Kreuzfahrt auf gut bayerisch

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Für den bayerischen Abend auf der Aidablu packen sogar die Passagiere schon mal das Dindl aus

Mal abgesehen von ein paar ambitionierten Freizeitkapitänen auf den Gewässern im Münchner Umland sind die Bayern nicht unbedingt das, was man ein Seefahrervolk nennt.

Und trotzdem trifft man erstaunlich viele, die auch rein jobmäßig auf den Weltmeeren unterwegs sind. Autor Michael Westermann machte den Bayern-Check auf der Aidablu, dem einzigen Kreuzfahrtschiff weltweit, das eine eigene Brauerei an Bord hat.

Die zwei aus der Brauerei

Die Braumeister André Klein und Markus Lindner

Eigentlich naheliegend, dass der Chef dieser schwimmenden Brauerei Bayer ist. Nachdem sein Vorgänger – er kam aus dem Allgäu – nur ein kleines Intermezzo auf dem Ozean gegeben hatte, bevor er wieder aufs Land abgeworben wurde, hat André Klein (35) im Juni das Bierbrauen auf der Aidablu übernommen. Klein hat in Weihenstephan studiert und in Bernried am Starnberger See gearbeitet, bevor er auf dem Clubschiff anheuerte. Ein unsteter Job: Im nächsten Jahr schon soll er im Sudhaus auf der Aidasol stehen, dem zweiten Clubschiff, das mit eigener Brauerei ausgestattet wird. Deshalb arbeitet Klein derzeit seinen Nachfolger ein: Markus Lindner (32). Der hat seinen Braumeister im fränkischen Kulmbach gemacht.

Beide betrachten ihre Arbeit auf dem Schiff als Abenteuer und Herausforderung und genießen die Freiheit, die ihnen der Job an Bord lässt. „Man kann neue Biersorten entwickeln.“ Zum Oktoberfest gab es ein eigenes Fassbier mit 13,5 Prozent Stammwürze, zum wöchentlichen Bayern-Fest „Alpenglühen“ wird ein Fass mit einer eigenen Kreation angestochen. Seekrankheit kennen beide nicht, das Schaukeln macht dem Gerstensaft mehr zu schaffen. „Es ist nicht gut für den Kühlprozess“, sagt André Klein. 

Von München aufs Meer

Der stellvertretende Restaurantleiter Emanuel Groß

Emanuel Groß ist seit Juli 2010 als stellvertretender Restaurantleiter auf der Aidablu. Der 25-jährige gelernte Hotelfachmann aus München hat lange Zeit im Arabella Sheraton in der bayerischen Landeshauptstadt gearbeitet. „Auf einem Schiff hat man rundum einen Schutz, man entwickelt seine eigene Familie“, sagt Emanuel, dessen Eltern ihn durchaus bekräftigt hatten, den Job an Bord anzunehmen. Kontakt mit Freunden hält er über Facebook. „Aber das Skifahren fehlt mir schon“, gibt er zu.

Der Mixer, ein Kosmopolit 

Barmixer Andreas Fandrich

Geburtsort? „Rechts der Isar“, beantwortet Andreas Fandrich die Frage augenzwinkernd. In der Aida-Flotte ist der 27-Jährige ein alter Hase. Vor drei Jahren hatte er auf der Aidacara angefangen. Inzwischen ist der bayerische Kosmopolit, der schon in einer Bar am Fliegerhorst Erding, am Münchner Flughafen und in der Therme Erding gearbeitet hatte, stellvertretender Barmanager auf der Aidablu. Und kennt als solcher nicht nur die besten Cocktailrezepte, sondern auch einen Wundermix gegen Seekrankheit: „Line Aquavit auf Eis, Alkohol gleicht nämlich die Schräglage aus.“ Kontakt mit den Freunden daheim hält er regelmäßig. Allerdings muss Andreas, wenn er nach München kommt, im Keller wohnen. Die Leinen zur Heimat hatte er nämlich ziemlich konsequent gekappt, als er bei der Reederei anheuerte. Sein Auto hat er der Schwester und die Wohnung dem Bruder geschenkt …

