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Kommt bald der erste Totimpfstoff? US-Konzern Novavax beantragt Zulassung in der EU

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Von: Tobias Hinne-Schneider

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Gibt es bald einen fünften Impfstoff gegen Covid-19 in der Europäischen Union? Der US-Pharmakonzern Novavax hat für seinen Impfstoff die EU-Zulassung beantragt.

Hamm - Mit den Impfstoffen von Biontech, Moderna, Astrazeneca, Johnson & Johnson gibt es in der Europäischen Union vier Mittel, die gegen das Coronavirus zugelassen sind. Jetzt hat der US-Pharmakonzern Novavax die Marktzulassung für einen weiteren Impfstoff beantragt. Die Entscheidung könnte bereits in den nächsten Wochen fallen. Es gibt große Unterschiede zwischen den bisher zugelassenen Impfstoffen und dem Noavax-Produkt Nuvaxovid (NVX-CoV2373).

UnternehmenNovavax
CEOStanley C. Erck
HauptsitzGaithersburg, Maryland, USA

Novavax: US-Konzern beantragt Zulassung von Totimpfstoff in der EU

Die Infektionslage in Deutschland und NRW gerät mehr und mehr außer Kontrolle. Die Krankenhäuser schlagen Alarm. In vielen Bundesländern werden derzeit strengere Maßnahmen umgesetzt - vielerorts wird auf 2G gesetzt. Vor allem Ungeimpfte könnte es in diesem Winter treffen. Ein Corona-Gipfel mit der geschäftsführenden Bundesregierung um Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder diskutiert am Donnerstag (18. November) über ein überarbeitetes Infektionsschutzgesetz.

Der Impfstoff von Novavax unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt von den vier anderen Wirkstoffen: Es handelt sich um einen proteinbasierten Impfstoff. Er ist damit weder ein  mRNA-Impfstoff - wie die Präparate von BioNTech und Moderna - noch ein Vektor-Impfstoff wie die von AstraZeneca und Johnson & Johnson. Novavax ist ein sogenannter Totimpfstoff.

Novavax beantragt Zulassung in der EU: Wirkweise ist eine altbewährte

Das Vakzin enthält winzige Partikel, des Spike-Proteins Sars-CoV-2 - eine Version, die im Labor hergestellt wird. Das körpereigene Abwehrsystem reagiert, stellt Antikörper her und baut so einen Immunschutz gegen Corona-Erkrankungen auf. Wie bei anderen proteinbasierten Impfstoffen reicht für Lagerung und Transport die normale Kühlkette von 2 bis 8 Grad Celsius aus. Weil es sich bei der Wirkweise des Impfstoffs von Novavax um eine altbewährte handelt, nach der auch viele Grippe-Impfstoffe funktionieren, könnte er ein Mittel sein, um zumindest einige Ungeimpfte von einer Impfung gegen Corona zu überzeugen. Manche Impfskeptiker lehnen die bislang zugelassen Vakzine nämlich ab, weil beispielsweise die mRNA-Technologie vor der Pandemie noch nicht eingesetzt wurde und sie Langzeitschäden befürchten.

Eine Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA könnte in den nächsten Wochen fallen. Die EMA hatte angekündigt, den Zulassungsantrag für Nuvaxovid beschleunigt prüfen zu wollen. Empfiehlt die Behörde die Zulassung, bedarf es noch der Zustimmung der EU-Kommission. Das gilt als Formsache. Zuvor wird aber geprüft, ob die von Novavax vorgelegten Daten „ausreichend belastbar und vollständig sind, um die Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität des Impfstoffs zu belegen.“

Eine Spritze mit dem Impfstoff von Novavax.
Eine Spritze mit dem Impfstoff von Novavax vor der Verabreichung in Großbritannien. Dort wurde der Impfstoff getestet. © picture alliance/dpa/PA Wire | Kirsty O‘connor

Novavax beantragt Zulassung in der EU: Notzulassung in zwei Ländern

In der entscheidenden Phase-3-Studie mit 30.000 Patienten schnitt Nuvaxovid gut ab. Das Vakzin zeigte eine Wirksamkeit von rund 90 Prozent. Doch die angestrebte Zulassung zog sich in die Länge, da Novavax mit Produktionsproblemen zu kämpfen hatte.

Die EU hat sich bereits jetzt 200 Millionen Dosen beim US-Konzern gesichert. In einigen Ländern wird das Vakzin bereits geimpft: Indonesien und die Philippinen haben eine Notfallzulassung erteilt. In Indonesien darf die Vakzine unter dem Namen Covovax™ bei Über-18-Jährigen eingesetzt werden. Bis Ende des Jahres soll auch ein Zulassungsantrag in den USA eingereicht werden.

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