Er geht von München nach Berlin

Air Berlin im News-Ticker: Heute startet der letzte Flug

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Am Freitagabend wird der letzte Air-Berlin-Flug in der Hauptstadt landen.

Die Lufthansa übernimmt große Teile von Air Berlin: Was bedeutet das für die Flüge? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Air Berlin im News Ticker.

Am 15. August 2017 ist Europas zehntgrößte Fluggesellschaft Air Berlin in die Insolvenz geschlittert. Inzwischen ist weitgehend klar, welche Folgen das für Kunden haben wird. Lesen Sie im Air-Berlin-Newsticker, was Sie jetzt wissen müssen.

  • Air-Berlin-Bevollmächtigter: 70 bis 80 Prozent der Jobs sollen erhalten bleiben.
  • Mit dem Ende von Air Berlin entstehen deutliche Lücken in den deutschen Flugplänen.
  • Lufthansa warnt vor möglichen Engpässen nach Air-Berlin-Ende.
  • Am 27. Oktober wird der letzte Flug der Air Berlin gehen.
  • Letzter Langstreckenflug der Air Berlin ging bereits am Montag, 16. Oktober.
  • Lufthansa übernimmt große Teile der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin.
  • Die Fluggesellschaft Air Berlin mit mehr als 8.000 Beschäftigten hatte Mitte August Insolvenz angemeldet.

>>>AKTUALISIEREN<<<

Air Berlin: News vom 27. Oktober 2017

+++ Am heutigen Freitagabend ist es so weit - der letzte Flug der insolventen Airline Air Berlin hebt ab. Um 21.35 Uhr startet die Maschine - ein Airbus A320 - vom Flughafen München. Um 22.45 Uhr soll sie in Berlin landen. An Bord der Maschine wird auch der langjährige Unternehmenschef Joachim Hunold sitzen, der Air Berlin von 1991 bis 2011 führte und in dieser Zeit zur Nummer zwei in Deutschland machte.

+++ Der Generalbevollmächtigte im Insolvenzverfahren bei Air Berlin, Frank Kebekus, sieht trotz der ungewissen Zukunft vieler Beschäftigter Chancen auch für die nicht übernommenen Mitarbeiter. „Wir gehen davon aus, dass wir 70 bis 80 Prozent der Arbeitsplätze überleiten können“, sagte er am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“. Es gebe gute Aussichten, betonte Kebekus mit Blick auf die anhaltenden Gespräche mit Easyjet und Condor: „Wir verhandeln ja noch mit einem zweiten und dritten Interessenten - ich hoffe, dass wir da in den nächsten Tagen Vollzug melden können.“

Einen Großteil der Maschinen der bisherigen Air Berlin will die Lufthansa übernehmen. Bis zu 3000 Mitarbeiter sollen bei ihrer Tochter Eurowings unterkommen. Die Lufthansa hatte es allerdings angelehnt, sich an einer Transfergesellschaft zu beteiligen, in der weitere Beschäftigte nach dem Ende von Air Berlin weiterqualifiziert und -vermittelt werden könnten.

„Bei der Air-Berlin-Technik wird es einen Übergang geben“, ergänzte Kebekus. Die Berliner Logistikfirma Zeitfracht will das Unternehmen zusammen mit der Wartungsfirma Nayak kaufen. Rund 300 Mitarbeiter werden übernommen, für weitere 550 soll es eine Auffanggesellschaft geben. Aussicht auf einen Betriebsübergang aller Mitarbeiter, für den sich auch die Gewerkschaft Verdi eingesetzt hatte, werde es aber nicht geben, stellte Kebekus klar: „Ich glaube, nicht.“

Man müsse das Engagement der Lufthansa respektieren, sagte er - auch wenn viele Beschäftigte davon nicht erfasst werden: „Allein durch die Übernahme von Niki und LGW werden über 1700 Arbeitsplätze gesichert, da gibt es auch keine Änderungen oder Reduzierungen oder Ähnliches. Daneben gibt es weitere 1300 - dafür muss man sich bewerben. Also reden wir schon mal über 3000.“

Air Berlin: News vom 26. Oktober 2017

+++ Das Air-Berlin-Aus dürfte in den kommenden Monaten zu Lücken in den Flugplänen führen. Flugausfälle und Verspätungen sind möglich, zum Beispiel bei der Lufthansa-Tochter Eurowings. Doch Passagiere haben Rechte. Nach der EU-Fluggastrechteverordnung stehen ihnen je nach Flugstrecke 250, 400 oder 600 Euro zu, wenn ihr Flug kurzfristig gestrichen wird oder sich stark verspätet. Deutliche Änderungen der Flugzeit kommen in vielen Fällen rechtlich einer Annullierung gleich. Entschädigungsanspruch haben auch Passagiere, die gegen ihren Willen nicht befördert werden.

