Sommer 2010: Wohin geht die Reise?

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Viele Urlauber fragen sich, wohin die Reise im Sommer 2010 geht.

„Ab in den Urlaub“ heißt es auch in diesem Sommer wieder. Doch können wir trotz Unruhen, Wirtschaftsproblemen und Naturkatastroph noch verreisen? Wir haben Experten gefragt.

Die Meldungen der letzten Wochen klangen besorgniserregend: Blutige Ausschreitungen in Griechenland und Thailand, Flugausfälle wegen Vulkanasche, Ölteppich im Golf von Mexiko und obendrein ein schwächelnder Euro lassen eigentlich keine große Vorfreude auf den Urlaub aufkommen. Doch die Deutschen sind nicht umsonst Reiseweltmeister, denn sie werden auch in diesem Sommer eifrig die Koffer packen. Vier Prozent mehr Umsatz meldet die Branche. Voll im Trend sind Ziele im eigenen Land sowie All-inclusive-Anlagen – Heimatnähe und Kostensicherheit.

Wir haben uns umgehört, wohin in diesem Sommer die Reise geht. Dazu haben wir Experten aus der Reisebranche gefragt, uns aber auch sagen lassen, was die Fachleute zu den Themen Wetter, Finanzen und Politik zu sagen haben.

Veranstalter

Eine gewisse Verunsicherung und einen erhöhten Informationsbedarf der Kunden stellen alle großen Reiseveranstalter fest. TUI, Rewe-Touristik und Thomas Cook berichten übereinstimmend von verstärkten Nachfragen – je intensiver in den Medien berichtet werde, desto mehr. Aber: „Die Deutschen wollen reisen“, sagt Anja Braun von der TUI, „generell gehen deutsche Urlauber heute wesentlich gelassener mit Krisen jedweder Art um.“ Das wirkt sich auch auf die Planungen aus.

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Fernreisen nach Nordamerika, Südostasien, Australien und auf die Inseln im Indischen Ozean sind in diesem Sommer sehr gefragt, ein generelles Umschwenken auf mit dem Auto erreichbare Ziele kann keiner der drei Veranstalter feststellen.

Von der momentanen Zurückhaltung bei Griechenlandbuchungen profitieren Spanien, Tunesien und die Türkei. Das schlechte Wetter hat den Veranstaltern noch einen kräftigen Schub gebracht. „Die letzten vier Wochen waren ganz stark“, sagt Nina Kreke von Thomas Cook. Überhaupt werde immer später gebucht, was aber weniger vom Preis oder der aktuellen Lage abhänge, so Nina Kreke, sondern „viele Leute können aus beruflichen Gründen nicht anders.“

Reisebüro

Es erlebt in diesen Zeiten eine Renaissance, das Reisebüro. „Wir kümmern uns“, sagt Heike Birwe vom First Reisebüro am Münchner Goetheplatz. Derzeit geht es vor allem um die Frage, ob man zum ursprünglichen Ziel reisen könne oder ob man umbuchen müsse. Wer pauschal gebucht habe, sei da fein raus, sagt Heike Birwe, „die Veranstalter haben sich in der Krise bewährt.“

Die meisten ihrer Kunden seien recht gelassen und halten an ihren Reiseplänen fest. Nur einer habe wegen der Aschewolke umgebucht: Statt auf die Seychellen zu fliegen, fährt er jetzt mit dem Auto nach Südtirol.

Reiseverband

Auch 2010 werden die Deutschen verreisen, davon ist man beim Deutschen Reiseverband (DRV), der die Interessen mittelständischer und großer Unternehmen der Reisebranche vertritt, überzeugt. „Bei den Negativmeldungen muss man genau hinschauen“, sagt Pressesprecherin Sibylle Zeuch.

Meist seien es „lokal begrenzte Probleme, die auf lange Sicht vermutlich keine Auswirkungen haben“.

Vor allem Stammkunden ließen sich am wenigsten irritieren und tragen dazu bei, dass die Deutschen Jahr für Jahr Reiseweltmeister sind.

Politik

Bei Krisen sind Informationen gefragt. Die Internetseite www.auswaertiges-amt.de wird besonders oft angeklickt, denn hier stehen Reise- und Sicherheitshinweise. „Wenn es in beliebten Reiseländer – wie aktuell in Thailand – zu krisenhaften Entwicklungen kommt, verzeichnen wir auf den entsprechenden Seiten besonders hohe Zugriffszahlen“, heißt es dazu aus dem Auswärtigen Amt.

Kein Wunder, denn die Hinweise des Auswärtigen Amtes sind Basis für Veranstalter und Urlauber, wenn es um Stornierungen geht.

Finanzen

Wie es mit der Stabilität des Euros weitergeht, kann natürlich niemand mit Sicherheit sagen. „Im Moment sind viele Emotionen im Spiel“, heißt es bei der Stadtsparkasse München. So lange die Schuldenkrise nicht behoben ist, bleibe der Kurs des Euros unter Druck. Kursschwankungen machen sich jedoch in der Urlaubskasse kaum bemerkbar.

Sparen kann man, so die Experten, wenn man im Ausland nicht täglich am Automat Geld abhebt (weniger Gebühren), wenn man bei einem Urlaub in nördlichen Ländern die Urlaubswährung bereits in Deutschland eintauscht (niedrigere Gebühren) und wenn man in exotischen Ländern vor Ort tauscht (besserer Kurs).

Wetter

„Pfingsten bringt die Trendwende“, sagt Karsten Brandt von www.donnerwetter.de. Das kalte und regnerische Wetter ziehe über Österreich Richtung Mittelmeer, der Juni werde – rechtzeitig zur Fußball-WM – dann sehr schön. „Wie 2006“, sagt Brandt, „da kam das schlechte Wetter nach dem Endspiel.“ Ähnliches prognostiziert er für den Sommer 2010: „Ab Mitte Juli wird’s dann schon wieder eher schlechter.“ Wer sicher gehen will, dem empfiehlt der Wetterexperte einen Urlaub im Süden: „Das Mittelmeer ist eine absolut sichere Bank.“ Er selbst hat im Juli Urlaub in der Türkei gebucht.

Volker Pfau

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