Der Club der Tiere

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Tierliebe: Vor allem die jungen Gäste des Clubs Magic Life Waterworld Imperial in Belek sind begeistert von der Aufzucht der kleinen Landschildkröten.

Es sollte ein erholsamer Cluburlaub an der türkischen Riviera werden. Doch der Magic Life Imperial Waterworld in Belek, in dem Reiseredakteur Volker Pfau war, entpuppte sich als ein im wahrsten Sinne des Wortes tierischer Club.

Sie kommt von links, wir von rechts. Wir stoppen trotzdem, denn es sind ernsthafte Zweifel angebracht, ob dieses Exemplar der Gattung Testudo die Regeln der türkischen Straßenverkehrsordnung kennt. Sie mag sich vielleicht darauf berufen, dass wir uns nicht auf öffentlichem Gelände befinden, dass also hier ihre Regeln gelten. Die Regeln der Europäischen Landschildkröten, die hier stets Vorfahrt haben. Hier, im Magic Life Waterworld Imperial in Belek, dem Club der Tiere.

Der Club der Tiere: Magic Life Waterworld in Belek

Der Club der Tiere: Magic Life Waterworld in Belek

Es mag Gäste geben, die den Anblick einer über den gepflegten Rasen tapsenden Schildkröte dem zu ausschweifenden Genuss der Gratis-Drinks an den neun Bars auf der Anlage zuschreiben. Es gibt Gäste, die Animation, Büffets und die sieben Wasserrutschen tierisch gut finden, die aber auch nach einer Woche im Magic Life Waterworld noch nichts davon mitbekommen haben, wie viele verschiedene wilde Tiere es hier gibt und wie sehr sich Club-Direktor Cüneyt Kuru und sein Team um Schutz, Pflege und Intergration von Flora und Fauna bemühen.

„In diesem Sommer hatten neun Wasserschildkröten am Strand ihre Nistplätze“, sagt der 55-jährige Direktor stolz, ein Nest davon lag gleich gegenüber der Coca Cola Beach Bar, einem Zentrum der nachmittäglichen All-inclusive-Versorgung der Gäste am 600 Meter langen Strand. Es hat auch heuer wieder wunderbar geklappt, ein paar Hundert junge Exemplare der Caretta caretta sind geschlüpft.

„Die Gäste sind total glücklich damit“, sagt Kuru. Er auch. Niemand beschwert sich, dass die Nester, die mitten am Strand liegen, großräumig abgesperrt sind, um die Eier zu schützen. Und Cüneyt Kuru zählt gleich weiter auf, was im Magic Life für Tiere gemacht wird: Zwölf Katzen werden versorgt, täglich gefüttert, sie haben je einen Schlafkorb und einmal in der Woche kommt der Tierarzt. Überall auf dem 220 000 Quadratmeter großen Gelände stehen Futterstellen für Vögel, an denen sich auch Eichhörnchen ganz gerne bedienen, und in den Bäumen hängen Nistkästen. Begeistert zeigt der Direktor noch Fotos von Chamäleons und Igel – „alle hier im Club gemacht!“

Das Engagement geht auch über den Zaun des Clubgeländes hinaus: Seit zwei Jahren unterstützt Magic Life Imperial Waterworld die Schule Haskizilören in Serik. Wiederholungsgäste – von denen es sehr viele gibt – wissen um dieses Projekt und helfen mit Material und Geld. Und nach den großen Waldbränden an den Hängen des Taurusgebirges im Jahr 2004 hat der Club eine Patenschaft für ein 300 000 Quadratmeter großes Gelände übernommen, das nun mit Kiefersetzlingen aufgeforstet wird. Auch dabei helfen Urlauber, die während ihres Aufenthaltes gemeinsam kleine Baumsetzlinge pflanzen.

Es ist ein entspanntes Miteinander im Club. Man kann das Wummern der Bässe aus der Beschallungsanlage am Activity Pool ein paar Meter weiter an dem Freigehege für den Schildkrötennachwuchs noch gut hören. Doch die knapp 20 Tierchen scheint das nicht zu stören. Sie kommen angekrabbelt, wenn es Salatblätter zu fressen gibt und sie verkriechen sich unter Laub und Steinen, wenn sie ihre Ruhe haben wollen. Musik, Animation und Clubgäste hin oder her. Kinder lieben die Kriechtiere und schleppen ihre Eltern hierher, die dann quasi gezwungenermaßen in den Eco-Garten des Clubs kommen mit allerhand Bäumen und Sträuchern der Region, auf dessen Gelände die jungen Schildkröten aufgezogen werden, bis sie groß genug fürs freie Leben sind.

Bei einem Ausflug mit Geländewagen ins Hinterland mag man vielleicht noch glauben, dass die Türkei ein Paradies für Tiere ist, wenn man sieht, wie sich an den Rändern der Bewässerungsgräben viele Süßwasserschildkröten in der Sonne tummeln, wie Ziegen im Wald nach Futter suchen und hört, wie die Vögel zwitschern. Wenn man jedoch die ausgemergelten Hunde am Straßenrand sieht oder die in viel zu kleinen Käfigen eingesperrten Papageien im Einkaufszentrum von Belek, die Kunden anlocken sollen, dann weiß man aber, dass es den Kreaturen im Magic Life Waterworld tierisch gut geht.

Volker Pfau

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