Ferien wie aus dem Bilderbuch

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Wir Entdecker: Redakteurin Tina Layes und Sohn Vincent erkundeten die autofreie Insel Ven per Rad.

Ein Inselchen im Öresund, gerade mal zehn Quadratkilometer groß – mehr brauchten Redakteurin Tina Layes (39) und Sohn Vincent (7) nicht, um sich ihren schwedischen Urlaubstraum zu erfüllen.

Hier fanden die beiden alles so, wie sie es sich in ihrer Bilderbuch-Fantasie vorgestellt hatten.

Das Bilderbuch: Wie Zeichner Björn Berg Michels Welt sieht.

Vincents Liebe zu den Abenteuern von Astrid Lindgren hat mit einem bunten Bilderbuch von dem blonden Lausejungen Michel aus Lönneberga angefangen. Die Geschichte mit Michels Kopf im Kochtopf brachte ihn immer wieder zum Kichern. Später kamen Pippi Langstrumpf und Nils Holgersson dazu. Jetzt, mit sieben Jahren, ist Wickie „cool“. Der ist zwar nicht von Lindgren, aber auch sehr nordisch. Und ein weiterer Grund, dass Vincent unbedingt nach Schweden muss. Nach tausend Vorlese-Geschichten machen Mutter und Sohn zum ersten Mal eine Reise in das Land, aus dem ihre Helden kommen. Weil es nur eine ganz kurze Reise ist, haben sie sich eine Insel ausgesucht, die allen Zauber Schwedens wie ein Mikrokosmos auf kleinstem Platz vereint: Ven, ein Inselchen vor der Küste der südschwedischen Provinz Skåne.

Über eine Brücke ins Paradies

Bereits im Flieger nach Kopenhagen wirbelt es wild in Vincents Kopf: „Vielleicht treffe ich Wickie!“ Die Mama grübelt: „Ach, der ist sicher auch gerade im Urlaub, in Italien oder so“, antwortet sie betont lapidar, während sich Vincent von der Stewardess noch einen Saft nachschenken lässt. Schon kurz nach der Landung ist glücklicherweise Wicki vergessen, denn es gibt so viel zu sehen. Allein die Autofahrt über die 7845 Meter lange Öresundbrücke, die die dänische Hauptstadt Kopenhagen mit der südschwedischen Halbinsel Skåne über das Meer verbindet – ein Erlebnis!

Erst mal Malmö

Malmö hat eine einzigartige Architektur. Die größte Sehenswürdigkeit ist der Turning Torso, der verdrehte Körper, nach einem Entwurf des spanischen Architekten Santiago Calatrava gebaut. Mit seinen 190 Metern ist das Haus nicht nur das höchste Gebäude Schwedens, sondern auch eines der spektakulärsten. Malmö ist eine Stadt am Meer wie sie im Bilderbuch steht. Im Västra Hamnen, am zentral gelegenen Strand Ribersborg oder an Sibbarps Strand nicht weit vom Anfang der Öresundbrücke treffen sich die Malmöer im Sommer zum Baden und Grillen und nicht nur Liebespaare kommen, um den Sonnenuntergang zu bewundern. Bleiben wäre schön, denkt die Mutter. Aber Vincent drängt. „Mama, wir müssen doch auf die Insel!“

Im Pferdewagen zur Villa Kunterbunt

Mit einem Pferdewagen fahren Mutter und Sohn vom Hafen zum Ferienhaus in Backafallsbyn.

Unser Ziel ist Ven vor der Küste Skånes. In Landskrona steigen wir auf die Fähre, die Überfahrt dauert nur eine halbe Stunde. Vincent ist begeistert, als der Kapitän ihn insein Führerhäuschen einlädt und ihm die Geräte erklärt. Er darf auch das Ruder halten. Voller Bewunderung für den Beruf des Mannes kommt er mit stolz geschwellter Brust zurück. Als derKapitänihmzumAbschiednoch zuwinkt, kann Vincent sein Glück kaum fassen. Mit einem Pferdewagen („wie bei Michel in Lönneberga!“) fahren wir vom Hafen zu unserem Ferienhaus in Backafallsbyn. Auch für den Kutscher, einen lustigen Mann mit grauem Pferdeschwanz, ist es selbstverständlich, den Buben auf das hohe Ross zu setzen.

