, Flieder und Rhododendron gelingt es nur schwer", sagt Oliver Fink, Vorsitzender des Verbandes der Gartenbaumschulen in Haan in Nordrhein-Westfalen.

Wichtig ist etwas, was auf der Hand zu liegen scheint: Nur Zweige, die Knospen tragen, blühen auch. Doch so einfach ist es für den Hobbygärtnern gar nicht auszumachen, welche Knubbel am Holz denn Blüten und welche Blätter tragen werden, erläutert Fink. Bei der Forsythie erblühen etwa jene Knospen, die mit mehreren anderen eng zusammenstehen. "Aber sonst sind sie kaum von den einzelnen Blattknospen zu unterscheiden." Er rät, im Zweifel einen Floristen oder Gärtner um Rat zu fragen.

Hobbygärtner lassen die Zweige am besten nur langsam antreiben, rät die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Sie kommen also nicht direkt in ein warmes Zimmer, sondern zunächst für einige Tage in einen kühleren Raum. Beginnen dort die Knospen zu schwellen, wandert die Vase mit warmem Wasser in wärmere Umgebung.

Gartenexperte Fink vergleicht das Prozedere mit dem Einzug des Frühlings in die Natur: Der Hobbygärtner sollte die Temperatur für die Zweige nach und nach ansteigen lassen - sie kommen daher vom Freien zum Beispiel in einen nicht beheizten Flur mit etwa 10 bis 15 Grad und erst im nächsten Schritt ins mollig-warme Wohnzimmer.

Wer ungeduldig ist und die Vase direkt neben die Heizung stellt, tut den Zweigen nichts Gutes. Statt zu erblühen, vertrocknen sie, erläutern die Experten der Gartenakademie Rheinland-Pfalz. Besser sei es, die Zweige direkt nach dem Schnitt für mehrere Stunden in warmes Wasser zu stellen. Auch so gaukelt man ihnen vor, es sei Frühling, und die Temperaturen stiegen an.

Ein Problem könnte aber die Witterung sein: Setzt der Winter erst spät ein und ist über Wochen zu warm, gelingt es meist nicht, im Dezember die Zweige im Haus zum Blühen zu animieren. Die Zweige brauchen für die vorzeitige Blüte einen Kälteschock, um wenigstens gefühlt einen Winter im Freien erlebt zu haben, erläutert Fink. Das bedeutet, es sollten über mehrere Wochen Temperaturen von nur plus zwei bis vier Grad oder einige Male Minusgrade herrschen. Der Gartenexperte rät in diesem Fall die Zweige für ein paar Tage in die Gefriertruhe zu legen. Ist die Schnittstelle feucht, sollte man sie zum Schutz vor den Minusgraden in Alufolie einwickeln.

Am besten werden die Zweige noch einmal angeschnitten oder die Enden mit dem Hammer leicht weichgeklopft, bevor sie in die Vase kommen. So nehmen sie Wasser besser auf. Alle drei bis fünf Tage sollte das Wasser in der Vase ausgewechselt werden.

Weitere Infos zu Barbarazweigen

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