Dem die Stunde schlägt im Uhrenmuseum

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Peter Taschenmacher kennt keinen Zeitdruck.

In der Nacht auf Sonntag werden die Uhren umgestellt. Für Peter Taschenmacher wird es dann ein bisschen stressig. Schließlich muss er nicht nur Wecker und Armbanduhr...

...neu einstellen, sondern noch an die 90 Zeitmesser dazu. Gutes Timing ist da gefragt beim Leiter des Uhrenmuseums von Bad Iburg. Der Mann kennt keinen Zeitdruck. Dass Peter Taschenmacher während einer Führung einmal genervt auf die Uhr schaut, das wird keiner seiner Besucher jemals erleben. Stattdessen schaut er lieber in die Uhr. „Ich muss die alten Stücke in regenmäßigen Abständen reinigen“, erklärt er. 900 Zeitmesser hat Taschenmacher im Lauf von 40 Jahren zusammengetragen. Etwa 100 Exemplare aus dem Schwarzwald sind dabei, viele Pendeluhren und 17 alte Turmuhren, die Prunkstücke seiner Kollektion.

„Ich bin der Einzige, der alle 17 Turmuhr-Systeme hat“, sagt der Leiter des Uhrenmuseums voller Stolz. Gefunden hat der leidenschaftliche Hobby-Sammler (vor den Uhren waren es alte Autos) seine Schätze durch akribische Recherche und geduldiges Suchen. „Ich habe in den vergangenen 40 Jahren ungefähr 14.000 Kirchen abgeklappert.“ Die Trödelmärkte, die er durchwühlte, habe er gar nicht gezählt, die glücklichen Zufälle auch nicht. An einige erinnert er sich aber dennoch sehr gut.

Herr der Zeiten: Peter Taschenmacher (im Fenster) leitet das Uhrenmuseum in Bad Iburg.

An den Schrottplatz an der Weser zum Beispiel, wo er eine Turmuhr von 1688 entdeckte. Nur noch ein Haufen rostiges Alteisen sei von ihr übrig gewesen. Taschenmacher, eigentlich gelernter Kaufmann, inzwischen aber einer der führenden Experten für historische Uhren, hat sie in mühevoller Kleinarbeit wieder zum Ticken gebracht. Zeit – leicht vergisst man sie inmitten von Taschenmachers wunderbarer Welt. Einigen kommt sie erst dann wieder zu Bewusstsein, wenn sie draußen noch einen Blick auf die laut Guinness-Buch größte Taschenuhr der Welt werfen. 1,80 Meter Durchmesser hat sie und wiegt stattliche 150 Kilogramm. Um dieses Trumm an der Wand seines Uhrenmuseums, das er in einem 200 Jahre alten Haus unterhalb von Schloss Iburg eingerichtet hat, muss sich Peter Taschenmacher in der Nacht auf Sonntag glücklicherweise nicht kümmern. Die Taschenuhr hat Funksteuerung und wird per Langwellen-Signal automatisch umgestellt. 90 Stücke aus seiner Sammlung wird Taschenmacher allerdings eigenhändig auf Sommerzeit zurückdrehen. Dass die anderen Uhren in seinem Museum nicht die richtige Zeit anzeigen, ist pure Absicht. Schließlich sollen die Besucher die Besonderheiten wie eine Kuckucksuhr, aus der zur vollen Stunde ein Männchen herausspaziert, das Knödel isst, in aller Ruhe beobachten können, und deshalb tickt hier jede Uhr eben anders. Nur keinen Zeitdruck aufkommen lassen im Uhrenmuseum.

INFOS ZUM UHRENMUSEUM

REISEZIEL Das Kneipp-Heilbad Bad Iburg liegt im Südwesten des Landkreises Osnabrück in Niedersachsen. Von München sind es zirka 630 Kilometer.

UHRENMUSEUM Das Bad Iburger Uhrenmuseum ist in einem 200 Jahre alten Haus unterhalb des Iburger Schlosses untergebracht. Zirka 900 Exponate. Öffnungszeiten täglich von 10 bis 17 Uhr. Adresse: Am Gografenhof 5, Tel. 054 03/28 88.

WEITERE INFOS über den Tourismusverband Osnabrücker Land, Tel. 05 41/95 11 10.

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