Der Traum vom Fliegen

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Idylle an der Donau: Wahrzeichen von Ulm ist das 161 Meter hohe Münster.

„Der Schneider von Ulm hat’s Fliegen probiert, da hat ihn der Teufel in d’Donau nei’gführt“ – wohl jeder in der Münsterstadt wird diese Zeilen schon gehört haben...

KUNsT UND FLUG So sah ein zeitgenössischer Künstler vor 200 Jahren den Flugversuch Berblingers, der kurz darauf mit einem Sturz in die Donau endete.

...mit denen verdeutlicht werden soll, dass Hochmut zum jähen Absturz führe. Doch es war nicht der Leibhaftige, der Albrecht Ludwig Berblinger am 31. Mai 1811 daran hindern wollte, sich gottgleich in die Lüfte zu erheben, es war letztlich die miserable Thermik an der Adlerbastei (und laut Legende der ungeduldige Stoß eines Gendarmen), die den Erfinder so jäh ins kalte Wasser abstürzen ließ. Zum 200. Jahrestag dieses gescheiterten Flugversuches gedenkt nun Ulm dem Pionier und würdigt den Erfindungsgeist des Schneidermeisters, der zu Lebzeiten zur tragischen Figur wurde. Nach der Blamage stürzte er auch gesellschaftlich ab und starb verarmt im Jahr 1829 im Alter von 58 Jahren, sang- und klanglos in einem Armengrab bestattet.

Dabei hatte der geniale Geist neben seinem Flugapparat auch orthopädische Hilfsmittel entwickelt, beispielsweise eine Beinprothese mit Gelenk. Der Schriftsteller und Ingenieur Max Eyth hatte als einer der Ersten die Leistung Berblingers erkannt und schrieb 1906 seinen Roman „Der Schneider von Ulm. Geschichte eines zweihundert Jahre zu früh Geborenen“. Zu einer Zeit, als das Fahrrad noch nicht erfunden war (das gelang 1817 Karl Drais), hatte der Ulmer am Michelsberg, wo günstige Aufwinde herrschten, bereits erfolgreiche Versuche im Gleitflug absolviert. Vollständig rehabilitiert wurde der Schneidermeister am 175. Jahrestag seines gescheiterten Flugversuches.

Nur ein hochmoderner Hängegleiter schaffte mit Ach und Krach die gesamte Strecke, alle anderen Modelle fielen den Fallwinden zum Opfer. Ein Nachbau von Albrecht Berblingers Flugapparat erwies sich dagegen bei Versuchen an einem Berghang als durchaus flugtauglich.Alsowar’s doch nicht der Hochmut, der Berblinger zu Fall brachte, sondern der Wind, das himmlische Kind.

Volker Pfau

REISE-INFOS ZU ULM

REISEZIEL Ulm liegt auf der württembergischen Seite an der Donau, die Universitätsstadt und hat rund 122 000 Einwohner.

ANREISE Von München mit dem Auto über die A 8, Entfernung rund 150 Kilometer; es gibt direkte Zugverbindungen von München Hbf.

PROGRAMM

  • 11. und 12. April: Musical „Luftsprünge – Der Schneider von Ulm und der Traum vom fliegen“ im Theater Ulm.
  • 16. April bis 15. Juni: zweistündige Führung „Der Schneider von Ulm – Ein genialer Flugpionier zwischen Dichtung und Wahrheit“ an verschiedenen Terminen, Preis: 8,50 Euro; Anmeldung bei Ulm/Neu-Ulm Touristik (Adresse s. u.).
  • 27. bis 29. Mai: Jubiläumswochenende im Stadtpark Friedrichsau.
  • 31. Mai bis 11. Juni: Musical „Höhenflüge oder Die Rückkehr des Schneiders“ am Donauufer.

INFO Ulm/Neu-Ulm Touristik, Tel. 07 31/161 28 30, www.tourismus.ulm.de.

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