+++ Es gibt aber Einschränkungen: Nicht zahlen muss die Airline, wenn sie größere Änderungen bei den Flugzeiten mindestens 14 Tage im Voraus angekündigt hat. Es kommt hier darauf an, wann die Fluggesellschaft den Passagier über den Ausfall informiert. Darüber hinaus entfällt der Anspruch auf Ausgleichszahlungen auch, wenn außergewöhnliche Umstände zu einem Flugausfall führen, zum Beispiel ein starkes Unwetter.

+++ Bei einer Annullierung oder Nichtbeförderung muss die Airline grundsätzlich eine Ersatzbeförderung anbieten oder die Kosten für das Flugticket erstatten. Das gilt in jedem Fall.

Air Berlin: News vom 24. Oktober 2017

Flugreisende müssen sich angesichts des Endes von Air Berlin nach Einschätzung der Lufthansa auf Engpässe an manchen Strecken einstellen. Der Konzern wolle Flexibilität vor allem für Geschäftsreisende wiederherstellen, sagte Vorstand Harry Hohmeister der „Berliner Morgenpost“. „Ich kann aber nicht ausschließen, dass es in Stoßzeiten dennoch manchmal knapp wird und einige Kunden dann nicht um 8 Uhr fliegen können, sondern erst um 10 oder 11 Uhr.“

Die Lufthansa will nun etwa zwischen Frankfurt und Berlin vorübergehend eine größere Boeing 747-400 einsetzen. „Das ist natürlich betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll“, sagte Hohmeister. Aber es sei notwendig, um der Nachfrage gerecht zu werden. Man habe nicht sofort beliebig viele Flugzeuge, Crews und Slots verfügbar, daher setze dir Airline vorübergehend die größten verfügbaren Flugzeuge ein. Die Sorge vor Fluglärm könne er verstehen, es gebe nur keine Alternative, sagte er. Auf die Frage, ob es deutlich lauter werde, sagte er: „Nein, das sicher nicht.“

Es werde Zeiten geben, zu denen nur 60 oder 70 Prozent der Nachfrage gedeckt seien, erklärte Hohmeister. „Aber wir reden dabei nicht von Tausenden Plätzen, die fehlen. Es sind vielleicht 50 bis 60 Passagiere pro Stunde, denen wir einen anderen Flug anbieten.“ Über den Tag gesehen reichten die Kapazitäten. Die Lufthansa will einen großen Teil von Air Berlin übernehmen, eine Kartellprüfung steht noch aus.

Gewerkschaft: Zeit für Air-Berlin-Mitarbeiter wird knapper

Tausende Beschäftigte der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin müssen weiter auf eine Auffanggesellschaft warten. Die Gewerkschaft Verdi forderte am Montag mehrere Bundesländer, den Bund und auch die Unternehmen auf, sich finanziell zu beteiligen. „Jetzt wird die Zeit immer knapper, der Druck immer größer“, teilte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle mit. Die Beschäftigten verdienten es, dass für sie soziale Verantwortung übernommen werde.

Eine Transfergesellschaft soll Air-Berlin-Beschäftigten den Übergang in neue Jobs erleichtern. Bis zu 4500 Menschen könnten laut der Fluggesellschaft so unterkommen. Gibt es keine Einigung, droht den Mitarbeitern nach Angaben des Generalbevollmächtigten des Unternehmens, Frank Kebekus, die Entlassung.

Vertreter von Berlin, Nordrhein-Westfalen und dem Bund trafen sich am Montagnachmittag zu Beratungen über eine Transfergesellschaft. Es handle sich um ein informelles Treffen auf Arbeitsebene, bestätigte Berlins Senatssprecherin Claudia Sünder auf Anfrage. Ergebnisse wurden am Abend zunächst nicht bekannt. Berlin und Nordrhein-Westfalen hatten bereits vorab Unterstützung signalisiert.

