Zugreisen

Mit der Bahn durch Osteuropa ans Schwarze Meer bummeln

Im Speisewagen des Zuges von Winnyzja nach Balti. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
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Im Speisewagen des Zuges von Winnyzja nach Balti. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
Von Breslau in Polen über Krakau, Lemberg und das kleine Land Moldau bis ans Schwarze Meer nach Odessa: Diese Reiseroute lässt sich bequem per Zug zurücklegen. Foto: dpa-infografik GmbH/dpa-infografik GmbH/dpa-Themendi/dpa
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Von Breslau in Polen über Krakau, Lemberg und das kleine Land Moldau bis ans Schwarze Meer nach Odessa: Diese Reiseroute lässt sich bequem per Zug zurücklegen. Foto: dpa-infografik GmbH/dpa-infografik GmbH/dpa-Themendi/dpa
Paare tanzen in der Altstadt von Lwiw, das viele noch unter dem Namen Lemberg kennen. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
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Paare tanzen in der Altstadt von Lwiw, das viele noch unter dem Namen Lemberg kennen. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
Panzerdenkmal in Tiraspol - die Stadt fungiert als Hauptstadt des international nicht anerkannten Landes Transnistrien. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
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Panzerdenkmal in Tiraspol - die Stadt fungiert als Hauptstadt des international nicht anerkannten Landes Transnistrien. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
Bemalte, alte Dampflok im Bahnhof von Moldawiens Hauptstadt Chisinau. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
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Bemalte, alte Dampflok im Bahnhof von Moldawiens Hauptstadt Chisinau. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
Günstig, sauber und akzeptabel für zwei Stunden: Die Dritte Klasse der Eisenbahn von Chisinau nach Tirspol. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
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Günstig, sauber und akzeptabel für zwei Stunden: Die Dritte Klasse der Eisenbahn von Chisinau nach Tirspol. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
Eine Tram fährt durch Lwiw in der Ukraine. Foto: Andreas Gebert/dpa/dpa-tmn
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Eine Tram fährt durch Lwiw in der Ukraine. Foto: Andreas Gebert/dpa/dpa-tmn
Touristen auf dem Hauptmarkt in Krakau - die Stadt ist eine der beliebtesten Reiseziele in Polen. Foto: Philipp Laage/dpa-tmn
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Touristen auf dem Hauptmarkt in Krakau - die Stadt ist eine der beliebtesten Reiseziele in Polen. Foto: Philipp Laage/dpa-tmn
Bummeln in Moldawien: frisches Gemüse auf dem Markt von Balti. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
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Bummeln in Moldawien: frisches Gemüse auf dem Markt von Balti. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn

Warum immer hektisch fliegen? Mit der Bahn geht es von Deutschland aus gemütlich bis ans Schwarze Meer. Unterwegs warten echte Perlen wie Krakau, Lemberg und Odessa. Eine Reise im Takt der Schienen.

Krakau/Odessa (dpa/tmn) - In zwei Wochen mit der Bahn gemächlich ans Schwarze Meer rollen - für viele klingt das verrückt, für andere ist es ein Traum. Eine Zugreise durch Osteuropa steht so in keinem Reiseführer.

Die Schienen führen über Breslau (Wroclaw) mit seiner berühmter Altstadt sowie Krakau mit Hauptmarkt, Burg und Touristenmassen nach Lemberg und Winnyzja im Westen der Ukraine. Die Züge rollen weiter nach Balti und Chisinau in Moldawien, nach Tiraspol in Transnistrien und Odessa in der Ukraine.

Von Krakau über die Grenze in die Ukraine

Der Zug aus Krakau (Krakow) fährt in Przemysl ein, eine Stadt im Südosten Polens mit tausendjähriger Geschichte. Hier endet die Europäische Union. Fahrgäste gehen mit ihrem Gepäck durch die Unterführung in den anderen Bahnhofsteil. Der lange Triebwagen-Zug nach Lwiw (Lemberg) steht bereit. Die Erste Klasse ist mit blauen Polstersitzen ausgestattet. Alles ist modern und geräumig.

