Delta-Variante

Corona-Risiko im Sommer-Urlaub 2021: Virologen rechnen mit Ausbreitung

Viele Deutsche wollen angesichts sinkender Corona-Zahlen im Sommer in den Urlaub. Wie hoch ist das Risiko? Besonders die Delta-Variante könnte sich weiter ausbreiten.

Hamm - Die Erleichterung bei vielen Menschen in Deutschland ist groß. Die Zahlen der Neuinfektionen mit dem Coronavirus sind hierzulande stark rückläufig, die Regeln werden gelockert. Auch in anderen Ländern innerhalb Europas ist die Tendenz ähnlich erfreulich. (News zum Coronavirus)

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19Bezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/CoronaBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

Die Konsequenz daraus: Die Freiheiten werden größer - und damit auch die Reiselust. Immer mehr Personen in Nordrhein-Westfalen und Deutschland wollen raus aus den eigenen vier Wänden und ab in den Urlaub. Die Mehrheit der Deutschen plant einer Umfrage zufolge tatsächlich eine Reise im Sommer 2021 - trotz Corona. Zwei von drei Befragten (64 Prozent) gaben bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag von RTL und ntv am letzten Mai- und ersten Junitag an, im Sommer verreisen zu wollen.

Corona-Risiko im Sommer-Urlaub 20201: Virologen rechnen mit Ausbreitung

Demzufolge will ein Drittel (31 Prozent) dafür die ganze Zeit innerhalb Deutschlands bleiben. 15 Prozent wollen ins Ausland reisen, und 18 Prozent wollen sowohl in Deutschland als auch im Ausland Urlaub machen.

Die Hürden für den Sommer-Urlaub 2021 - auch im Ausland - sind mittlerweile wieder wesentlich geringer. Mit einer Verordnung vom 12. Mai hat die Bundesregierung die generelle Quarantänepflicht bei Einreise aus mehr als 100 Ländern aufgehoben, darunter auch einige der beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen. Für Genesene oder Geimpfte gelten sogar noch weitreichendere Lockerungen. Zuletzt hat auch Spanien die Regeln für die Einreise von Urlaubern gelockert. Auch für einen Urlaub in Griechenland sind die Regeln nicht mehr so streng.

Allerdings gilt für Reisende, die aus einem Risiko- oder Hochinzidenzgebiet nach Deutschland zurückkehren, weiterhin eine zehntägige Quarantänepflicht. Nach einem Aufenthalt in einem Virusvarianten-Gebiet beträgt die Quarantänezeit sogar zwei Wochen. Maßgeblich ist, ob das Gebiet zum Zeitpunkt der Einreise nach Deutschland als Risikogebiet ausgewiesen war. Außerdem müssen Reiserückkehrer auf www.einreiseanmeldung.de ihre Daten hinterlegen. Vollständig Geimpfte oder Genesene können über dieses Portal auch einen entsprechenden Nachweis übermitteln, mit dem sie von der Quarantänepflicht befreit werden können. Dies gilt allerdings nicht für Reiserückkehrer aus Virusvarianten-Gebieten.

Sommer-Urlaub 2021: Indische Corona-Mutation (Delta) könnte sich stärker verbreiten

Allerdings sollte kein Urlauber vergessen: Die Pandemie ist noch nicht beendet. Vor allem die indische Corona-Mutation bereitet Experten Sorgen. Zumal nun auch bekannt wurde, dass bei der Delta-Variante wohl erst die zweite Impfung mit dem Vakzin von Biontech wirklich wirkt. Daher warnte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zuletzt via Funke Mediengruppe: „Durch Reiserückkehrer wird sich die Mutante spätestens im Herbst auch in Deutschland großflächig ausbreiten“, sagte Karl Lauterbach, der mit einer vierten Corona-Welle rechnet.

Auch Sandra Ciesek rechnet damit, dass es nach dem Sommer „mehr wird“, sagte die Virologin des Universitätsklinikums Frankfurt jüngst im Podcast „Coronavirus-Update“ von NDR-Info.

Die Corona-Expertin ergänzte: „Wir haben auch letztes Jahr gesehen, dass Reisen damit assoziiert ist, dass Viren ins Land gebracht werden und dass man das natürlich überwachen muss. Das ist sehr sinnvoll, sich jetzt Abläufe zu überlegen.“ Abläufe im Sinne von: Wie lässt sich das vermeiden? Die aktuellen Regelungen für Einreise und Rückkehr dürften nicht ausreichen, um die Verbreitung der indischen Corona-Mutation gänzlich zu vermeiden.

Corona-Gefahr durch Sommer-Urlaub 2021? Flughafen nicht allein das „Problem“

Sandra Ciesek regte klare Abläufe für die verschiedenen Gruppen an: Wie geht man mit den Geimpften um - und wie mit den Nicht-Geimpften? „Das wird sich ja irgendwann am Flughafen bemerkbar machen, dass ein Teil geimpft ist und ein anderer nicht“, sagte sie. Die Virologin betonte aber auch: Der Flughafen allein müsse dabei gar nicht das größte „Problem“ sein. Auch der Reiseverkehr zum Beispiel mit dem Auto spiele eine große Rolle. „Gerade aus Osteuropa oder auch aus England zum Beispiel. Da benutzen nicht alle unbedingt das Flugzeug, sondern kommen mit dem Auto, der Bahn nach Deutschland“, erklärte die Corona-Expertin.

Viele hätten zwar schon den Corona-Impfschutz. Bei großen Menschenansammlungen habe das Virus aber weiterhin die Gelegenheit, sich zu verbreiten. „Gerade, wenn man Varianten hat, die übertragbarer oder leichter übertragbar sind als jetzt das ursprüngliche Virus war“, erklärte die Sandra Ciesek. „Ich vermute, dass wir dann auch wieder mehr diese Ausbrüche sehen werden, wie wir das letztes Jahr in Deutschland hatten, aber auch jetzt zum Beispiel in Vietnam beobachten können.“

Noch spiele die Delta-Variante des Coronavirus in Deutschland nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) allerdings weiter eine untergeordnete Rolle. Ihr Anteil an untersuchten Proben aus der Woche vom 17. bis 23. Mai betrug 2,1 Prozent. Das geht aus einem RKI-Bericht hervor. Es dominiert mit 93,4 Prozent die Alpha-Variante (B.1.1.7./Großbritannien). (mit afp-Material)

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare