Campen mit Glamour

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Campen in der Oberklasse - Die neue Lust am Glamping. Dazu gehören gemütliche und geräumige Zelte wie hier im Camp Silver auf der niederländischen Insel Texel.

Beim Thema Caming scheiden sich die Geister: Die einen lieben es, den anderen hassen es. Deswegen gibt es jetzt Glamping statt Caming - nur für verwöhnte Zeitgenossen.

Doppelbett statt Isomatte: Glamper wollen es auch beim Zelten gemütlich haben.

Muffige Schlafsäcke, schnarchende Nachbarn, schmuddeliges Gemeinschaftsklo: Wie war man froh, das hinter sich zu haben - und statt in Papas Drei-Mann-Zelt in einem richtigen Hotel Urlaub machen zu können. Mit gedeckter Tafel statt Plastikgeschirr, mit Designerbad statt Gartenschlauchdusche. Auch wenn, zugegeben, eines dabei verloren ging: das Schlafen unterm Sternenhimmel, direkt in der Natur. Und irgendwann stellte so mancher fest: Mit der Romantik eines Outdoor-Urlaubs kann auch das schönste Hotel nicht mithalten.

Dass es offenbar vielen so geht, belegt ein Trend aus der Welt der Lagerfeuer-Fans und Wohnmobilisten: “Glamping“ heißt er - eine Abkürzung für “glamourous camping“, also Zelten mit Luxus-Touch. In den USA und Großbritannien ist das nichts völlig Neues. Selbst prominente Zeitgenossen wie Kate Moss und der Fernsehkoch Jamie Oliver haben sich als Glamper geoutet. Erstmals zu hören war von der Idee in der angelsächsischen Welt laut der britischen Reise-Journalistin Nicola Iseard im Jahr 2009.

Legendär Campen - Airstream 684-2

Legendär Campen - Airstream 684-2

Beliebt ist Glamping vor allem bei einer Klientel, die zwar Luxus im Urlaub als gesetzt betrachtet, sich aber politisch korrekt verhalten möchte und sich über die ökologischen Folgen eines Fünf-Sterne-Urlaubs inklusive Fluganreise Gedanken macht. So wie manche Hollywoodstars, George Clooney zum Beispiel, von der Luxuskarosse auf Hybridautos umsteigen, so propagieren die Glamping-Anhänger ein Zurück zur einfacheren Lebensweise. Auf Websites wie goglamping.net und glampinggirl.com kann man sich ein Bild von dieser Urlaubsform machen.

Die Zigeunerwagen des Anbieters Roulottes de Campagne dürften Urlaubern gefallen, die es im Campingurlaub gerne komfortabel haben wollen.

Mancher mag sich darüber mokieren, dass der Glamper sein Zelt nicht selbst aufstellt, geschweige denn durch die Wildnis trägt. Und dass er nicht auf der Isomatte nächtigt, sondern im kuscheligen, vom Caretaker frisch bezogenen Kingsize-Bett. Wie auch immer man dazu steht: Das Angebot wächst längst auch außerhalb Großbritanniens und der USA. In den Niederlanden, wo Camping traditionell beliebt ist, gab es bereits erste eigene Glamping-Abteilungen auf den großen Touristikmessen, berichtet Klaus Schneider, Geschäftsführer der deutsch-holländischen Vacanceselect Gruppe mit Deutschlandsitz in Hamburg, die Camping auf gehobenem Niveau anbietet.

Was in den 70er Jahren der VW Bulli war, ist für Glamper heute der Airstream-Van.

In Italien, Spanien, Portugal und Frankreich sind die Voraussetzungen für Glamping besser als hierzulande: Es gibt mehr unberührte Natur, spektakulärere Landschaften - und meist besseres Wetter. Vor allem unsere französischen Nachbarn haben das Glampen für sich entdeckt. Dutzendfach findet man im sonnigen Languedoc, in der ursprünglichen Dordogne oder im wildromantischen Massif Central Einrichtungen, die des Glampers Herz erfreuen. Ob waschechte Indianer-Tipis oder riesige Beduinenzelte, mittelalterliche Turnierzelte oder mongolische Jurten - sie sind oft Monate im Voraus ausgebucht.

Oder wie wäre es mit Urlaub im Roulotte, einem bunt bemalten Zigeunerwagen, durch dessen gläsernes Dach man nächtens zum Firmament aufschaut? Der Anbieter Roulottes de Campagne hat sie aktuell bereits auf mehr als 60 Plätzen in Frankreich aufgestellt - und kündigt weitere an.

In Frankreich können Urlauber in bunt bemalten Zigeunerwagen übernachten. Der Anbieter Roulottes de Campagne hat sie bereits auf mehr als 60 Plätzen aufgestellt.

Zu den ungewöhnlichen fahrbaren Untersätzen gehören auch jene silberglänzenden Ostereier, denen selbst Outdoor-Muffel die Bewunderung kaum verwehren können: die Camping-Vans der Marke Airstream. Sie kosten ein Vermögen, was erst recht gilt, wenn es sich um Oldtimer handelt. Deshalb mietet man sie besser. Tage- oder wochenweise geht das zum Beispiel im Belrepayre Airstream Trailer Park südlich von Toulouse - zwei ehemalige Zirkusartisten führen ihn. Oder im Camp Silver auf der niederländischen Insel Texel: Ein Designer hat sie im kultigen Sixities-Stil ausgestattet. Manch ein Hotelbesitzer dürfte vor Neid erblassen.

In Deutschland sind die Ansätze noch zaghaft. Man muss lange suchen, bis man eine Einrichtung findet, bei der sich hinter der Bezeichnung “luxuriöser Campingplatz“ der wahre Geist des Glamping zeigt. Im Ostseebad Dahme an der Lübecker Bucht versucht man, der Idee nahezukommen: Im Eurocamping Zedano stehen sie tatsächlich, die Zeltbehausungen der Oberklasse. Fertig aufgestellt - was für den Bezieher ja schon ein erster Luxus ist -, riesengroß und eingerichtet wie Meryl Streeps Farm in “Jenseits von Afrika“. “Luxus-Safari-Zelt“ heißt dieser Camping-Palast mit Himmelbett, Badewanne und sandfarbener Polstergarnitur. Und die Betten sind: frisch bezogen.

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Und damit zu einem letzten Behausungs-Tipp, der zwar kein Glamping im eigentlichen Sinne ist. Er ist aber so skurril, dass er Urlaubern mit einem Faible fürs Extravagante gefallen dürfte: In den beiden ParkHotels im oberösterreichischen Ottensheim und in Bottrop-Ebel an der Ruhr nächtigt man in zu Suiten umfunktionierten Kanalrohren aus Beton. “Gastfreundschaftsgerät“ nennt der Initiator Andreas Strauss die Anlagen. Und er besteht darauf, dass es sich um Kunst handele, nicht um Kommerz. Feste Übernachtungspreise gibt es deswegen nicht - man zahlt so viel, wie man möchte.

Barbara Kolb, dpa

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