Gut 15 Minuten hält der Zug im Grenzort in der Ukraine. Der Uniformierte prüft den deutschen Ausweis und nickt. Angenehme Fahrt. Draußen gleiten Felder, Wälder und Ortschaften vorbei. Buchstaben und Schriftzüge in Kyrillisch an Bahnhöfen, Läden und Fabriken.

Lemberg ist eine Pracht

Lviv, das frühere Lemberg, wird sichtbar. Im Herzen der Stadt auf dem Rynok-Platz erschallt Musik. Paare tanzen im Freien zwischen Rathaus, Brunnen, Museum und Restaurants. Die jahrhundertealten Gebäude der Altstadt haben den Krieg überstanden. "Florenz des Ostens" nannten Bewunderer die Stadt, ein Schmelztiegel vieler Ethnien.

In einer kleinen Schankstube am Rynok fließt der Obstwein in Strömen, palavern und trinken Jung und Alt auf dem Bürgersteig. Der Spaziergang führt durch verwinkelte Gassen mit Kopfsteinpflaster. Hinterhöfe haben morbiden Charme. Restaurants locken mit originellen Namen zur Einkehr: "Doctor Faust", "Bruderschaft" und "Mafia". Viele sind auf mehr Touristen und den erhofften EU-Beitritt vorbereitet.

Erkundungen abseits der Touristenströme

Nächste Station nach viereinhalb Stunden gemütlicher Bahnfahrt Erster Klasse ist Winnyzja (oder auch Vinnytsia). Die Stadt hat 380 000 Einwohner und kaum Touristen. Heute geht es ohne Vorbereitung zum Stadtbummel. Kirchtürme und Kuppeln geben Orientierung. Hinter Brücke und Fluss beginnt das Zentrum. Es überrascht mit einer kleinen Altstadt, Fußgängerzone und einem rostroten, gemauerten Wasserturm.

Im Bahnhof rollt der Schnellzug aus Moskau ein. Der "D 47MZ" ist die lahmste Ente auf dieser insgesamt etwa 1700 Kilometer langen Bahnfahrt. Die graublauen Wagen haben Jahrzehnte auf dem Buckel, stammen aus sowjetischen Zeiten. "1. Klasse" steht auf dem Ticket - die gibt es aber nicht. Der Schaffner führt den überraschten Gast in ein leeres, muffiges Abteil mit zwei Doppelstockbetten.

Das nächste Land wartet schon

Weiter geht's nach Moldau. Bauern bestellen ihre Äcker, Wäldchen wechseln sich mit Brachland ab. Hin und wieder tauchen Dörfer und Kuppeln orthodoxer Kirchen auf. Die Sonne geht unter. Der Zug ist pünktlich, er benötigt ins moldawische Balti für etwa 290 Kilometer gut acht Stunden einschließlich Grenzkontrollen.

Balti ist eine kleine Industriestadt. Lateinische Buchstaben stehen neben kyrillischen. Straßennamen und anderes sind wieder verständlicher für westliche Besucher. Rumänisch ist offiziell Amtssprache in Moldawien, russisch die zweite. Im Zentrum liegen Bummel- und Parade-Boulevard, Panzerdenkmal und Einkaufszentrum.

Einmal Schummeln ist erlaubt. Die Rezeptionistin im Hotel "Elite" empfiehlt ein Taxi für die 135 Kilometer von Balti nach Chisinau für umgerechnet 35 Euro. "Das ist viel, viel schneller als ihr Zug." Das Auto ist komfortabel, der Fahrer freundlich. Er redet über Land, Leute und den Wein. Moldawien gehört zu den ärmsten Ländern Europas, ist aber reich an guten Tropfen. Reizvolle Weingüter und riesige Lager mit Flaschen und Fässern locken zu Ausflügen.

Wo das Leben der Menschen zur Sehenswürdigkeit wird

Moldawiens Hauptstadt ist weitläufig. Keine Schönheit, kein Overtourismus. Tägliche Szenen des Alltags sind die Attraktionen. Teenager hüpfen in einem Park im Zentrum vollständig angezogen in einen Springbrunnen mit Fontäne. Keiner meckert.

Das Bahnhofsgelände in Chisinau bietet schöne Fotomotive, auch eine ausrangierte Dampflok. Der Wunsch des Kunden am Ticketschalter ist ungewöhnlich: Dritte Klasse nach Tiraspol und von dort Erste Klasse drei Tage später nach Odessa. Die Dame nickt.

Ein praktisch unbekanntes Land

Kaum einer steigt aus in Tiraspol, der Hauptstadt Transnistriens. Der schmale Landstrich hat sich nach dem Zerfall der Sowjetunion schnell vom jungen Moldawien losgesagt, wird aber international nicht anerkannt. Der Mangel an Touristenattraktionen sowie die innige Liebe zu Russland, Putin, Lenin und Marx ziehen kaum Ausländer an.

Die meisten bleiben im Zug nach Odessa, verpassen aber eines der letzten Geheimnisse Europas. Die Menschen in Tiraspol sind zurückhaltend, freundlich und hilfsbereit. Im Freiluftmuseum Tiraspol scheint die Sowjetunion weiterzuleben. Der riesige Suworow-Platz ist umsäumt von Grünanlagen, Fahnen, Verwaltungsgebäuden, Monumenten und Denkmälern. In der Nähe klettern Kinder auf einen sowjetischen T-34 Panzer, Teil einer Gedenkstätte. Büsten und Statuen von Lenin und anderen Helden des Kommunismus sind allgegenwärtig.

Odessa ist ein würdiger Abschluss der Reise

Zwei beschauliche Stunden im Zug bringen einen zum Bahnhof von Odessa, der wohl schönste der Reise. Das historische Hauptgebäude hat eine mächtige Kuppel. Vieles wurde nach dem Krieg restauriert.

Ein zwei Kilometer langer Bummel vom Bahnhof führt zur historischen Oper und einer berühmten Treppe. Auf dem Weg machen das Kloster Panteleimon, die Kathedrale der Heiligen Dreifaltigkeit, die Or-Sameach-Synagoge und die Al-Salam-Moschee neugierig.

Hunderte Besucher steigen täglich über die 192 Stufen der Potemkinschen Treppe. Der Blick auf Hafen und Meer Odessas ist spektakulär, die Geschichte noch mehr. Im Stummfilm "Panzerkreuzer Potemkin" von Sergei Eisenstein (1925) ist die Treppe Schauplatz für die blutige Niederschlagung eines Putsches gegen die Zaren-Armee.

Das Ende dieser entspannten Reise naht. Wer mehr Historie mag, bucht den Rückflug von Odessa mit sieben Stunden Stopp in Kiew. Das ist Zeit genug, um den berühmten Maidan-Platz und das Zentrum der ukrainischen Hauptstadt zu sehen.

Info-Kasten: Bahnreise von Krakau nach Odessa

Tickets und Preise: Viele Fahrkarten lassen sich auf der Webseite der Deutschen oder Polnischen Bahn buchen, alternativ unterwegs an den Bahnhöfen entlang der Route. Die Kosten für die hier vorgestellte Reise ab Berlin lagen bei rund 140 bis 150 Euro, überwiegend in der Ersten Klasse. Hotels und Privatquartiere in den Städten lassen sich bequem über das Internet buchen, ob für 20 oder 250 Euro die Nacht. Für die Reise benötigt man einen Reisepass.

Geld: Auf einer Zugreise von Deutschland über Polen bis ans Schwarze Meer werden verschiedene Währungen benötigt, die an Bankautomaten oder in Wechselstuben beschafft werden kann - oft gleich bei Ankunft im Bahnhof. In Polen wird mit dem Zloty gezahlt, in der Ukraine mit Hrywnja (Griwna), in Moldawien mit dem Leu.

© dpa-infocom, dpa:200727-99-940842/3

Webseite der Deutschen Bahn

Tourismus-Webseite Breslaus

Tourismus-Webseite Krakaus

Tourismus-Webseite Lembergs

Reiseinfos zu Moldawien

Polnische Bahn

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