Kind und Karriere

Was mit Müttern passiert, wenn die Kita kostenlos ist

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Gehen mehr Mütter wieder arbeiten, wenn die Kita kostenlos ist?

Gehen mehr Mütter arbeiten, wenn die Kita kostenlos ist? Mit dieser Frage hat sich eine neue Studie beschäftigt. Das Ergebnis überrascht - in vielerlei Hinsicht.

Für Mütter mit kleinen Kindern stellen sich in den ersten Jahren viele Fragen: Wie lange beantrage ich Elternzeit? Wann soll mein Kind in die Kita? Und: Wann gehe ich wieder arbeiten? 

Kehren mehr Mütter in Beruf zurück, wenn Kita kostenlos ist? 

Für viele Eltern stellen sich die beiden letzten Fragen eigentlich nicht getrennt voneinander, denn viele Kinder sollen dann in eine Krippe oder den Kindergarten gehen, wenn die Mutter wieder in den Beruf zurückkehrt. Das ist oft mit etwa einem Jahr soweit, wenn das Elterngeld sich dem Ende zuneigt, schließlich wollen die - vielerorts horrenden - Kitagebühren auch bezahlt werden. 

Zuhause bleiben, während das Kind in der Kita den Tag verbringt, ist schließlich auch eine Frage des Geldes - sprich: des Familieneinkommens und der Höhe der Kitabgebühren. Nicht wenige Mütter bleiben zuhause, weil sie sonst ausschließlich für den Kitabesuch ihres Kindes arbeiten gehen. Doch was würde eigentlich passieren, wenn die Kita für alle kostenlos wäre - wie es in vielen Gemeinden und teils auch ganzen Bundesländern bereits der Fall ist? Würden dann auch mehr Mütter wieder in den Beruf zurückkehren?

Studie zeigt: Kostenlose Kita hat kaum Effekt auf Erwerbstätigkeit der Mütter

Eine Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) kommt überraschenderweise zu einem anderen Ergebnis. Demnach hätten beitragsfreie Kita- und Kindergartenplätze kaum einen Effekt auf die Erwerbstätigkeit von Müttern generell bzw. auf ihre Anzahl der Wochenarbeitsstunden.

Eher das Gegenteil ist der Fall: Viele Eltern scheinen die wegfallenden Kosten zu nutzen, um die Arbeitszeit der Mütter zu verringern. "Die Familien scheinen an diesem Punkt tatsächlich mehr Zeit mit ihren Kindern wichtiger zu finden als mehr Geld", erklärt Wirtschaftsprofessorin Christina Gathmann gegenüber der Wirtschaftswoche

"Das Ziel, durch die Bereitstellung beitragsfreier Betreuungsplätze die Erwerbstätigkeit und damit die ökonomische Eigenständigkeit von Frauen, vor allem von Alleinerziehenden, zu erhöhen, werde jedenfalls durch diese Politik nicht erreicht", so das Fazit der Studie. 

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Kostenlose Betreuung - mehr Kinder gehen in Kita

Doch ein anderer Effekt lässt sich auf jeden Fall feststellen: Die Einführung von kostenlosen Kita- und Kindergartenplätzen habe die Besuchsrate der zwei- bis dreijährigen Kinder um acht Prozent erhöht. Gerade einkommensschwache Familien lassen ihre Kinder öfter außer Haus betreuen, wenn dies kostenlos sei.

"Diese Entwicklung ist positiv zu bewerten, da Kinder aus ärmeren Bevölkerungsschichten in einem qualitativ hochwertigen Betreuungsangebot besser ihre Fähigkeiten und Kompetenzen entwickeln können", erklärt Gathmann im Rahmen der Studie. Und davon würden gerade Mädchen besonders profitieren.

Das kostenlose letzte Kindergartenjahr vor der Einschulung habe dagegen keinen Effekt auf die Berufstätigkeit von Müttern gehabt - schließlich gingen schon vorher 95 Prozent aller Fünf- bis Sechsjährigen in den Kindergarten. Eine Steigerung sei da kaum zu erwarten, so die Wissenschaftler.

Was bedeutet das Ergebnis der Studie für Eltern?

Müssen Familien nach diesem Ergebnis nun fürchten, dass sie keine Beführworter mehr für eine größere Zahl an (kostenlosen) Kita-Plätzen finden? "Die Gefahr sehe ich nicht", meint Gathmann weiter. "Das Phänomen in Deutschland ist ja, dass die Erwerbstätigkeitsquote hoch ist, nur eben bei gleichzeitig hoher Teilzeitquote."

Das könne ihrer Ansicht nach auch daran liegen, dass es in Deutschland vielerorts zu wenige Hort- und Ganztagsschulenplätze gäbe - oder vielleicht auch schlicht an der besseren Work-Life-Balance: "Die Leute wollen es einfach so und ziehen mehr Zeit für die Familie einem höheren Haushaltseinkommen vor." 

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Von Andrea Stettner

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