1. wa.de
  2. Leben
  3. Reise

Aida, Mein Schiff, MSC: Kann die Kreuzfahrt wegen Corona storniert werden?

Erstellt:

Von: Kristina Köller

Kommentare

Urlaub auf dem Schiff - für viele ist eine Kreuzfahrt ein Traum. Doch Corona macht auch bei einer solchen Reise Probleme. Kann ich die Buchung stornieren?

Hamm - Es sollten Traumurlaube werden, und sicherlich auch Auszeiten von Corona. Doch das Virus hat rund um den Jahreswechsel vielen Passagieren im wahrsten Sinne des Wortes die Tour vermasselt. Kreuzfahrschiffe mussten kürzlich ihre Reisen abbrechen, da an Bord Corona-Fälle auftraten. Insbesondere die rasche Verbreitung der Omikron-Variante schreckt Menschen ab, die eine Kreuzfahrt planen oder gar gebucht haben. Reicht die Sorge vor Ansteckung, um eine Kreuzfahrt zu stornieren? (News zum Coronavirus)

Corona-VarianteOmikron
UrsprungslandSüdafrika
Veränderung zum ursprünglichen SARS-CoV-2ungewöhnlich hohe Zahl von ca. 30 Aminosäureänderungen im Spike-Protein

Kreuzfahrt und Corona: Kann ich meine geplante Reise stornieren?

Es hätte für Passagiere auf zwei Schiffen von Aida und Tui Cruises kaum ärgerlicher sein können. Ihre Reisen wurden rund um Neujahr wegen Corona gestoppt. Knapp 3000 Passagiere der „Aida Nova“ von Aida Cruises und rund 2000 Reisende von „Mein Schiff 6“ der Reederei Tui Cruises mussten den Heimweg antreten.

Im Hafen von Genua sind am Montag mindestens 45 Passagiere eines aus Marseille eingetroffenen Kreuzfahrtschiffes der Gesellschaft MSC nach positiven Corona-Tests unter Quarantäne gestellt worden. Zwar fährt der Ozean-Dampfer nun weiter, doch eine Unterbrechung der Reise war auch in diesem Fall nötig.

Kreuzfahrt wegen Corona stornieren? Die Bedingungen bei Aida und Tui Cruises

Sie wollen aus Sorge vor Ansteckung oder vor Corona bedingten Einschränkungen Ihre gebuchte Kreuzfahrt stornieren? So einfach ist das nicht. Die Regelungen bei Aida Cruises und Tui Cruises/„Mein Schiff“ benennen die Reedereien selbst - hier der Überblick:

Kreuzfahrten wegen Corona stornieren: So ist die Rechtslage

Allerdings hat natürlich nicht jeder Passagier zu den oben genannten Konditionen gebucht. Was tun, wenn diese Regelungen nicht gelten oder Fristen schon verstrichen sind? Zwei Rechtsexperten ordnen die Rechtslage ein.

Eine Kreuzfahrt ist in aller Regel eine Pauschalreise, weil mehrere Reiseleistungen zusammenkommen, etwa die Verpflegung, der Transport und vielleicht auch die Unterhaltung, sagt André Schulze-Wethmar als Rechtsexperte beim Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) in Kehl.

Kreuzfahrt kostenlos stornieren: Bauchgefühl reicht nicht
„Aida Nova“ in Lissabon: Das Coronavirus kann für einen ungeplanten Ablauf von Kreuzfahrten sorgen. © Soeren Stache/dpa

Grundsätzlich kann jeder Tourist vor Reiseantritt nur dann kostenlos von seinem Reisevertrag zurücktreten, wenn außergewöhnliche Umstände während der Reise am Urlaubsort oder bei der Beförderung dahin zu erwarten sind, sagt der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Und ob dieses europaweit geltende kostenlose Sonderkündigungsrecht bei Kreuzfahrten greift, hängt vom Einzelfall ab, so Schulze-Wethmar.

Kreuzfahrt wegen Corona nicht übereilt stornieren - dumpfes Bauchgefühl reicht nicht

Verbraucher sollten in der Regel nicht übereilt stornieren, um nicht auf den Stornokosten sitzen zu bleiben, rät Schulze-Wethmar. „Man kann dann zwar noch versuchen, das gerichtlich geltend zu machen, aber das ist recht schwierig“, so der Jurist. Zugleich könnten Verbraucher die Anbieter um Kulanzlösungen bitten.

