Wellness unter der Lupe

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Gute Noten im Test: Der Relax Guide hat Wellnesshotels unter die Lupe genommen und verrät, wo man die besten Behandlungen bekommt.

Sich entspannen, neue Kraft für den Alltag schöpfen – dafür zahlen viele oft eine Menge Geld. Doch leider entspricht das, was man bekommt, oft nicht den Anforderungen. Der neue Relax Guide hat getestet und nennt die Probleme.

Ruhe und Erholung sucht derjenige, der sich in einem Wellnesshotel einbucht. Ein schönes Zimmer, freundliches und aufmerksames Personal, eine gute Küche, entspannende Anwendungen – und fertig ist die kleine Flucht aus dem Alltag. Denkste! Der Alltag in viel zu vielen Wellnesshotels ist trist, Kunden zahlen viel Geld und bekommen wenig. So lautet das ernüchternde Fazit des Relax Guide für Deutschland, dessen elfte Auflage gerade erschienen ist.

Das Buch: 2012 Deutschland, 288 Seiten, 24,90 Euro, mit eBook, ISBN 978-3-902115-40-9.

1339 Hotels mit Wellnessangebot hat das Team genauestens unter die Lupe genommen. „Anonym und auf eigene Kosten“, betont Herausgeber Christian Werner. Nur 232 Häuser wurden mit wenigstens einer Lilie ausgezeichnet, dem Zeichen für mindestens sehr gute Qualität. Erfreulich für Bayern: Gleich zwei der vier besten Wellnesshotels Deutschlands liegen nahe Garmisch- Partenkirchen, nämlich das Hotel Kranzbach in Krün und das Hotel Schloss Ellmau. Ebenfalls top sind das Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe in Zweiflingen bei Heilbronn und das Strandhotel Georgshöhe auf der Insel Norderney. Bewertet wurde der Aufenthalt nach den Kriterien Natur und Lage, Ambiente, Ausstattung und Dienstleistungsqualität, Locker und Easy (Ausrichtung auf die Zielgruppe Wellnessurlauber), Beratung und Verkauf sowie Preis und Wert. Schon bei der Lage der Hotels gab es einiges zu bemängeln: Jedes achte Haus liegt entweder an einer Hauptstraße oder einer Bundesstraße, einige sogar an der Autobahn. „Wenn die Menschen Wellness wollen, brauchen sie Entspannung“, sagt Christian Werner, „Ruhe und unverpestete Luft sind Grundbedürfnisse im Wellnesshotel.“

Auch bei der Ausstattung klaffen nach Angaben der Tester Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. In drei Viertel aller untersuchten Betriebe fanden die Tester zu wenige oder veraltete Fitnessgeräte, nur neun Prozent haben ein ganzjährig beheizbares Freibecken, ebenso viele verfügen über eine Außensauna und nur drei Prozent haben einen Naturbadeteich. Wenig Erfreuliches zählt der Relax Guide auch in puncto Ruheliegen im Spa-Innenbereich. Eigentlich sollte deren Zahl – außer in City- Hotels – der halben Bettenzahl entsprechen, damit keine Handtuchreserviererei notwendig ist. In der Realität müssen sich jedoch im Schnitt zehn Gäste eine Liege teilen.

Kritik übt der Relax Guide auch an fragwürdigen Behandlungen, die obendrein meist viel Geld kosten. „Nonsens-Treatments“ nennt Christian Werner Angebote, die keinerlei Auswirkungen auf den Organismus haben. Dazu zählt er das „vitaminreiche Zitronenbad“, das „Sauerstoffbad“ oder die Hautbehandlung mit Schokolade. Gar problematisch werde es, wenn nicht ganzheitlich behandelt wird, also beispielsweise Ayurvedakuren ohne die entsprechende Ernährung angeboten werden.

Ein Kernbereich der Wellnessbehandlung liege immer mehr im Argen, bemängelt das Tester-Team: die klassische Massage. In der ersten Ausgabe des Relax Guide, als rund 500 Wellnesshotels untersucht wurden, sei diese Behandlung fast immer zumindest zufriedenstellend verlaufen. Heute werde die Hälfte der Massagen nicht einmal zufriedenstellend erledigt, ein weiteres Drittel sogar völlig unzureichend bis inkompetent.

Christian Werner bemängelt, dass immer mehr Häuser offenbar dazu übergehen, die klassische Massage als sinnvolle Körperbehandlung aus dem Programm zu streichen und dafür kosmetische Behandlungen anzubieten. Die tragen dann klangvolle Namen wie „Nofretetes Traum“ oder „Afrikanische Isismassage mit Kaviar“. An deren Wirkung aber zweifelt der Kritiker, da sie obendrein meist nicht von Fachkräften, sondern von angelernten Hilfskräften durchgeführt werden. Im Zweifel solle man lieber die Hände von allzu fantasievoll benannten Behandlungen lassen. Er empfiehlt, stattdessen eine klassische Massage zu buchen. Falls diese nicht den Erwartungen entspricht, solle man die Behandlung abbrechen und die Bezahlung verweigern. Nur so komme man zurück zum guten Handwerk und zur ursprünglichen Qualität.

Ein Extrateil im Buch widmet sich aus aktuellem Anlass dem Thema Burn-out- Privatkuren. 24 Anbieter von Kuren für Privatzahler wurden dafür unter die Lupe genommen, das Ergebnis sei ernüchternd: „Die Preise sind oft hoch, die Qualitätsunterschiede eklatant“, sagt Christian Werner. Mit 800 bis 3500 Euro muss man pro Woche rechnen, wobei teuer nicht zwingend gut sei. „Bei einigen Häusern allerdings werden Betroffene nach der Kur mit Sicherheit sagen können, es sei die wichtigste Investition ihres Lebens gewesen.“

Volker Pfau

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