Urteil der Woche

Kein Unfallversicherungsschutz für Arbeitnehmer auf Umweg

+
Unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung stehe grundsätzlich der direkte Weg von der Arbeitsstätte zur Wohnung. Das stellte das Thüringer Landessozialgericht klar. Foto: Martin Schutt/dpa

Für den Arbeitsweg genießen Arbeitnehmer in der Regel einen Unfallversicherungsschutz. Dieser kann jedoch hinfällig werden, wenn der Versicherte einen Umweg macht. Das zeigt ein Urteil des Thüringer Landessozialgerichts.

Erfurt (dpa/tmn) - Auf dem Weg zur Arbeit sind Arbeitnehmer über die gesetzliche Unfallversicherung geschützt. Allerdings hat dieser Schutz enge Grenzen. Wer von seinem Weg abweicht, verliert den Versicherungsschutz.

Ein Wegeunfall gilt nur dann als Arbeitsunfall, wenn sich der Arbeitnehmer auf direktem Weg zwischen seinem Zuhause und der Arbeit befunden hat, erklärt die Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mit Blick auf eine Entscheidung des Thüringer Landessozialgerichts (Az.: L 1 U 900/17).

Der Fall: Eine Arbeitnehmerin saß in der Regionalbahn auf dem Rückweg von der Arbeit. Die Frau verpasste den Ausstieg an ihrem Heimatbahnhof. An der nächsten Haltestelle verließ sie die Regionalbahn und wollte die Bahngleise überqueren, um den am gegenüberliegenden Bahnsteig bereitstehenden Gegenzug zu erreichen. Dabei wurde sie von einer Rangierlok erfasst und tödlich verletzt. Die Berufsgenossenschaft lehnte die Anerkennung als Arbeitsunfall ab. Hiergegen klagten die Hinterbliebenen.

Das Urteil: Die Klage hatte keinen Erfolg. Unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung stehe grundsätzlich der direkte Weg von der Arbeitsstätte zur Wohnung. Bewegt sich ein Versicherter nicht auf direktem Weg in Richtung seiner Arbeitsstätte oder seiner Wohnung, falle dieser Schutz weg.

Das gelte, sobald der direkte Weg verlassen und der sogenannte Abweg begonnen wurde. Erst wenn sich der Versicherte wieder auf dem direkten Weg befinde und der Abweg beendet sei, lebe der Versicherungsschutz wieder auf.

Das Gericht konnte auch keine Anhaltspunkte dafür feststellen, dass hier das Abweichen vom direkten Weg ausnahmsweise in den Schutz der Wegeunfallversicherung einzubeziehen sei - beispielsweise, wenn der Umweg verkehrsbedingt erforderlich war.

Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.