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Investor kauft Teil einer paradiesischen Insel – und sperrt dann Einheimische aus

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Von: Franziska Kaindl

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Die Whitsunday Islands in Australien sind ein paradiesischen Urlaubsziel.
Die Whitsunday Islands in Australien sind ein paradiesischen Urlaubsziel. © imago images / Ardea

Ein chinesischer Investor hat sich Teile einer paradiesischen Insel einverleibt. Nun ist den Einheimischen der Zutritt zu vielen einst öffentlichen Plätzen verboten.

Keswick Island gehört zu den südlichen Whitsunday Islands und befindet sich ungefähr 32 Kilometer nordöstlich von Mackay, einer Stadt im australischen Bundesstaat Queensland. 2019 wurde ein Teil der paradiesischen Insel* von dem chinesischen Bauunternehmer „China Bloom“ für 20 Millionen Australische Dollar (12,4 Millionen Euro) gepachtet – und zwar für die nächsten 96 Jahre. Seither haben die Einheimischen mit vielen Einschränkungen zu leben.

Keswick Island bei Australien: Einheimischen wird Zutritt zu Nationalpark und Strand verwehrt

An zahlreichen Orten auf der Insel sollen nun Schilder stehen, die den Zutritt zu einst öffentlichen Plätzen verbieten. Darunter befinden sich unter anderem der 530 Hektar große Nationalpark der Insel sowie der Traumstrand Basil Bay. Manche Zugänge sollen gar mit riesigen Felsbrocken versperrt worden sein.

Auch die Landebahn für Flugzeuge sei nicht mehr zugänglich, was nach Meinung der Einheimischen wohl die schlimmste Einschränkung ist. Wer nun auf die Insel kommen möchte, muss dies per Boot tun, doch selbst der Anlegeplatz, der vom vorherigen Pächter angelegt wurde, wurde entfernt. Stattdessen müssten Einheimische nun einen „viel gefährlicheren“ Weg über einen Steg nehmen, der vom Verpächter Greaton Holdings neu gebaut wurde.

„Ich bin fassungslos, dass so etwas in Australien passiert“, erklärte Julie Willis dem australischen Nachrichtenportal news.au.com. Sechs Jahre lang hatte sie in einer Mietunterkunft auf der Insel gelebt, bevor China Bloom ihr eine Frist von drei Tagen gesetzt hatte, die Insel zu verlassen. „Uns wurde gesagt, dass Langzeitvermietungen nicht erlaubt sind.“ Darum mussten Airbnb-Betreiber alle ihre Buchungen stornieren – selbst die von internationalen Touristen, die eine Woche darauf anreisen wollten.

Einem Ehepaar, das auf der Insel eine Firma betrieb, wurden sieben Tage gegeben, um alle ihre Angelegenheiten zu regeln und von der Insel zu verschwinden. Ein Mann, der mehr als 1.000 Mal von Mackay zur Keswick Island geflogen war, sollte innerhalb von zwölf Stunden sein Flugzeug von der Landebahn entfernen.

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Chinesischer Investor will riesiges Urlaubs-Ressort aufbauen

Der Investor will auf seinem Teil der Insel ein Urlaubs-Ressort aufbauen, dass 3.000 Touristen aufnehmen kann. Für Willis wirkt es so, als seien die Einheimischen, die in dieser Situation die Untermieter darstellen, nicht erwünscht. „Es ist, als ob sie es als Privatinsel für chinesische Touristen haben wollen.“ Alle Versuche ein Gespräch mit China Bloom anzuberaumen, seien bisher gescheitert. Ein Sprecher der Regierung in Queensland erklärte gegenüber news.au.com: „Wir arbeiten mit China Bloom zusammen, um sicherzustellen, dass alle relevanten Aktivitäten mit den Bedingungen des Pachtvertrags übereinstimmen, besonders weil China Bloom die Straßen, Anlegeplätze, Piere und die marine Infrastruktur verbessert.“ Die Einheimischen fühlen sich jedoch von der Regierung alleine gelassen, so Willis. (fk) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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