Die reine Spekulation, dass es zum Beispiel einen Corona-Ausbruch an Bord geben könnte, reicht in der Regel nicht aus für einen kostenlosen Rücktritt: „Wenn ich jetzt vor einer gebuchten Kreuzfahrt sitze und das dumpfe Bauchgefühl habe ‚Das geht auch bei mir schief‘, dann wird mir das leider nicht helfen“, sagt Degott.

Kreuzfahrt stornieren wegen Corona - kostenloser Rücktritt nur bei handgreiflichen Gründen

Auch in der jüngeren Vergangenheit haben Richter Urteile in Sachen Kreuzfahren und Corona gesprochen. Und ein kostenloser Rücktritt von einer Reise wurde nur gewährt, wenn sogenannte handgreifliche Gründe dafür vorlagen. Paul Degott nennt ein fiktives Beispiel: Ein solcher Grund läge vor, wenn Reisende in der Folgewoche auf ein Schiff gehen sollen, das noch unter Quarantäne liegt. Dann könnte es sein, dass sich ein Risiko so verdichtet hat, dass Reisenden die Kreuzfahrt nicht zuzumuten sei. „Das kommt aber immer auf den Einzelfall an.“

Wenn aber konkrete Anhaltspunkte dafür sprechen, dass dort, wo die Kreuzfahrt stattfindet, außergewöhnlichen Umstände vorliegen, wäre das ein wichtiger Anhaltspunkt für eine mögliche kostenlose Stornierung. Schulze-Wethmar nennt beispielhaft dafür einen plötzlichen unerwarteten Corona-Ausbruch der Omikron-Variante am Ausgangsort der Reise oder vielleicht auf dem gleichen Schiff. Bei der Argumentation helfen könnten Reisenden unter Umständen auch Hinweise des Auswärtigen Amtes, das derzeit von Kreuzfahrten abrät.

Kreuzfahrt in Corona-Zeiten: Stornierung nicht einfach - Argumente der Veranstalter

Allerdings haben auch die Reiseveranstalter schlagkräftige Argumente auf ihrer Seite - laut Verbraucherschützer Schulze-Wethmar insbesondere, dass es die Pandemie inzwischen schon länger gebe - und dass Corona kein außergewöhnlicher Umstand mehr sei, vor allem, wenn während der Pandemie gebucht wurde. Das Geld bekommen Kunden hingegen laut Schulz-Wethmar sicher zurück, wenn der Veranstalter von selbst storniert.

Und was sollte man beachten, wenn man plant, zu buchen? Um Probleme zu vermeiden, sollte man sich nach Empfehlung der Experten schon bei der Buchung für ein Angebot entscheiden, bei dem der Anbieter von sich aus ein kostenloses Stornorecht einräumt. Es gebe Reiseveranstalter, die gegen Aufpreis ein zusätzliches vertragliches kostenloses Rücktrittsrecht einräumen. Oder man schließt eine entsprechende Versicherung ab. Hier sollte man aber die Konditionen prüfen. Bei Beschwerden gegen Reiseanbieter im EU-Ausland bietet das EVZ kostenlos eine außergerichtliche Unterstützung an.

Kreuzfahrt während Corona: Ansprüche, wenn Reise stattfindet

Wer die Reise dann antritt, hat auch Anspruch auf die komplette Durchführung. Gelingt dem Anbieter dies nicht, können Kunden den Reisepreis zurückverlangen - zumindest für jene Tage der Reise, die Urlauber am Ende nicht hatten. Zudem können Minderungsansprüche für die Tage davor gelten, sagt Degott - etwa, wenn Maßnahmen an Bord das Programm abspeckten oder man sogar in der Kabine bleiben musste. „Dabei kommt es auf ein Verschulden des Anbieters nicht an.“

In Bezug auf Corona stehen 2022 übrigens einige Änderungen bevor. Betroffen sind der gelbe Impfpass, die CovPass-App und das digitale Impfzertifikat. Zum nächsten Corona-Gipfel treffen sich Bund und Länder am Freitag (7. Januar). Gesundheitsminister Karl Lauterbach deutet an, um welche Beschlüsse es geht. - Mit Material von dpa

Auch interessant

Kommentare