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Corona-Mutation: Mehr Tote durch Omikron? Die aktuellen Erkenntnisse

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Von: Daniel Schinzig

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Daten deuten darauf hin, dass die neue Corona-Mutation Omikron ansteckender ist als vorherige Varianten. Sie könnte aber leichtere Verläufe auslösen. Das ist nicht unbedingt gut.

Hamm - Aktuell sinken die Corona-Inzidenzen, vielerorts entspannt sich die derzeitige angespannte Lage in der Pandemie etwas. Kürzlich sprach auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) davon, dass sich die Situation - trotz noch immer viel zu hoher Fallzahlen - allmählich stabilisiere. Doch viele Experten blicken mit großer Sorge auf die kommenden Wochen. Denn die neue Mutation Omikron könnte auch in Deutschland schon zeitnah für eine neue große Welle sorgen. Neue Daten scheinen nun zu bestätigen, dass diese Virus-Variante tatsächlich wesentlich ansteckender als vorherige Versionen ist. Und obwohl sie offenbar für weniger schwere Krankheitsverläufe sorgt, könnte das ein riesiges Problem werden.

Alpha (B.1.1.7)September 2020, Großbritannien
Beta (B.1.351)Dezember 2020, Südafrika
Gamma (P.1)November 2020, Brasilien
Delta (B.1.617.2)Oktober 2020, Indien
Omikron (B.1.1.529)November 2021, Südafrika

Neue Erkenntnisse Omikron: Corona-Variante extrem ansteckend - aber harmloser?

Omikron wurde zuerst in Südafrika nachgewiesen. Laut dem Ärzteblatt hat die größte private Krankenkasse des Landes eine Analyse durchgeführt, die viele der bisherigen Annahmen und Erkenntnisse bestätigt hat. Die Zahlen lassen darauf schließen, dass Geimpfte und Genesene - wie bereits zuvor vermutet - tatsächlich weitaus weniger gut vor der Variante des Coronavirus geschützt sind als noch vor der Mutation Delta und frühere Varianten.

Innerhalb weniger Wochen ist Omikron in Südafrika die vorherrschende Corona-Variante geworden. Nach den Daten der „Network for Genomic Surveillance in South Africa“ sorgt der neue Typ bereits für mehr als 90 Prozent der Infektionen in dem Land. Wie die Erhebung der Krankenkasse Discovery Health aber zeigt, ging die Kurve der schweren Erkrankungen nicht so stark hoch wie beispielsweise in der ersten Welle Mitte 2020. Ein Zeichen dafür, dass Omikron zwar ansteckender ist, aber für weniger schwere Krankheitsverläufe sorgt?

In der Tat scheint genau das der Fall zu sein. Wie das Ärzteblatt berichtet, haben Erwachsene eine 29-prozentige geringere Wahrscheinlichkeit, im Vergleich zur ersten Welle bei einer Infektion mit Omikron ins Krankenhaus zu kommen. Auch müssten deutlich weniger Menschen auf die Intensivstation und beatmet werden.

Neue Corona-Variante: Weniger schwere Verläufe durch Omikron - trotzdem große Gefahr

Das klingt erst einmal gut. Bereits zu Beginn der Pandemie sagten viele Experten voraus, dass das Coronavirus mit der Zeit genau diesen Weg nehmen würde: Durch Mutationen würde das Virus immer ansteckender, aber auch harmloser für den Menschen werden. Und so würde Corona schließlich endemisch werden.

Doch von einer Entwarnung sind wir noch weit entfernt. Nicht nur, dass die Daten der privaten Krankenkasse Discovery Health in Südafrika zu bestätigen scheinen, dass es bei Kindern zu schwereren Verläufen als in der Vergangenheit kommt - ebenfalls etwas, das schon seit längerem vermutet wird.

Auch verweist Gesundheitsminister und Epidemiologe Karl Lauterbach per Twitter auf eine Modellrechnung, die eindrucksvoll zeigt, dass Omikron trotz der neuen Erkenntnisse zu einem riesigen Problem werden könnte. Denn Varianten, die viel ansteckender seien, würden auch mit harmloseren Krankheitsverläufen wesentlich mehr Menschen töten als gefährlichere Mutationen, die sich langsamer ausbreiten. „Schwerer Verlauf tötet linear, hohe Ansteckung tötet exponentiell. Da liegt die Gefahr durch Omikron“, fasst Lauterbach zusammen.

Omikron: Weniger Schutz durch Corona-Impfung - Booster dennoch sehr wichtig

Aber der Politiker hat auch gute Nachrichten. Er verweist auf eine Studie der Charité und der Universität Köln. Die zeigt noch einmal, dass Omikron den Antikörpern von Genesenen und zweifach Geimpften leicht entkommt und es zu einer Infektion führen kann. Aber: Die Booster-Impfung scheint zu helfen und auch gegen Omikron verlässlich zu schützen. Karl Lauterbach spricht auf Twitter von hoffnungsvollen Daten. So liegt der Schutz vor einer Infektion nach der Booster-Impfung auch bei der Mutation noch immer bei 75 Prozent.

Einer Person wird der Corona-Impfstoff in den Oberarm verabreicht.
Omikron führt leichter zu Impfdurchbrüchen. Die Impfung macht dennoch Sinn. Gerade nach dem Boostern schützt sie weiterhin zuverlässig gegen schwere Krankheitsverläufe. (Symvolbild) © Michael Matthey / dpa

Aber auch bei Nicht-Geboosterten scheint die Impfung immerhin noch gegen schwere Verläufe zu schützen. Während der Schutz vor Infektion bei Omikron laut Discovery Health bei den Impfstoffen von 80 Prozent auf 33 Prozent sank, liegt der Schutz vor Krankenhauseinweisungen noch immer bei 70 Prozent. Auch in Hinblick auf die sich schnell verbreitende Omikron-Variante gilt nach wie vor: Impfen rettet Leben.

Wer sich boostern lässt, genießt derzeit nicht nur besseren Schutz vor Corona, sondern auch weitere Vorteile. So fällt für alle, die sich zum dritten Mal haben impfen lassen, derzeit die Testpflicht bei 2G-plus weg. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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