Die Länder fordern ein Engagement vom Bund; die Bundesregierung wiederum sieht auch die Lufthansa in der Pflicht, die große Teile von Air Berlin übernehmen will. Lufthansa lehnt dies ab. „Wir investieren bereits 1,5 Milliarden Euro, um 3000 Arbeitsplätze dauerhaft in Deutschland zu erhalten“, twitterte der Chef der Lufthansa-Tochter Eurowings, Thorsten Dirks. „Es ist Zeit, dass sich jetzt auch andere an der Sicherung von Arbeitsplätzen beteiligen.“

In einer Auffanggesellschaft werden Mitarbeiter vorübergehend freiwillig angestellt, um sich zu qualifizieren und neu zu bewerben. Sie bekommen dort nicht ihr volles Gehalt, sondern in der Regel etwa 80 Prozent, wie Christoph Niering vom Verband Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) erklärte. Das sei am Ende Verhandlungssache, ebenso die Laufzeit. Oft sei dafür etwa ein halbes Jahr vorgesehen.

Ein Vorteil der Transfergesellschaft sei, dass man in dieser Zeit noch nicht arbeitslos gemeldet sei. Die Zeit gehe also noch nicht vom Konto für das spätere Arbeitslosengeld ab. Zudem sei der Personalschlüssel in der Betreuung oft besser als bei der Arbeitsagentur, sagte Niering. Laut VID finanzieren in der Regel die insolventen Unternehmen, die so Lohnkosten sparen, und die Bundesagentur für Arbeit solche Gesellschaften.

Air Berlin schätzt den finanziellen Bedarf für eine Transfergesellschaft auf etwa 50 Millionen Euro, der Konzern selbst könnte sich nach Angaben eines Sprechers mit bis zu 10 Millionen Euro beteiligen. Die Air-Berlin-Länder Berlin und Nordrhein-Westfalen hatten in dem Fall aber ebenfalls Unterstützung signalisiert. Unter den Mitarbeitern, die neue Jobs suchen, sind neben Piloten auch viele Flugbegleiter und Verwaltungsangestellte. Auch die Deutsche Bahn warb am Montag auf einer Jobmesse um Air-Berlin-Kollegen.

Am Freitag startet der letzte Flug von Air Berlin. Passagiere müssen sich nach Einschätzung der Lufthansa auf Engpässe auf manchen Strecken einstellen. Er könne nicht ausschließen, dass es in Stoßzeiten manchmal knapp werde und einige Kunden erst etwas später fliegen könnten, sagte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister der „Berliner Morgenpost“. Es gehe aber nicht um tausende Plätze, die fehlten. „Es sind vielleicht 50 bis 60 Passagiere pro Stunde, denen wir einen anderen Flug anbieten.“

Unmittelbar vor Ende des Flugbetriebs bei Air Berlin ist das Fliegen in Europa noch einmal deutlich billiger geworden. Grund ist neben dem weiter niedrigen Kerosinpreis der scharfe Wettbewerb zwischen den Billigairlines. Das geht aus dem „Low Cost Monitor“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hervor. Vor allem die irische Ryanair hat ihr Angebot seit Herbst vergangenen Jahres ausgebaut.

Mit dem britischen Billigflieger Easyjet wird seit Wochen über den Verkauf weiterer Teile von Air Berlin verhandelt. Seit Freitag sind auch Gespräche mit anderen Interessenten möglich. An diesem Dienstag kommt der Gläubigerausschuss zusammen. Bei dem Treffen gehe es nun darum, wie gegebenenfalls ein zweiter Investor gewonnen werden könne, sagte ein Air-Berlin-Sprecher am Montag.

Air Berlin: News vom 16. Oktober 2017

Am Montag landete das letzte Langstrecken-Flugzeug von Air Berlin aus den USA in Düsseldorf. Dabei legte der Pilot eine spektakuläre Landung hin. Nach dem Flugmanöver ist der Pilot des Flugzeugs suspendiert worden. Die Besatzung sei derzeit nicht im Flugdienst, teilte Air Berlin mit. Dies sei ein "normaler Prozess" bei der Untersuchung derartiger Vorfälle. Zuvor hatte die ZDF-Sendung "Frontal 21" darüber berichtet.