Weißblauer Empfang

Stefanie Hauner an der Rezeption

Ein Schiff wie die Aidablu ist international, die Crew kommt aus 30 Ländern dieser Welt. Keine Sprache ist hier fremd, und doch hatten die Kollegen am Anfang ihre Schwierigkeiten mit dem niederbayerischen Dialekt von Stefanie Hauner (23) aus Regensburg. Mittlerweile ist der wohlklingende Bayern-Slang das Markenzeichen der charmanten Rezeptionistin. Stefanie ist das „Küken“ in der Crew und erst seit einigen Wochen auf der Aida- blu. Aufs Schiff wollte sie, um was von der Welt zu sehen. Was aber nichts daran ändert, dass sie doch oft das Heimweh packt. „Dahoam is dahoam“ seufzt Stefanie und erzählt von ihrem Freund Tobias, der zu Hause auf sie wartet. Entsprechend hoch sind ihre Telefonkosten. „Aber im Januar kommt er mich an Bord besuchen.“

Im Dienst der Schönheit

Nastasja Noori im Wellnessbereich

In Nürnberg geboren, in Schwabing daheim und derzeit auf dem Meer unterwegs ist Nastasja Noori (24). Dass es so kam, daran ist Nastasjas Freund schuld, der einmal auf einem amerikanischen Schiff angeheuert hatte und ihr davon so lange vorschwärmte, bis sie sich selbst für den Seefahrerjob bewarb. Mit 21 Kolleginnen arbeitet die gelernte Make-up-Fachfrau im Wellnessbereich der Aidablu. Ein Job, der rundum glücklich macht – und schön. Nur das Skifahren und der Blick auf die Berge, sagt Nastasja, die fehlen.

Kochen gegen Seekrankheit

Koch Martin Müller

Martin Müller aus Ingolstadt hat ein ganz einfaches Rezept gegen Seekrankheit: „Nicht daran denken und ganz viel arbeiten!“ Letzteres fällt dem Ersten Koch im Brauhaus-Restaurant der Aidablu beileibe nicht schwer. Wie Martin, der Bayer, der vorher einen Job in der Nähe von Miesbach hatte, zur Seefahrt kam? Ganz einfach: Ein Freund, der schon lange auf den Meeren unterwegs ist, hatte Martin zu dem Job auf dem Schiff überredet. Die Aidablu ist für den Koch allerdings erst einmal nur Zwischenstation. Im März 2011 wechselt er auf die neue Aidasol.

Der bayerische Beachboy

Anthony Agroh, einer der Köche auf der Aidablu, bezeichnet sich selbst als „bayerischen Beachboy“ und fühlt sich auf dem Meer pudelwohl.

Nicht, dass ihm die bayerischen Berge gestohlen bleiben könnten. Nein, so krass will Anthony Agroh, der gebürtige Augsburger, das auch nicht sagen. „Aber ich bin schon eher so der Beachboy“, lacht der 28-Jährige und wirft die nächsten Steaks auf den Grill. Seit 2009 kocht Anthony auf den Aida-Schiffen, davor war er ein Jahr im Bayerischen Hof in München und in verschiedenen Spezialitätenrestaurants bei Augsburg und in Köln tätig. Das Arbeiten mit den verschiedenen Nationen macht ihm riesigen Spaß. „Man sieht jeden Tag was anderes und lernt viel von den anderen, vor allem, was die asiatische Küche betrifft.“

DIE REISE-INFOS ZUM SCHIFF

DAS SCHIFF Die Aidablu, im Februar 2010 in Hamburg von Modedesignerin Jette Joop getauft, ist das jüngste der Clubschiffe mit dem markanten Kussmund am Bug. Die Aidablu ist 252 Meter lang, 32,2 Meter breit, und hat 14 Decks mit 1096 Passagierkabinen, davon 453 mit Balkon.

DIE ROUTE Die Aidablu kreuzt im Winter 2010/11 ab/bis Teneriffa zwischen den Kanarischen Inseln und Madeira, der Blumeninsel im Atlantik. 

DIE PREISE Ein einwöchiger Törn auf der Aidablu kostet ab 557 Euro pro Person zuzüglich Flug (auf die Kanaren ca. 420 Euro).

BORDSPRACHE Die Aida-Schiffe fahren unter italienischer Flagge. Dennoch ist die Bordsprache Deutsch. Vor allem auf den Europa-Kreuzfahrten kommen die meisten Passagiere aus Deutschland.

WEITERE INFOS im Reisebüro, im Internet unter www.aida.de oder telefonisch bei Aida Cruises in Rostock unter Tel. 0381/20270722 (Mo bis Fr von 8 - 22 Uhr, Sa und So von 9 - 20 Uhr). 

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