Selbstverteidigung, Fitness, Selbstbewusstsein:

Kampfsport kann einfach mehr

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Kampfsport ist vielseitiger, als es für Außenstehende den Anschein haben mag: Er trainiert Körper und Geist gleichermaßen und sorgt so für bessere Fitness, mehr Selbstbewusstsein und mehr Entspannung – bis ins hohe Alter.

Das Thema körperliche Fitness ist inzwischen ein Dauerbrenner und die dahinterstehende Branche ein durchaus lukrativer Wachstumsmarkt.

Wünsche nach einer individuell besseren Verfassung können mittlerweile auf unüberschaubar vielfältige Weise erfüllt werden. Moderne Gerätschaften in den Fitnessstudios und High-Tech-Gimmicks für den täglichen Bedarf sollen zu mehr Kraft, Ausdauer und im besten Fall zu einem insgesamt besseren Körper verhelfen. Tatsächlich gibt es aber auch andere Möglichkeiten, die eine lange Tradition in der Stählung von Körper und Geist vorweisen können – Kampfsportarten trainieren nämlich wesentlich mehr als nur die Muskeln.

Mehr als Zuschlagen

Der Begriff Kampfsport klingt für Außenstehende sicher ein wenig martialisch und die Veranstaltungen von Vollkontaktablegern wie den Mixed-Martial-Arts ziehen natürlich ihren Reiz gerade aus der kompromisslosen Konfrontation. Sie sind allerdings auch nicht zwingend stellvertretend zu nennen für die umfangreiche Liste verschiedenster anderer Kampfsportarten. Im Normalfall hat die Ausübung nämlich nichts mit solch heftigen Kämpfen oder den Inszenierungen in Action-Filmen gemein. An erster Stelle steht zumeist der Aspekt der Selbstverteidigung und inzwischen sind Judo, Karate, Taekwondo und andere seit Jahrzehnten fest als Breitensportarten etabliert. 

Dabei gilt es, zwei grundlegende Ausrichtungen zu unterscheiden, obwohl der alltägliche Sprachgebrauch das zumeist nicht tut: Als Kampfsport im eigentlichen Sinne ist nämlich die Ausübung auf Wettbewerbsebene zu verstehen, bei denen der Wettkampf unter Einhaltung der Regeln eins gegen eins ausgetragen wird. Im Gegensatz dazu liegt in der Kampfkunst der Schwerpunkt vornehmlich auf der Selbstverteidigung. Gemeinsam ist beiden jedoch die grundsätzliche Einstellung, dass niemand durch die Anwendung der Kampftechniken absichtlich verletzt werden soll.

Mehr Fitness

Ebenfalls unabhängig von der jeweiligen Ausrichtung ist die Stärkung von Körper und Geist, die immer als Grundlage dient – und den Kampfsport daher für Fitness-Interessierte so attraktiv macht. Denn vor allem die klassischen, aus Fernost stammenden Kampfsportarten beruhen auf einer ganzheitlichen Philosophie. Das bezieht sich auch auf den Körper als Ganzes, so dass verschiedene Aspekte trainiert werden, von der Ausdauer über die Beweglichkeit bis zur Kraft. 

Insofern ist Kampfsport bestens geeignet, den Körper je nach Grundverfassung in Form zu bringen oder in Form zu halten. Alleine die Notwendigkeit eines ausgedehnten Aufwärmprogramms, das Verletzungen im Zuge der Belastungen durch Tritte, Schläge oder Würfe verhindern soll, sorgt für eine Anregung des Herz-Kreislauf-Systems. Die eigentlichen Kampfsporttechniken nehmen den Körper allerdings nicht, wie eine Ausdauersportart beispielsweise, gleichmäßig in Anspruch. 

Dementsprechend ist es zwar möglich, auch die Fettverbrennung zu fördern, allerdings muss der Trainingsaufwand dahingehend ausgerichtet sein – zwei Trainingseinheiten pro Woche werden in dieser Hinsicht keinen nennenswerten Erfolg bringen. Eine sinnvolle Ergänzung und Abwechslung sind deshalb die üblichen Verdächtigen, also Joggen, Schwimmen oder Radfahren.

Mehr Selbstvertrauen und mehr Entspannung

Abgesehen von den Auswirkungen auf den Körper beeinflusst der ganzheitliche Ansatz von Kampfsportklassikern wie Karate ebenfalls die Entwicklung der Persönlichkeit – und zwar auf unterschiedlichen Ebenen. Das Selbstverteidigungstraining stärkt beispielsweise Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Durch die Fähigkeit, sich zu verteidigen und Grenzen zu setzen, und das selbstsichere Auftreten reduziert sich die Anfälligkeit gegenüber alltäglichen Mobbingübergriffen in der Schule oder im Beruf, egal ob psychisch oder physisch.

Tritt eine derartige Konfliktsituation doch auf, hilft eine Kampfkunstschulung im Übrigen sogar dabei, weitere Gewalt zu vermeiden: Das Zuschlagen ist wirklich nur die allerletzte Option, ansonsten bleibt es auf die Trainingshalle beschränkt. Die ist überhaupt der richtige Ort für den Abbau von Aggressionen, allerdings unter ganz klaren Voraussetzungen: Kampfsport fördert nämlich keineswegs sinnfreie Prügeleien, sondern setzt auf Disziplin, einen respektvollen Umgang mit den Mitmenschen und die sozialen Fähigkeiten. Insgesamt sorgt das Training so für ein wesentlich entspannteres Auftreten.

Mehr als nur junge Menschen

Es wäre übrigens eine Fehleinschätzung, Kampfsport als trendiges Ganz-Körper-Workout für die jüngeren Generationen abzutun. Denn tatsächlich ist das Gegenteil der Fall und die positiven körperlichen Effekte lassen sich bis in ein hohes Alter nutzen. Vor allem das Cardio-Training und die Dehnübungen ermöglichen auch Senioren, dem altersbedingten Verlust von Kondition und Beweglichkeit entgegenzuwirken. Darüber hinaus ist auch älteren Menschen der Faktor Sicherheit im Alltagsleben wichtig – vielleicht sogar wichtiger als vielen jungen Leuten –, so dass Selbstverteidigung für Senioren unbedingt Sinn macht.

Natürlich müssen nicht mehr notwendigerweise Karate oder Kung Fu auf dem Trainingsplan stehen. Gerade wenn der reine Bewegungsaspekt im Vordergrund steht, bieten sich sanftere Kampfsportarten wie etwa Tai Chi an. Andererseits, wenn das Training mit ausreichender Ernsthaftigkeit und Regelmäßigkeit betrieben wird, spricht selbstverständlich überhaupt nichts dagegen, auch weit jenseits der 70 noch richtig ‚anzugreifen‘. In dieser Hinsicht ist es vielleicht auch für manchen Jüngeren am Rande der 30 lohnenswert, dem allmählich einsetzenden körperlichen Abbau rechtzeitig entgegenzuwirken.

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