Wie soll es weitergehen für die Mitarbeiter der Pleite gegangenen Fluggesellschaft Air Berlin? Viele bangen um ihre Zukunft. Bei der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin wollen Mitarbeiter heute bei einer Protestaktion auf ihre Sorgen über ihre berufliche Zukunft aufmerksam machen. Die Gewerkschaft Verdi hat zu einer "aktiven Mittagspause" (bis 13.00 Uhr) am Air-Berlin-Gelände in Berlin-Tegel aufgerufen. Damit soll laut Verdi die Forderung nach Gründung einer Transfergesellschaft für Beschäftigte unterstrichen werden. Es müssten Perspektiven für die Zukunft der Mitarbeiter geschaffen werden. Air Berlin, Lufthansa und weitere Investoren sollten soziale Verantwortung übernehmen und Gelder bereitstellen.

Air Berlin: News vom 15. Oktober 2017

Mit einer "aktiven Mittagspause" am Air-Berlin-Gelände in Berlin-Tegel solle die Forderung nach größtmöglicher Unterstützung für die Beschäftigten in der Zeit der Insolvenz unterstrichen werden, teilte die Gewerkschaft am Sonntag mit. Es müssten Perspektiven für die Zukunft der Mitarbeiter geschaffen werden.

"Dazu gehört unter anderem auch die Forderung nach Gründung einer Transfergesellschaft", teilte Verdi mit. "Hierfür müssen aus Sicht von Verdi und der Air-Berlin-Beschäftigten Air Berlin, Lufthansa und weitere Investoren soziale Verantwortung übernehmen und Gelder zur Verfügung stellen."

Air Berlin: News vom 14. Oktober 2017

"Wir sind in Gesprächen mit Easyjet", sagte ein Sprecher von Air Berlin. Easyjet hatte am Freitagabend bestätigt, Interesse an bis zu 25 Flugzeugen in Berlin-Tegel zu haben. Air Berlin hatte in den vergangenen gut drei Wochen exklusiv mit Lufthansa und Easyjet verhandelt.

Air Berlin: News vom 13. Oktober 2017

Wie die Airline bekanntgegeben hat, ist der letzte Flug unter Air-Berlin-Logo ausgebucht. Die Route führt am 27. Oktober von München nach Berlin.

Nach Aussage von Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr können 3000 der rund 8000 Air-Berlin-Beschäftigten zu dem Konzern wechseln. Bei einer internen Jobmesse in der Air-Berlin-Zentrale will die Lufthansa-Tochter Eurowings an diesem Freitag offene Stellen anbieten.

Auf Gewerkschaftsseite wurde dennoch Kritik an Lufthansa laut. Mit dem Kauf der Air-Berlin-Tochterfirmen Niki und LG Walter garantiere die Lufthansa bisher nur für rund 1450 Beschäftigte einen Arbeitsplatz, stellte die Gewerkschaft Verdi fest. Die übrigen Mitarbeiter müssten sich bei Eurowings neu bewerben. "Dies ist beim Verkauf von Unternehmensteilen ungewöhnlich und auch rechtlich umstritten", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle.

Der letzte Flug von Air Berlin wird am 27. Oktober von München nach Berlin gehen. Das teilte eine Unternehmenssprecherin am Donnerstag auf Anfrage mit. Die Maschine mit der Flugnummer AB6210 startet planmäßig um 21.35 Uhr in München und ist zur Ankunft in Berlin-Tegel um 22.45 Uhr vorgesehen. Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet und stellt den Flugbetrieb nun ein.

Air Berlin: News vom 12. Oktober 2017

Jetzt ist es offiziell: Lufthansa übernimmt große Teile der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin - eine gewaltige Umwälzung auf dem deutschen Flugmarkt. Air Berlin wird voraussichtlich ab Ende Oktober nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen. Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit. Auf der Kurzstrecke verfallen laut eines Konzernsprechers von Air Berlin rund 100 000 Flugtickets.

Die Air-Berlin-Tochter Niki soll wohl ebenfalls von Lufthansa übernommen werden. Die Fluggesellschaft ist nicht insolvent, der Flugverkehr soll weitergeführt werden. Für Urlauber ändert sich erst einmal nichts. Wann und wie die Niki-Flüge mittel- bis langfristig in Eurowings-Flüge überführt werden und zu welchen Konditionen, ist noch unklar. Niki wickelt auch die beliebten Mallorca-Flüge ab.

