Verbraucher verunsichert

Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen: Lebensmittel sind meist länger haltbar - Politiker fordern Abschaffung des MHD

Lebensmittel sind oft länger essbar, als es das Mindesthaltbarkeitsdatum angibt. Nun wird diskutiert, wie sinnvoll eine Änderung oder Abschaffung des MHD ist. 

  • Viele Lebensmittel sind auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) noch genießbar.
  • Eine Studie hat nun gezeigt, dass beispielsweise Eier bis zu 112 Tage länger haltbar sind.
  • Die Grünen fordern daher nun eine Abschaffung des MHD, Verbraucherschützer kritisieren das.

Nordrhein-Westfalen - Kann man den Jogurt nun noch essen oder nicht? Immerhin ist er laut Mindesthaltbarkeitsdatum seit einer Woche abgelaufen. Diese Unsicherheit kennt vermutlich jeder. Aus Vorsicht werfen dann viele Menschen das Produkt lieber weg, berichtet RUHR24.de*.

Kennzeichnung:

Mindesthaltbarkeitsdatum

EU-Recht: 

Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (Lebensmittel-Informationsverordnung)

Abkürzung: 

MHD

Festlegung des MHD: 

Ermessen des Herstellers

Produkte ohne MHD-Pflicht:

u.a. Zucker, frische Ware, Kaugummi, Salz

Mindesthaltbarkeitsdatum: Studie zeigt, dass Lebensmittel meist länger haltbar sind

Dadurch landen viele Lebensmittel im Müll, die eigentlich noch haltbar wären. Immer wieder entfacht sich daher eine Diskussion darüber, wie sinnvoll die Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) überhaupt ist.

Ein Langzeittest des Greenpeace Magazins ergab nun, dass viele Lebensmittel meist noch monatelang haltbar und genießbar sind, obwohl das Mindesthaltbarkeitsdatum bereits verstrichen ist.

Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD): Eier und andere Lebensmittel viel länger haltbar

In der Studie, die Greenpeace in Zusammenarbeit mit dem KIN Lebensmittelinstitut Neumünster durchführte, wurden zwölf Lebensmittel auf ihre Haltbarkeit hin untersucht. Das Ergebnis ist erstaunlich: So zeigte die Studie, dass im Kühlschrank gelagerte Eier noch 112 Tage nach Ablauf des MHD völlig in Ordnung waren.

Naturjoghurt, Käse am Stück, Tofu oder Tortellini mit Käse waren sogar noch sogar ein halbes Jahr nach dem Einkauf und monatelang abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum noch einwandfrei. Salami war 85 Tag länger genießbar. Einzig ein Käse in Scheiben zeigte bereits 22 Tage nach Ablauf des MHD eine erhöhte Keimzahl und Schimmel.

Mindesthaltbarkeitsdatum für Lebensmittel zu knapp angesetzt

Die Studie zeigt, dass "das Risiko, solange die Lebensmittel richtig gelagert wurden, für den Verbraucher extrem gering ist, sowohl für die Gesundheit als auch für die Qualität", so Michael Pauli, Geschäftsführer und Chefredakteur vom Greenpeace Magazin

Die Umweltorganisation fordert daher, dass die Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums in der jetzigen Form dringend überarbeitet werden muss. Viele Lebensmittelhersteller wollten vermeiden, dass Verbraucher schlechte Erfahrungen mit ihren Produkten machen und setzen dafür das Mindesthaltbarkeitsdatum eher zu knapp an - das sollte dringend geändert werden, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.

Mindesthaltbarkeitsdatum: Die Grünen fordern Abschaffung für einige Lebensmittel

Die Grünen gehen deshalb noch einen Schritt weiter: Sie fordern in einer heutigen (29. Juni) Anhörung im Bundestags-Ernährungsausschuss unter anderem die Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums für langlebige Produkte wie Nudeln oder Reis auf EU-Ebene. 

Bislang darf jeder Lebensmittelproduzent selbst über das Mindesthaltbarkeitsdatum entscheiden. Die Grünen fordern daher zudem noch eine Standardisierung bei der Angabe des Ablaufdatums. Diese soll dem tatsächlichen Verderb möglichst nahe kommen (mehr Infos aus dem Service-Ressort von RUHR24*).

Mindesthaltbarkeitsdatum: Sinn und Verstand der Verbraucher gefragt

Viele Verbraucher seien durch das Mindesthaltbarkeitsdatum verunsichert. Sie werfen die Lebensmittel - teilweise  ungeöffnet - in den Müll, ohne sich vorab zu vergewissern, ob es möglicherweise doch noch genießbar wäre. Denn was viele nicht wissen: Das Mindesthaltbarkeitsdatum* ist nicht das Verbrauchsdatum oder etwa das Verfallsdatum.

Viele Verbraucher sind verunsichert, wie lange Lebensmittel wirklich haltbar sind. Sie vertrauen daher auf das Mindesthaltbarkeitsdatum. 

Die Grünen wollen deshalb Informationskampagnen in die Wege leiten, um Verbraucher zu sensibilisieren, wie langeLebensmittel tatsächlich haltbar sind. Dieser Forderung schließt sich auch Greenpeace an: "Das Mindesthaltbarkeitsdatum in seiner jetzigen Form ist irreführend, Verbraucher sollten sich mehr auf ihre Sinne und ihren Verstand verlassen", sagt Christiane Huxdorff, Landwirtschafts-Expertin von Greenpeace.

Verbraucherzentrale sieht Änderung beim Mindesthaltbarkeitsdatum kritisch

Der Handel selbst aber auch die Verbraucherschützer zeigt sich skeptisch gegenüber den Forderungen bezüglich der grundlegenden Änderungen am Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW habe die bisherige Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums einen hohen Bekanntheitsgrad und biete somit eine wichtige Orientierung. Eine andere wichtige Orientierung sind Bewertungen im Internet - doch Vorsicht: Es gibt viele Fake-Bewertungen bei Amazon und anderen Anbietern. So Sind sie zu erkennen. 

Allerdings zeigt sie sich offen für eine MHD-Abschaffung bei Salz oder Zucker. Bei anderen Lebensmitteln* müsse man aber aufpassen, so seien Nudeln nicht gleich Nudeln. Nudeln mit Ei haben beispielsweise eine andere Haltbarkeit als Nudeln ohne Ei. Und auch bei Gewürzen, Kaffee oder Tee könne nach einer gewissen Zeit ein Qualitätsverlust eintreten. 

Mindesthaltbarkeitsdatum: Aufklärung statt Abschaffung

Die Verbraucherzentrale lehnen daher eine neue Kennzeichnung zur Haltbarkeit ab. Sie wollen viel eher darauf setzen, in welchen Verbrauchergruppen Informationsbedarf bestehe, um dann mit Aufklärungskampagnen der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken. *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Lisa Bender/RUHR24

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