Angehörige von Menschen mit Demenz sind oft überfordert

Angehörige von Patienten mit Demenzerkrankungen sind mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert. Die Betreuung eines demenzkranken Patienten ist in den meisten Fällen außerordentlich belastend und führt, wie in zahlreichen Untersuchungen gezeigt wurde, zu psychischen, in erster Linie depressiven Störungen, körperlichen Problemen und einer verminderten Lebensqualität.

„Beispielsweise treten bei 30 bis 80 Prozent der Angehörigen depressive Symptome auf“, warnt die Deutsche Alzheimer e.V. „Weit mehr als die Beeinträchtigungen von Konzentration und Gedächtnis tragen dabei die ausgeprägten Veränderungen des Verhaltens der Patienten zur Überforderung der Angehörigen bei.“

Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei rund 58 Jahren, wobei es eine große Streubreite gibt (20– 85 Jahre). Die Erkrankung beginnt mit einer Veränderung von Verhalten und Persönlichkeit. Die Patienten erscheinen im Vergleich zu ihrem früheren Verhalten meist sorgloser und oberflächlicher. Ein Teil der Kranken zeigt enthemmtes, häufig sozial inadäquates, manchmal taktloses oder sogar aggressives Verhalten. Nicht selten führt diese Enthemmung dazu, dass die Patienten (Bagatell-)Delikte begehen oder unbedachte finanzielle Transaktionen durchführen.

Bei einem anderen Teil der Patienten fällt von Beginn an eine zunehmende Antriebslosigkeit und Apathie auf. Sie ziehen sich aus Familie und Freundeskreis zurück, verlieren das Interesse an ihren Hobbies.

„Die Angehörigen von Menschen mit Demenz haben mit ganz besonderen Problemen zu kämpfen“, weiß Dr. Siegfried Reinecke. Der Arzt für Alterserkrankungen (Geriater) im St. Marien-Hospital Hamm begleitet seit vielen Jahren pflegende Angehörige und kennt ihre Sorgen und Nöte. In Kursen, die im Kooperation mit der Universität Bielefeld durchgeführt werden, werden Angehörige geschult und lernen, mit der Erkrankung umzugehen. „Professionelle Hilfe ist oft unerlässlich. Der Bedarf nach einer solchen Schulung ist hoch,“ so der Arzt.

Zuhören können, sich in die Welt des Demenzerkrankten hineinversetzen – es gibt viele Aspekte, die pflegende Angehörige lernen können. Wichtig ist jedoch, dass sie wissen, nicht alleine zu sein. „Suchen Sie bei anderen Rat und Erfahrungsaustausch!“, rät der Caritasverband NRW. Wohlfahrtsverbände, Stadt- oder Gemeindeverwaltungen helfen hier weiter. Der ständige Kontakt zum Haus- und Facharzt ist ebenso wichtig.

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