Die Lufthansa will 81 Flugzeuge und die damit verbundenen Start- und Landerechte übernehmen, mehr als die Hälfte der insolventen Air Berlin. Diese soll in die Billigtochter Eurowings integriert werden. Ein stabiler Flugbetrieb sei aber erst in sechs bis neun Monaten zu erwarten, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Die EU-Kommission muss außerdem prüfen, ob das Geschäft wettbewerbsrechtlich in Ordnung ist, dafür hat sie 25 Arbeitstage Zeit. Bei Bedenken kann sie vertieft prüfen, mit weiteren 90 Tagen. So lang liegt das Geschäft auf Eis.

Neben Lufthansa stoßen auch andere Airlines in die Lücken, die Air Berlin hinterlässt. Eurowings und Condor etwa weiten ihr Flugangebot ab Düsseldorf zu den Urlaubszielen in der Karibik aus.

Aus Sicht Spohrs wird das Air-Berlin-Aus die Ticketpreise nicht nach oben treiben. Wegen des Wettbewerbs in Europa und weltweit gehe Lufthansa von weiter sinkenden Preisen aus, hatte er der "Rheinischen Post" am Donnerstag gesagt. Ob dies so kommen wird, muss sich zeigen. Die europäischen Kartellbehörden untersuchen den Deal, weil eingeschränkter Wettbewerb tendenziell zu höheren Preisen führt.

Dazu, ob sich Air-Berlin-Tickets übertragen lassen, gab es von Lufthansa am Donnerstag noch keine Informationen. Denkbar wäre theoretisch die Umwandlung von Air-Berlin-Tickets in Gutscheine für die neuen Eurowings-Flüge.

Weitere Infos zur Air-Berlin-Übernahme durch Lufthansa gibt es auf merkur.de.

Die insolvente Air Berlin hat sich anders als mit der Lufthansa mit der britischen Fluggellschaft Easyjet noch nicht über einen Verkauf geeinigt.

„Wir verhandeln heute mit Easyjet weiter“, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Nach früheren Aussagen der Air Berlin interessiert sich Easyjet für 27 bis 30 Mittelstreckenflugzeuge. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach am Donnerstag von 20 bis 30 Flugzeugen, die Easyjet in Berlin und Düsseldorf stationiert wolle.

Air Berlin hatte in den vergangenen drei Wochen exklusiv mit Lufthansa und Easyjet verhandelt. Lufthansa übernimmt große Teile der Air Berlin. Ob die Berliner nun auch den Kaufinteressenten Condor an den Tisch holen, blieb am Donnerstag zunächst offen.

Während der Übernahme großer Teile der Air Berlin wird die Lufthansa im Betrieb noch mindestens ein halbes Jahr improvisieren müssen. „Wir werden das irgendwie hinbekommen“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag in Berlin. Das werde aber nicht ohne „Ruckeleien“ gehen. Man habe Piloten aus dem Urlaub zurück geholt und fliege innerhalb Deutschlands auch mit Jumbo-Jets, um alle Passagiere aufnehmen zu können. Tausende Mitarbeiter müssten eingestellt werden, zugleich sei der Übergang der Air-Berlin-Flugzeuge beim Luftfahrbundesamt aufwendig. Ein stabiler Betrieb sei in sechs bis neun Monaten zu erwarten.

Die Lufthansa übernimmt große Teile der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. Beide Unternehmen unterzeichnen am Donnerstag einen entsprechenden Kaufvertrag, wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag in Berlin ankündigte. Für 12.00 Uhr sei der Notartermin geplant. „In der Tat ist das heute ein großer Tag, den wir in ein paar Stunden mit der Unterschrift besiegeln“, sagte Spohr.

Air Berlin - die nach Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie - hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb seitdem war nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert.

Die Geschäftsführung hatte drei Wochen lang exklusiv mit dem deutschen Marktführer Lufthansa sowie mit dem britischen Billigflieger Easyjet über den Verkauf von Teilen des hoch verschuldeten Unternehmens verhandelt. Fraglich war zuletzt, ob auch eine Einigung mit Easyjet gelingt.