Urlaub aus dem Bilderbuch: Häuser wie bei Pippi Langstrumpf.

Und die Glücksmomente halten an. „Mama, das Haus sieht ja aus wie die Villa Kunterbunt von Pippi Langstrumpf!“, ruft Vincent, als wir vor unserer Ferienunterkunft stehen. Tatsächlich: ein einfaches Holzhaus mit einer Terrasse, von der aus man auf grüne Wiesen und Felder blickt. Fehlt nur noch, dass der kleine Onkel, Pippis Pferd, und Herr Nilsson, das Äffchen, bei uns vorbeischauen. Dafür besucht uns gleich am ersten Abend ein Feldhase. Nur zwei Meter vor unserer Terrasse hoppelt er vorbei.

„So gemütlich!“, lobt Vincent, als wir unser Häuschen beziehen. Zwei Schlafzimmer gibt es: eines im Parterre und eines unter dem Dach, zu dem man über eine steile Treppe gelangt. Natürlich entscheidet sich Vincent für oben. Vor dem Schlafengehen will er noch nach Hause telefonieren. Sein Fazit: „Oma, wir sind im Paradies!“

Wir Sternensucher

Schwedenfan Vincent

Mit den gelben Fahrrädern, die man auf dem autofreien Ven am Hafen ausleihen kann, erkunden wir die Insel. Eines unserer Entdecker- Ziele ist das Tycho Brahe Museum in der Mitte der Insel. Von 1578 bis 1598 lebte hier ein dänischer Astronom. Die klare Inselluft lieferte ihm ideale Bedingungen für seine Sternebeobachtungen. Vincent findet es allerdings interessanter, den Spielplatz zu erforschen, der ganz plastikfrei mit Nostalgie- Materialien (Holz und Jute) auskommt.

Wir schauen am Golfplatz vorbei. Dazu muss man wissen, dass das Green in Schweden nichts mit Starrummel und Elitesport zu tun hat. Dort ist Golfen ein Massensport, den Kinder ab dem Alter von drei Jahren erlernen können. Eine Mitgliedschaft kostet umgerechnet nur 50 Euro im Jahr.

Unterwegs geht Vincent die Puste aus. Zu viel Action, zuviel Berg für den kleinen Mann und sein ungewohntes Leihrad. „Ich komm nicht hoch“, stöhnt er. Kaum gesagt, läuft ihm eine Frau entgegen und schiebt Bub und Rad nach oben. „Enjoy your trip“, ruft sie ihm hinterher, als er dankbar abdüst. Zwar kann Vincent noch kein Englisch, aber eines weiß er jetzt ganz sicher: Die mögen Kinder hier wirklich!

Abenteuerpark und Hundeglück

Lustige Menschen wie beim Michel aus Lönneberga

Eigentlich ist ja ganz Ven für uns ein einziges Abenteuer. Aber als ob man dem Ganzen noch eine Sahnehaube aufsetzen wollte, hat die Insel auch einen Park, der genau so heißt: Äventyrsarken – Abenteuerpark. „Da müssen wir hin“, sagt Vincent und treibt die Mama an, die sich gar nicht losreißen kann von der rührenden Szene, die sie gerade beobachtet: der schwarze Hund, der bei der Bäckerin seine Semmel abholt. „Mein bester Kunde. Der kommt jeden Tag vorbei“, erzählt die Frau lachend. Schon wieder so eine Geschichte. Als ob Astrid Lindgren hier ihre Romanhelden gefunden hätte. Der Abenteuerpark mit Schwimmbad, Tischtennis und einer 20 Meter hohen Riesenschaukel ist ganz nach Vincents Geschmack. Hier kann man auch Mini-Fußball spielen. Ähnlich wie beim Minigolf gibt es einen Parcours mit verschiedenen Hindernissen. Nur mit viel Geschick rollt der Ball ins Loch und es stellt sich heraus, das Vincent in dieser sportlichen Disziplin viel begabter ist als die Mama. „Mann, hab ich einen Hunger“, brüllt der Minifußball-Weltmeister.

