Alzheimer: Frühe Behandlung ist wichtig

London -  Rund 36 Millionen Menschen weltweit leiden an Alzheimer, doch rund zwei Drittel von ihnen wissen nichts davon. Das schätzen Forscher im Welt-Alzheimer-Bericht 2011.

Damit zeige sich in den vergangenen Jahren kein Fortschritt in der Diagnose der Krankheit - und dies, obwohl ein Handeln in frühen Krankheitsstadien gerade bei Alzheimer wichtig sei. „28 Millionen Menschen mit Demenz haben noch keine Diagnose erhalten und haben daher keinen Zugang zu Behandlung, Information oder Versorgung“, stellen die Autoren des Reports fest. In den Industrieländern liege die Dunkelziffer zwischen 50 und 80 Prozent, in den Entwicklungsländern sogar bei 90 Prozent.

Die Alzheimer-Diagnose erfolge zudem meist sehr spät im Krankheitsverlauf, sagen die Forscher. Das führe zu einer substanziellen Behandlungslücke. „Die Unfähigkeit, Alzheimer rechtzeitig zu diagnostizieren, repräsentiert eine tragisch verpasste Möglichkeit, die Lebensqualität von Millionen von Menschen zu verbessern“, sagt Daisy Acosta, Direktorin der Organisation Alzheimer's Disease International (ADI).

„Es ist einfach nicht wahr, dass eine frühe Diagnose 'eh keinen Sinn hat' oder dass ohnehin nichts getan werden kann“, betonen die Autoren des Berichtes. Es gebe bereits Maßnahmen, die vor allem in den Frühstadien der Alzheimer-Erkrankung wirksam seien und das Fortschreiten des geistigen Abbaus verlangsamen können. Das habe die umfangreiche Auswertung von Tausenden von Studien für den aktuellen Bericht ergeben. Auch eine Einweisung in ein Pflegeheim ließe sich mit solchen Behandlungen oft deutlich herauszögern.

Der Bericht nennt die Alzheimer-Krankheit eine der schwerwiegendsten sozialen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Krisen des 21. Jahrhunderts. Doch wenn die Regierungen weltweit schnell handelten und Forschungs- und Behandlungsstrategien entwickeln, könnten die Folgen dieser Krankheit für Menschen und Wirtschaften verringert werden, konstatieren die Autoren.

Die Kosten durch Alzheimer für die Gesundheitssysteme ließen sich mit einer früheren Diagnose und Behandlung signifikant reduzieren, konstatieren die Forscher. Sie beziffern die Ersparnis bezogen auf den gesamten Krankheitsverlauf auf rund 10 000 US-Dollar pro Patient in den Industrieländern. Zurzeit schätze man die durchschnittlichen gesellschaftlichen Kosten auf 32 865 US-Dollar pro Jahr und Alzheimer-Patient. „Die Daten deuten darauf hin, dass die Regierungen jetzt ausgeben sollten, um später zu sparen“, schreiben die Wissenschaftler.

„Es gibt allerdings keinen allgemeingültigen Weg, um die Behandlungslücke weltweit zu schließen“, sagt Martin Prince vom King's College London, Hauptautor der dem Bericht zugrunde liegenden Studie. Jedes Land müsse eine individuell an die Verhältnisse angepasste nationale Demenzstrategie entwickeln, die eine frühe Diagnose fördere und die anschließende Versorgung gewährleiste.

Als mögliche Maßnahmen nennen die Forscher die Einführung von diagnostisch ausgerichteten Schwerpunktkliniken, die Schulung von niedergelassenen Ärzten und eine bessere Kommunikation zwischen verschiedenen Teilen des Gesundheitssystems.

Bereits in den vergangenen beiden Welt-Alzheimer-Berichten prognostizierten Forscher, dass sich die Anzahl der Menschen mit Demenzerkrankungen alle 20 Jahre verdoppeln wird. Von geschätzten 36 Millionen im Jahr 2010 soll sie sich auf 115 Millionen bis zum Jahr 2050 erhöhen. Der Grund dafür sei, dass das durchschnittliche Lebensalter steigt, schreiben die Forscher. Da die Demenz vor allem ältere Menschen treffe, nehme damit auch die Anzahl der Alzheimer-Betroffenen zu.

Die Krankheit verursache weltweit Kosten in der Höhe von einem Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts, berichten die Wissenschaftler. „Wenn Demenzkrankheiten ein Land wären, hätte es die achtzehntgrößte Wirtschaft der Erde“, schreiben sie in ihrem Bericht. - dapd

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare