Umfrage: Pflegeberatung ist wenig bekannt

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Nur wenige wissen, was in einem Pflegefall zu tun ist. Das zeigt eine Umfrage. Foto: Franziska Kraufmann

Plötzlich wird der Vater oder die Mutter zum Pflegefall - was nun? Hilfe soll eigentlich die Pflegeberatung bieten. Entsprechende Angebote kennen aber nicht viele Menschen. Auch zu erkennen, wann man Hilfe braucht, ist gar nicht leicht.

Berlin (dpa/tmn) - Wenn ein Angehöriger plötzlich zum Pflegefall wird, muss schnell Hilfe her. Dabei soll die Pflegeberatung helfen. Wer Leistungen aus der Pflegeversicherung bezieht oder beantragt, hat seit 2009 einen Rechtsanspruch auf eine kostenlose und individuelle Beratung.

Das Problem: Laut einer repräsentativen Befragung des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) kennen nur 25 Prozent der Menschen eine auf das Thema Pflege spezialisierte wohnortnahe Beratungsstelle.

Insgesamt weiß demnach nur jeder Fünfte, wie er bei einem Pflegefall in der Familie überhaupt vorgehen muss. An mangelndem Interesse liegt das nicht: Mehr als die Hälfte der Befragten hält eine spezialisierte Beratung für notwendig (57 Prozent). Unter den Menschen mit Pflegeerfahrung sind es sogar 75 Prozent. Das ZQP befragte 2003 Erwerbstätige ab 18 Jahren.

Die Beratungsangebote sind vielfältig - etwa persönlich in den eigenen vier Wänden, telefonisch oder online. "Welche Form der Beratung am besten geeignet ist, hängt von der Situation und dem Typ ab", sagt Ralf Suhr, Vorsitzender des ZQP. Online und telefonisch lassen sich schambesetzte Themen wie Aggression in der Pflege vielleicht besser besprechen, da man anonymer bleibt. Über Sturzprävention spricht man am besten in den eigenen vier Wänden, um zum Beispiel Stolperfallen gleich vor Ort zu erkennen.

Hilfe holt man sich am besten, wenn die Situation neu eintritt. Aber auch wenn sich der Pflegebedarf ändert oder der Gesundheitszustand verschlechtert, kann Beratung sinnvoll sein.

Gleiches gilt bei Überlastung. Denn auch wer einen Angehörigen pflegt, sollte auf sich selbst und sein eigenes Leben achten. Das ist mitunter gar nicht so leicht, denn jemanden zu pflegen ist, als hätte man einen Zweitjob, sagt Suhr. Wenn man abends etwa nur noch ausgepowert ins Bett fällt oder sich von Freunden zurückzieht, können das Anzeichen für Überforderung sein. "Auch Aggressionen, zum Beispiel den Pflegebedürftigen anschreien, können ein Ausdruck von Überforderung sein", sagt Suhr.

Aber auch innerhalb der Familie sollte man das Thema Pflege besprechen. Wie möchte man versorgt werden? Was soll passieren, wenn es mit der Pflege zu Hause nicht klappt? Können und möchten die Kinder das leisten? So weiß man zumindest über die Vorstellungen innerhalb der Familie Bescheid.

Übersicht des ZQP zu Pflegeberatung

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