Spohr hatte der „Rheinischen Post“ (Donnerstag) gesagt, Lufthansa werde von Air Berlin „voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen, 3000 Mitarbeiter einstellen und dafür in Summe 1,5 Milliarden Euro investieren“. Er bekräftigte damit Pläne des Unternehmens.

Air Berlin hatte mitgeteilt, die Airline sehe gute Chancen, dass etwa 80 Prozent der 8000 Mitarbeiter bei anderen Unternehmen einen neuen Arbeitsplatz erhalten könnten.

Aus Sicht Spohrs wird das Aus für Air Berlin und andere Anbieter die Ticketpreise nicht nach oben treiben. „Denn der Wettbewerb wird sich in Europa und auch weltweit verschärfen“, sagte er der Zeitung. „Wir gehen von weiter sinkenden Preisen aus.“ Im Konzern werde man sich mit der Tochter Eurowings selbst Konkurrenz machen. „Da wo es bisher nur Lufthansa und Air Berlin gab, wie beispielsweise zwischen München und Köln, kommen nun Eurowings-Flüge als Ersatz für Air Berlin hinzu.“

Spohr kündigte zugleich ein Angebot an, „um im Ausland gestrandeten Passagieren der Air Berlin die Heimreise zu einem fairen Preis anzubieten, sofern wir die Kapazitäten dafür haben“. Aus Lufthansa-Kreisen hieß es dazu, es sei schwer zu schätzen, um wie viele Passagiere es dabei gehe. Seit 25. September ist bekannt, dass Air Berlin alle Langstreckenflüge am 15. Oktober einstellt.

Generell wird Air Berlin voraussichtlich ab Ende Oktober nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen, wie es in einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter vom Montag hieß. Der insolventen Gesellschaft sei ein eigenwirtschaftlicher Verkehr unter dem Airline-Code AB „nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich“. Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit. Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter Niki und LG Walter soll weitergeführt werden.

So reagiert das Netz auf die mögliche Air-Berlin-Übernahme durch Lufthansa

Auch im Netz wird fleißig über die Insolvenz der deutschen Airline und die mögliche Übernahme durch den Konzern Lufthansa diskutiert.

Die lustigsten und kritischsten Tweets im Überblick - dabei nehmen viele User nehmen die geplante Übernahme mit Humor:

Andere User stehen der geplanten Übernahme kritischer gegenüber:

Und manch einer reagiert richtig sauer über den Deal zwischen Lufthansa und Air Berlin:

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Air Berlin im Überblick:

Wie lange werden die Flugzeuge von Air Berlin noch fliegen?

Ende Oktober ist voraussichtlich Schluss. Dann wird Air Berlin nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen. Der insolventen Gesellschaft sei ein eigenwirtschaftlicher Verkehr unter dem Airline-Code AB "nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich", hieß es zu Wochenbeginn in einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter.

Was bedeutet das für Kunden, die ein Air-Berlin-Ticket für die Zeit nach dem 28. Oktober gebucht haben?

Selbst wenn einzelne Flüge von einer Nachfolgegesellschaft übernommen werden sollten: Tickets für Air-Berlin-Flüge nach dem 28. Oktober verlieren ihre Gültigkeit. "Diese Tickets verfallen", erklärte ein Firmensprecher.

Bekommen Kunden, die ein Ticket für die Zeit nach dem 28. Oktober gebucht haben, den Kaufpreis zurückerstattet?

Das hängt vom Datum der Buchung ab. Ist das Ticket nach dem 15. August gekauft worden, können Kunden aufatmen: Das Geld ist nicht weg. Kunden können auf eine Rückzahlung vom eigens für diese Fälle angelegten Treuhand-Konto rechnen, verspricht Air Berlin.

Was passiert, wenn das Ticket vor dem 15. August gebucht wurde?

Dann wird es für Kunden eng: "Wenn die Buchung vor dem 15. August 2017 getätigt wurde, ist keine Erstattung möglich", heißt es bei Air Berlin. Auch bestünden dann keinerlei Ansprüche auf Schadenersatz oder Kompensation.

Auch interessant: So reagierte das Air-Berlin-Personal auf die Insolvenz ihres Arbeitgebers.

