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Novovax-Impfstoff hat Zulassung, Minister Lauterbach warnt vor falscher Hoffnung

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Einige Ungeimpfte warten auf Alternativen zu den aktuellen Corona-Vakzinen. Sie hoffen auf den Totimpfstoff von Novovax. Er hat jetzt die EU-Zulassung.

Hamm - Die rasante Verbreitung der Omikron-Variante alarmiert Forscher und Politiker, die Booster-Kampagne läuft auf Hochtouren. Doch Millionen Menschen in Deutschland und NRW fehlt immer noch die Grundimmunisierung mit einem Corona-Impfstoff. Manche von ihnen warten auf Vakzine, die auf anderen Technologien wie die bisher verfügbaren beruhen. Ein solcher ist Nuvaxovid des US-Herstellers Novavax. Das Mittel hat nun die Zulassung in der EU.

HerstellerNovavax
HauptsitzGaithersburg, Maryland (USA)
Gründung1987

Novovax-Impfstoff „Nuvaxovid“ gegen Corona hat Zulassung in der EU

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA beriet am Montag (20. Dezember) über eine Zulassung des Corona-Impfstoffes des US-Herstellers Novavax. Die zuständige Experten-Kommission behandelten den Zulassungsantrag in einer außerordentlichen Sitzung. Am späten Nachmittag gab auch die EU-Kommission grünes Licht.

Nuvaxovid ist das fünfte Corona-Vakzin, das in der EU zugelassen ist - nach den Produkten von Biontech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca sowie Johnson&Johnson. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach warnte allerdings vor der Annahme, dass der neue Impfstoff „ein Game Changer wird“. Studien zufolge seien die bereits millionenfach verabreichten Impfstoffe von Moderna und Biontech „eine ganze Spur sicherer“.

Novavax hatte die Marktzulassung in der EU im November beantragt - die EMA mit Sitz in Amsterdam (Niederlande) hatte bereits mehrfach angekündigt, dass eine Entscheidung noch in diesem Jahr erfolgen solle. Die Experten hatten im laufenden Prüfverfahren Studien zur Wirkung und Risiken bewertet. Wann Nuvaxovid erstmals in Deutschland gespritzt wird, steht noch nicht fest.

Novovax könnte Ungeimpfte zur Corona-Impfung bringen

Novavax könnte möglicherweise auch einige ungeimpfte Menschen, die Zweifel an den Technologien der übrigen Wirkstoffe haben, doch zur Impfung bewegen. Denn das Präparat ist im Gegensatz zu den bisher zugelassenen Impfstoffen weder ein mRNA-Impfstoff - wie die Präparate von Biontech und Moderna - noch ein Vektor-Impfstoff wie die von Astrazeneca und Johnson & Johnson.

Corona-Impfstoff von Novavax
Ein medizinischer Mitarbeiter bereitet während der Studie im St. George‘s University Hospital in London eine Dosis mit dem Corona-Impfstoff von Novavax für eine Impfung vor. © Alastair Grant/dpa

Ob Nuvaxovid zu den Totimpfstoffen gezählt werden kann, ist eine Frage der Begriffsdefinition. Im engeren Sinne handelt es sich nicht um einen Totimpfstoff, da er keine Bestandteile des Virus enthält. Was viele aber mit Totimpfstoff meinen, seien laut Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, „Impfstoffe, die auf Prinzipien beruhten, die man auch bei anderen Impfungen anwendet“. In diese Kategorie fällt Nuvaxovid von Novavax.

Nuvaxovid: So funktioniert der Impfstoff von Novavax

Das Vakzin enthält winzige Partikel, die aus einer im Labor hergestellten Version des Spike-Proteins von Sars-CoV-2 bestehen. Die Proteine werden vom Körper als fremd erkannt und das Immunsystem wird hochgefahren - spezifische Antikörper und T-Zellen werden gebildet. Damit ist man vor einer echten Infektion besser gewappnet. Ähnlich funktioniert der Booster-Impfstoff ABNCov2 des deutsch-dänischen Unternehmens Bavarian Nordic, der allerdings noch in der Studienphase ist.

In einer Zulassungsstudie von Novavax lag die Wirksamkeit in Bezug auf Erkrankungen bei 90 Prozent. Allerdings beziehen sich die Ergebnisse hauptsächlich auf die Alpha-Variante, die in Deutschland so gut wie vollständig von Delta verdrängt wurde. Von Omikron ganz zu schweigen. „Auch dieser Impfstoff wird an Omikron angepasst werden müssen“, schrieb Carsten Watzl mit Blick auf das Novavax-Mittel auf Twitter.

Die Gefahr durch die Omikron-Variante ist Thema des Corona-Gipfels am Dienstag (21. Dezember). Ein Lockdown und Kontaktbeschränkungen stehen im Raum. Fehlerhafte Impfungen im Impfzentrum im Kreis Olpe (NRW) sorgen für Aufsehen. Zwei Kinder haben einen nicht zugelassenen Corona-Impfstoff erhalten. Die Eltern haben Anzeige erstattet. (mit dpa-Material) *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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