Speisen für Groß und Klein

Vincent und die Mama haben auf Ven auch ihr kulinarisches Paradies entdeckt. Nicht unbedingt nach dem Kinderbuch-Vorbild (denn beim Michel aus Lönneberga gibt es ja Blutwurst), aber Gemüse und Salat, Brot und Pasta aus eigener Herstellung, das war alles so ganz nach ihrem Geschmack. Und seitdem sie wieder zuhause sind, besteht Vincent auf Krabbensalat, mindestens einmal die Woche. Reisen bildet eben – auch kulinarisch.

Tina Layes

DIE REISE-INFOS ZUR INSEL VEN

REISEZIEL Die Insel Ven im Öresund ist nur gut zwei Kilometer breit und 4,5 Kilometer lang und gehört zu Schwedens südlichster Provinz Skåne. Provinzhauptstadt ist Malmö.

ANREISE Flug von München nach Kopenhagen z. B. mit Lufthansa ab ca. 300 Euro. Dann mit Bus oder Leihwagen über die Öresundbrücke nach Malmö (Fahrt etwa 45 Minuten). Überfahrt nach Ven mit der Fähre vom Hafen von Landskrona (eine halbe Stunde). Die Schiffe legen bis zu zehnmal täglich ab.

REISEZEIT Juni, Juli und August sind die Monate mit den höchsten Temperaturen (im Durchschnitt 20 Grad) und den meisten Sonnenstunden am Tag (bis zu elf). Mit 16 Grad ist auch das Meer schwimmtauglich.

REISETYP Für große und kleine Fans von Astrid Lindgrens Kinderbüchern. Wer Schweden zum ersten Mal besucht, ist oft überrascht, dass die Idylle tatsächlich existiert. Außerdem ist Schweden eines der kinderfreundlichsten Länder der Welt und wurde hierfür vom Kinderhilfswerk Unicef ausgezeichnet.

GELD In Schweden gilt weiterhin die Schwedische Krone (SEK). Hotels akzeptieren Kreditkarten, aber es ist ratsam, Bargeld mitzunehmen, denn auf der Insel gibt es keine Geldautomaten.

WOHNEN Hotel-Anlage Spirit of Hven in Backafallsbyn. Besonders komfortabel sind die familientauglichen Ferienhäuschen, jedes 42 Quadratmeter groß mit vier Betten. Preis pro Haus mit einem reichhaltigem Frühstücks- Buffet: etwa 100 Euro. Vom Hafen kann man die Anlage auf der autofreien Insel mit Pferdekutsche, Bus oder Traktorleiterwagen erreichen. Wer wenig Gepäck hat, kann gleich eines der gelben Fahrräder mieten.

KULINARISCH Unbedingt ein Eis am Hafenkiosk in Bäckviken probieren. Denn auf Ven gibt es eine Eisfabrik, die echtes Sahneeis nach eigenem Rezept mit natürlichen Zutaten herstellt.

SEHENSWERT Tycho- Brahe-Museum in Landsvägen mit Observatorium, einem rekonstruierten Renaissancepark, Spielplatz und skalengetreuem Planetenweg, Eintritt: 60 SEK, (6,30 Euro), Kinder bis 15 Jahre frei. Infos unter www.tychobrahe.com.

AUSFLUG/AKTIV Fahrten mit der Pferdekutsche oder Reitausflüge auf Ardennerpferden kann man bei Ivan Varga unter www.aventyrsarken.cjb.net oder Tel. 0046/418-72115 buchen.

Gamlegard: Bauernhof mit beheiztem Pool, ein angelegtes Beachvolleyball- Feld und Fußballgolf. Am Hafen von Ven kann man sich Fahrräder leihen. Ein Erwachsenenrad kostet 80 SEK/Tag (8,40 Euro) und 250 SEK/Woche (26 Euro). Infos: www.venscykeluthyrning.se

WEITERE INFOS Visit Sweden in Hamburg, Tel. 069/22223496, www.visitsweden. com, www.skane.com

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