Inlandtourismus im Lockdown

Urlaub trotz Corona: Mallorca-Entscheidung für deutsche Inseln ein „Schlag in Magengrube“

Urlaub auf Mallorca ist wieder ohne Corona-Quarantäne möglich, Hotels und Restaurants auf den deutschen Inseln bleiben aber dicht. Das Gastgewerbe guckt in die Röhre.

Wilhelmshaven - Gastronomen und Touristiker in Deutschland verstehen die Welt nicht mehr. Während die Flieger nach Mallorca ausgebucht sind, befindet sich der Inlandtourismus weiter im Corona-Lockdown. Das trifft vor allem die deutschen Urlaubsinseln. Eine Öffnungsperspektive wird gefordert. (News zum Coronavirus)

LandDeutschland
HauptstadtBerlin
Einwohner83,02 Millionen (2019)
PräsidentFrank-Walter Steinmeier

Urlaub trotz Corona: Mallorca-Entscheidung für deutsche Inseln ein „Schlag in die Magengrube“

„Für uns Gastronomen war es ein Schlag in die Magengrube, als diese Nachricht mit Mallorca kam“, sagte der Vorsitzende des Dehoga-Verbandes Wilhelmshaven, Olaf Stamsen, der Deutschen Presse-Agentur. „Wir haben uns da verraten gefühlt von der bundesdeutschen Politik, diese Gebiete freizugeben.“

Tatsächlich ist seit Sonntag wieder Urlaub auf der Lieblingsinsel der Deutschen möglich - ohne Quarantäne, ohne Testpflicht. Auch andere beliebte Reiseziele in Spanien, Portugal und Dänemark sind von der Liste der Risikogebiete gestrichen worden.

Und das rund zwei Wochen vor Beginn der Osterferien in Niedersachsen, in denen Hotels, Ferienhäuser und Restaurants auf den deutschen Inseln normalerweise voll ausgebucht sind. Aber noch mindestens bis zu, 28. März sind die Hotels hierzulande geschlossen. Wie es weitergeht, soll erst am 22. März von Bund und Ländern entschieden werden.

Urlaubsinseln im Corona-Lockdown: „Wo ist der Unterschied zwischen Spiekeroog und den Balearen?“

Auch in Deutschland gebe es Regionen mit niedrigen Inzidenzen, wie etwa die Ostfriesischen Inseln, sagt Stamsen. „Wo ist der Unterschied zwischen Spiekeroog, Wangerooge und den Balearen?“

Mallorca und die anderen Baleareninseln bewegten sich in den vergangenen Tage um einen Inzidenzwert von 20. Für den Landkreis Nordfriesland mit seinen beliebten Urlaubszielen Sylt, Föhr und Amrum hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) am Dienstag (16. März) eine 7-Tage-Inzidenz von 31,9 angegeben. Dabei sind die Fallzahlen auf den Inseln deutlich niedriger als auf dem Festland. Der Inzidenzwert für den Landkreis Wittmund lag am selben Tag bei 19,3 - die dazugehörigen ostfriesischen Inseln Langeoog und Spiekeroog wiesen keine Aktuell Infizierten auf.

Urlaubsinseln im Corona-Lockdown: Rufe nach Öffnungs-Perspektive für den Inlandstourismus

Laut Stamsen sind in Hotels und Gaststätten umfassende Hygienestrategien erarbeitet worden. Ein großer Teil der Überbrückungshilfen sei investiert worden, um coronakonformen Urlaub zu ermöglichen. Es brauche daher zügig auch eine verlässliche Öffnungs-Perspektive für den Inlandstourismus.

„Wir können jetzt im Flieger im Sommer nach Mallorca. Aber so wie der Plan jetzt aussieht, sollen wir für zwei Cappuccino auf der Außenterrasse eine Reservierung vornehmen“, sagte der Wilhelmshavener Gastronom. „Das ist überhaupt nicht vermittelbar und sorgt im Kollegenkreis für einen großen Vertrauensverlust in die Regierung.“ Auch im Sauerland in Nordrhein-Westfalen versteht man die Entscheidung nicht, das alles sei „schwer zu begreifen“, sagt ein Sprecher von Sauerland Tourismus.

Urlaub trotz Corona: Ostfriesische Inseln wünschen sich Signal, wie Urlaub auf den Inseln aussehen kann

Der Geschäftsführer der Marketinggesellschaft Ostfriesische Inseln, Göran Sell, sagte, er wünsche sich noch vor den nächsten Bund-Länder-Gesprächen am 22. März ein Signal, „ob und wie Urlaub auf den Inseln aussehen kann“.

Es sei zu erwarten, dass zu Ostern etwa auf Borkum viele der 2500 Zweitwohnungsbesitzer auf die rund 5000 Einwohner zählende Insel kommen werden - das entspreche rund 5000 Gästen. „Wir werden hier einfach mehr Leben haben. Da muss man fragen, ob noch vermittelt werden kann, den Tourismus weiterhin geschlossen zu lassen“, sagte Sell. Auf Borkum gab es am 16. März einen Corona-Infizierten. (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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