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Medikament gegen Corona: Paxlovid bald auch in Deutschland?

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Von: Erik Hlacer

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Keine Impfung, ein Medikament: Paxlovid soll eine Corona-Infektion bekämpfen. Das Mittel von Pfizer ist in den USA zugelassen - kommt es auch nach Deutschland?

Hamm - Impfungen sind das zentrale Mittel gegen Corona, heißt es aus der Politik. Doch unter Umständen reiht sich noch ein weiteres Mittel zur Pandemie-Bekämpfung ein. Das Medikament Paxlovid des US-amerikanischen Herstellers Pfizer soll dazu beitragen, Corona-Symptome zu lindern und die Krankheit letztlich erfolgreich zu besiegen. Allerdings sollten Patienten es zum richtigen Zeitpunkt einnehmen, damit es seine Wirkung entfaltet.

MedikamentPaxlovid
UnternehmenPfizer
LandUSA

Paxlovid gegen Corona: Pfizer bestimmt Zielgruppe für Einnahme des Medikaments

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat am Mittwoch eine Notfallzulassung für ein Paxlovid ausgesprochen, womit das Medikament das erste Mittel gegen Corona ist, das in Pillenform eingenommen werden kann. Noch in diesem Jahr soll die Auslieferung beginnen, die USA hat nach Angaben der Regierung zehn Millionen Dosen gekauft.

Was in Deutschland noch als große Unbekannte kursiert, ist in den USA also schon weit auf dem Vormarsch. Dort ist auch klar, wer mit dem Arzneimittelprodukt behandelt werden soll. Das Alter spielt dabei weniger eine Rolle. Wer älter ist als zwölf Jahre, kann sich mit Paxlovid gegen Corona behandeln lassen. Ferner ist die Zielgruppe des Medikaments laut FDA und Pfizer klar bestimmt. Wer leichte bis mittelschwere Corona-Symptome hat und zugleich ein großes Risiko aufweist, dass sich die Krankheit verschlimmert, sollte auf Paxlovid zurückgreifen.

In solchen Fällen kann Paxlovid das Risiko von Krankenhauseinweisungen und Todesfällen bei Corona-Patienten um stolze 89 Prozent senken, wie aus einem Zwischenbericht von Pfizer hervorgeht. Bei Hochrisikopatienten verhindert das Medikament also sehr erfolgreich schwere Krankheitsverläufe. Die Daten stammen allerdings von Anfang November. Im Weiteren muss ermittelt werden, ob Paxlovid auch gegen die immer dominierender werdende Omikron-Variante wirksam ist. In Bezug auf Omikron stellen sich aktuell noch ganz andere Fragen - zum Beispiel, wie gut Corona-Schnelltests eine Corona-Infektion überhaupt noch nachweisen können.

Paxlovid gegen Corona: Diese Nebenwirkungen können auftreten

Paxlovid, das den Wirkstoff Nirmatrelvir beinhaltet, welcher wiederum ein Sars-CoV-2-Protein hemmt, kann jedoch einige Nebenwirkungen zur Folge haben. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen eine Beeinträchtigung des Geschmackssinns, die ja auch durch die Corona-Infektion selbst möglich ist, Durchfall, Bluthochdruck und Muskelschmerzen.

Anders als bei einer Corona-Impfung gehören Fieber und klassische Erkältungssymptome nicht zu den Nebenwirkungen des Medikaments Paxlovid. Vielmehr soll die Corona-Pille dazu beitragen, diese Symptome zu lindern.

Paxlovid gegen Corona: Deutschland will sich USA-Medikament sichern - Bald kommt wohl Alternative

Das Medikament aus den USA stößt auch in Europa und Deutschland auf interessierte Gesichter. Und tatsächlich könnte Paxlovid schon bald zum Thema werden. Die Bundesregierung bemüht sich aktuell um die rasche Beschaffung des Corona-Medikaments. Nach Angaben eines Sprechers vom Donnerstag steht das Bundesgesundheitsministerium mit Herstellern „in Verhandlung, um Kontingente für Deutschland zu sichern und zeitnah für die Versorgung zur Verfügung zu stellen“. Doch es kann noch eine Weile dauern. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte Mitte November mitgeteilt, mit einer Untersuchung des Corona-Medikaments begonnen zu haben.

Jahreschronik 2021.
Pille gegen Corona: Medikament Paxlovid auf dem Vormarsch - auch in Deutschland? © Pfizer/dpa

Es ist nicht das einzige Medikament auf dem Markt. Auch der US-amerikanische Unternehmen Merck Sharp & Dohme (MSD) hat mit Molnupiravir ein antivirales Corona-Medikament herausgebracht. In Großbritannien ist es bereits zugelassen, die Wirksamkeit liegt nach Angaben des Konzerns aber nur bei 30 Prozent.

Doch auch in Deutschland wird aktuell an einem Corona-Medikament gewerkelt, unter Umständen könnte also zeitnah eine weitere Alternative aufkommen. Das Biotech-Unternehmens „CORAT Therapeutics“ in Braunschweig will mittels eines genveränderten, neutralisierenden Antikörpers bei Corona-Infizierten die Viruslast im Körper senken. Es ist speziell für geschwächte Patienten in Krankenhäusern - insbesondere auf Intensivstationen - gedacht. Die Zulassung soll jedoch erst im Sommer 2022 beantragt werden.

Medikamente gegen Corona: Teuer und kompliziert im Vergleich zu Impfungen

Wer sich fragt, warum die Herstellung von Medikamenten gegen Corona so lange dauert, trifft einen wunden Punkt. Zwar gelten Medikamente wie Paxlovid unter Experten als ein Schlüssel zur Corona-Bekämpfung. Allerdings sind sie - insbesondere im Vergleich zu Impfungen - deutlich teurer und in der Anwendung oftmals komplizierter. Bestes Beispiel: Paxlovid soll maximal fünf Tage nach Beginn der Corona-Symptome verabreicht werden.

Deshalb erklärte auch die FDA, dass Paxlovid für die breite Bevölkerung kein Ersatz für eine Impfung gegen Corona sei. Damit plädieren Behörden und Experten weiterhin für eine Booster-Impfung mit Moderna oder Biontech.

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