Gibt es dennoch ein Hintertürchen, um doch noch an sein Geld zu kommen?

Adrian Kreller vom Fluggast-Entschädigungs-Portal AirHelp weist darauf hin, dass die Möglichkeit einer Rückzahlung des Kaufpreises in einem bestimmten Fall besteht: Und zwar dann, wenn Kunden bei Air Berlin gebucht und mit Kreditkarte bezahlt haben. "Denn dann besteht die Möglichkeit, belastete Beträge im Konkursfall wieder gutzuschreiben", erklärt Kreller. Dazu müsse der jeweiligen Kreditkartenfirma ein Dokument zugeschickt werden, das die erfolglose Geldforderung bei der Fluggesellschaft bescheinigt.

Was gilt für Passagiere, die vor dem 15. August gebucht haben und nicht mit Kreditkarte bezahlt haben?

Betroffene Passagiere könnten ihre Forderung nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens "zur Insolvenztabelle anmelden", heißt es bei Air Berlin. Die Verbraucherzentralen machen aber wenig Hoffnung: "Gezahlte Flugpreise gehören zur Insolvenzmasse, sodass hier Rückzahlungen – wenn überhaupt – erst im langwierigen Insolvenzverfahren zu erwarten sind."

Kunden einer Fluggesellschaft rangierten in der Regel weit hinten in der Kette der Gläubiger wie Banken oder Arbeitnehmer, deren Forderungen aus der Insolvenzmasse zunächst bedient werden. Wie viele Flüge vor dem 15. August gebucht wurden und jetzt verfallen, konnte Air Berlin auf Anfrage nicht mitteilen.

Sind Fluggesellschaften laut EU-Recht nicht ohnehin zu Entschädigungen verpflichtet?

Bei den Verbraucherzentralen heißt es: "Wen eine Fluggesellschaft nicht an sein Ziel bringt, der hat nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung Ansprüche auf Entschädigung." Dies gelte bei Verspätung, Annullierung oder Nichtbeförderung. Bei einer Insolvenz der Airline müssten diese Ansprüche aber beim Insolvenzverwalter angemeldet werden.

Was ist mit Kunden, die nach dem 15. August gebucht haben und mit einer Erstattung des Kaufpreises rechnen?

Neben der Erstattung können diese Fluggäste zusätzlich mit einer Entschädigung rechnen – zumindest theoretisch: Die Fluggesellschaft sei zu Schadenersatz verpflichtet, erklären die Verbraucherschützer. Dies könnten beispielsweise Mehrkosten für einen Ersatzflug sein, heißt es.

Die Verbraucherzentralen schränken aber ein: "Ob die massenhafte Krankmeldung von Personal der Fluggesellschaft ein außergewöhnlicher Umstand ist, der von der Pflicht zur Zahlung von Ausgleichsleistungen befreit, ist umstritten." Die Frage sei dem Europäischen Gerichtshof zur Vorabentscheidung vorgelegt worden.

Inwieweit sind Kunden der Air-Berlin-Tochter Niki von der Insolvenz betroffen?

Niki ist als eigenständige GmbH nicht insolvent. Der Flugverkehr von Niki werde weitergeführt, bekräftigt Air Berlin immer wieder. Niki-Kunden sind damit von der Insolvenz nicht betroffen.

Können Air-Berlin-Tickets auf andere Fluggesellschaften umgebucht werden?

Nein. Laut Air Berlin ist das nicht möglich.

Können die Tickets auf andere Air-Berlin-Flüge umgebucht werden?

"Die bei Ticketausstellung gültigen Tarifkonditionen gelten bei Umbuchungen weiterhin", heißt es bei Air Berlin. Ausgestellte Air-Berlin-Tickets könnten auf Basis der gültigen Tarifkonditionen umgebucht werden, sofern diese eine Umbuchung vorsehen. "Falls dabei Gebühren fällig werden, müssen diese vom Kunden getragen werden."

Was passiert mit gesammelten Flugmeilen?

Vielflieger können bei Air Berlin keine Bonusmeilen mehr sammeln. Auch alte Meilen lassen sich bei der Airline nicht mehr einlösen.

Was müssen Kunden jetzt tun, deren Flug gestrichen wird?

