Reisen in der Corona-Pandemie

„Zweites Ischgl“: Regierung und Experten warnen vor Mallorca-Ansturm

Leerer Strand an der Playa de Palma während der Hochsaison 2020
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Seit letztem Jahr sind die Strände auf Mallorca leer.

Wird Mallorca zum „zweiten Ischgl“? Die Bundesregierung und Experten sehen den Ansturm auf die Balearen-Insel in der Corona-Zeit kritisch.

Ostern auf der sonnigen Insel Mallorca zu verbringen, klingt für einige Deutsche ziemlich verlockend. Nachdem die Reisewarnung für die Balearen am Wochenende aufgrund der niedrigen Corona-Inzidenz vor Ort gekippt wurde, konnten sich die Fluggesellschaften vor Buchungen kaum noch retten. Schon am 14. März startete die erste ausgebuchte Maschine in Richtung Mallorca. Gerade über Ostern erwarten die Airlines ein gutes Geschäft: So hat zum Beispiel Eurowings 300 zusätzliche Mallorca-Flüge über die Feiertage eingeplant. Auch Condor stockte sein Angebot auf.

Mallorca-Tickets für bis zu 600 Euro

Aber der Urlaubsspaß ist gar nicht so günstig: Je nach Abflugort, Abflugtag und Abflugzeit können die Direkt-Tickets bis zu 600 Euro im günstigsten Tarif kosten. An einigen deutschen Flughäfen wie Düsseldorf oder Hamburg gibt es kaum Tickets unter 400 Euro. Damit sind die Preise fast doppelt so hoch wie in Vor-Corona-Zeiten. An Bord einer Maschine darf sich aber nur befinden, wer einen negativen PCR-Test vorweisen kann, der nicht älter als 72 Stunden ist. So verlangen es die Bestimmungen der spanischen Regierung für Einreisende aus Risikoländern – zu denen Deutschland gehört.

Bundesregierung und Experten warnen vor Mallorca-Ansturm – „zweites Ischgl“

Die Bundesregierung zeigt sich wenig erfreut über die Corona-Flucht der Deutschen: „Der Appell ist, auf jede nicht unbedingt notwendige Reise zu verzichten“, betonte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Dem stimmt die Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Maria Adebahr, zu: „Das Fehlen einer Reisewarnung ist keine Einladung zum Reisen.“ Die Entscheidung für einen Urlaub müsse aber jeder für sich treffen. „Reisen sollten an Ostern möglichst nicht unternommen werden, erst recht keine Flugreisen“, sagte auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach der „Rheinischen Post“ vom Montag.

Auch interessant: Deutsche im Urlaubsfieber? Mehrheit will noch im ersten Halbjahr 2021 verreisen.

Der Reiseforscher Jürgen Schmude von der Universität München spricht gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sogar von einem „zweiten Ischgl“: „Grundsätzlich ist dieser Ansturm eine Katastrophe. Wir haben gesehen, was bei Reisegroßereignissen passieren kann, Stichwort Ischgl. Wir laufen nun Gefahr, mit Mallorca ein zweites Ischgl zu produzieren. Es würde mich nicht wundern, wenn die Insel in drei Wochen wieder in einen harten Lockdown muss.“

Es gäbe zwar umfassende Hygienekonzepte vonseiten der Hotels und der Airlines, doch selbst das könnte steigende Fallzahlen nicht aufhalten: „Wir wissen, dass sich Menschen im Urlaub anders als im Alltag verhalten. Generell versucht man, Probleme im Urlaub auszublenden. Und aktuell wollen diese Leute ja ganz bewusst raus aus der Corona-Situation in Deutschland“, so der Experte. (fk)

Lesen Sie auch: Erste Hotels und Airlines planen Start der Reise-Saison auf Mallorca.

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