Air Berlin verspricht, alle Passagiere über den Stand ihrer Buchung zu informieren. "Dies erfolgt entweder per Stornobestätigung oder mit der Umbuchungsbestätigung." Die Passagiere der betroffenen Flüge würden soweit möglich auf andere Flüge umgebucht. "Ob umgebucht werden kann, richtet sich nach Verfügbarkeit von Alternativen", heißt es bei Air Berlin.

Für Kunden ist Air Berlin unter 0180/ 6 334 334 zu erreichen. Die Leitung ist täglich von 6 bis 22 Uhr freigeschaltet. Ein Anruf kostet 20 Cent aus dem deutschen Festnetz und maximal 60 Cent aus dem deutschen Mobilfunknetz.

Was gilt für Pauschalreisende, die mit Air Berlin fliegen wollten und bereits ein Ticket haben?

Pauschalreisende können aufatmen: "Der Reiseveranstalter, bei dem die Reise gebucht wurde, muss für Ersatz sorgen, wenn der Ferienflieger gar nicht oder verspätet abhebt", informieren die Verbraucherzentralen. Ansprüche auf Entschädigung nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung wegen Verspätung, Annullierung und Nichtbeförderung müssten aber auch Pauschalreisende ausschließlich bei Air Berlin beziehungsweise beim Insolvenzverwalter anmelden.

Passend zum Thema: Welche Folgen hat die Air-Berlin-Pleite für Pauschalreisen?

Behalten Fluggutscheine, sogenannte Voucher, ihre Gültigkeit?

Nein. "Gutscheine können nicht mehr eingelöst werden", schränkt Air Berlin ein. Eine Nutzung noch nicht eingelöster Gutscheine sei "insolvenzrechtlich ausgeschlossen“. Auch sei es nicht möglich, sich den Gutschein auszahlen zu lassen. Für betroffene Gutscheininhaber bestehe die Möglichkeit, die Forderung aus dem Gutschein nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens "zur Insolvenztabelle anzumelden". "Gebuchte Tickets unter Einlösung eines Voucher behalten ihre Gültigkeit."

Wie funktioniert eigentlich das "Anmelden zur Insolvenztabelle"?

Das ist unklar. Über das förmliche Verfahren will Air Berlin ihre Kunden gesondert informieren.

Was geschieht mit den Kundendaten nach einer Insolvenz?

Das ist in Deutschland nicht eindeutig geregelt. Die Verbraucherzentralen vertreten beispielsweise die Ansicht, dass ein Verkauf an Dritte nicht durch das Bundesdatenschutzgesetz gedeckt ist. Ihrer Auffassung nach muss der Insolvenzverwalter dafür sorgen, dass Kundendaten nach Abwicklung aller Vertragsbeziehungen gelöscht werden. Ob das bei Air Berlin geschieht, ist aber unklar. Das Unternehmen selbst wollte sich dazu nicht äußern.

Was hat es mit Internet-Portalen wie AirHelp oder Flightright auf sich, die um betroffene Air-Berlin-Kunden buhlen?

AirHelp und Flightright sind Internet-Portale, die Reisenden helfen wollen, ihre Fluggastrechte geltend zu machen und Entschädigungsansprüche durchzusetzen. Im Gegenzug kassieren die Unternehmen einen Anteil an der Entschädigung als Gebühr. Gelingt es nicht, Ansprüche bei der Fluggesellschaft durchzusetzen, werden aber keine Gebühren fällig, versprechen die Portale.

Welche Folgen wird die Air-Berlin-Pleite für alle anderen Fluggäste haben?

Eine Folge der Air-Berlin-Pleite könnten steigende Preise auf Strecken sein, auf denen künftig beispielsweise nur noch die Lufthansa als alleiniger Anbieter fliegt. Eine Auswertung des Portals Vergleich.org hat ergeben, dass solche Monopolflüge im Schnitt 9,2 Prozent teurer sind als Flüge auf Strecken, die von zwei unterschiedlichen Airlines geflogen werden.

Erhalten Sie hier weitere Informationen zur Insolvenz von Air Berlin und was Sie tun können.

Auch interessant: Hilferuf von Air-Berlin-Crew - Spenden sammeln für Manager der Airline.

Sebastian Hölzle / Simona Asam / dpa / Video: Glomex

13 Dinge, die Sie auf Reisen mit dem Flugzeug beachten sollten

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