Corona-Erkrankung

Long Covid: Medizinerin schlägt Alarm – Langzeitfolgen treffen immer häufiger Kinder

Wird Long Covid unterschätzt? Eine Medizinerin schlägt Alarm. Die Corona-Langzeitfolgen treffen immer häufiger Kinder und Jugendliche.

Hamm - Die Corona-Infektion ist überstanden, doch manche Symptome bestehen auch Monate nach der Erkrankung noch weiter oder verschlimmern sich sogar. Eine mögliche Langzeitfolge ist Long Covid, auch bei einem milden Verlauf der Infektion. Experten warnen, dass die Betroffenen immer jünger werden, auch Kinder und Jugendliche sind nicht davon ausgenommen. (News zum Coronavirus)

Infektionakutes Covid-19 mit Symptomen in den ersten vier Wochen nach Infektion
anhaltendes Covid-19anhaltende Symptome von vier bis zwölf Wochen
Post-Covid-19Symptome bleiben zwölf oder mehr Wochen nach der Infektion bestehen

Long Covid: Langanhaltenden Corona-Symptome bei Kinder und Jugendlichen nehmen zu

Wie viele Menschen von den anhaltenden Corona-Symptomen betroffen sind, ist unbekannt. Daten gibt es vor allem für Patienten, die während ihrer Infektion im Krankenhaus behandelt werden mussten. Für die zunächst leichteren Verläufe gibt es derzeit noch nicht ausreichend verlässliche Daten.

Es gibt bislang keine einheitliche Definition für die Langzeitfolgen - also Long Covid. Wissenschaftler beobachten verschiedene Symptome, die noch Monate nach einer Corona-Erkrankung auftreten können. Dazu zählen schwere Lungenschäden, Atemnot und Post-Covid-Müdigkeit oder -Fatigue. Gerade die beiden letztgenannten Symptome können auch nach milden Verläufen auftreten. Das Fatigue-Syndrom äußert sich in großer Müdigkeit und Ruhebedürfnissen, obwohl keine großen Kraftanstrengungen erfüllt wurden.

Besonders besorgniserregend: Jördis Frommhold, Chefärztin der auf Long-Covid-Erkrankungen spezialisierten Median-Klinik in Heiligendamm, sagt, dass die Patienten in der Klinik immer jünger werden. Sie erläuterte im Gespräch mit der dpa, dass vor allem zunehmend 20- bis 30-Jährige stationär aufgenommen werden, im vergangenen Monat auch zwei 18-Jährige. Man bereite sich darauf vor, Jugendliche ab 14 Jahren in Begleitung eines Erziehungsberechtigten aufzunehmen.

Corona-Gefahr für Kinder und Jugendliche: Das Risiko steigt mit der britischen Mutation

Kinder und Jugendliche galten lange als nicht durch das Coronavirus gefährdet. Aufgrund der britischen Mutation B.1.1.7 hat sich das jedoch geändert, sagt auch die Chefärztin. Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte, warnte, dass eine Corona-Infektion bei Kindern und Jugendlichen zur Multi-Organ-Erkrankung werden kann. Die kleinen Gefäße könnten sich entzünden.

Aber: In der Regel haben Kinder und Jugendliche keine so schwere Infektionsverläufe wie Erwachsene. Sie können trotzdem an unterschiedlichen Erkrankungen nach der Corona-Infektion leiden. Laut Chefärztin Jördis Frommhold können auch schwache Symptome problematisch werden, etwa wenn aufgrund von Konzentrationsschwierigkeiten die Schulleistungen schlechter werden.

Long Covid trifft immer mehr Kinder und Jugendliche, sagt die Chefärztin Jördis Frommhold.

Long Covid kann sich der Chefärztin zufolge bei Kindern und Jugendlichen unterschiedlich äußern. Zu den Folgeerkrankungen zählen etwa Leistungsminderungen, Atembeschwerden und kognitive Einschränkungen.

Long Covid: Experte warnt vor Unterschätzung der Corona-Langzeitfolgen

Der Politiker und Mediziner Karl Lauterbach sieht es schon länger kritisch, dass die Bedeutung von Long Covid - ob für Erwachsene oder Kinder - dramatisch unterschätzt werde.

Es verwies auf eine im Januar 2021 veröffentlichte britische Statistik. Diese sagt, dass 30 Prozent der Menschen, die wegen Corona im Krankenhaus behandelt werden mussten, unter so starken Langzeitfolgen leiden, dass sie wegen Long Covid ein weiteres Mal in die Klinik müssen. Laut der Statistik starben 12,5 Prozent der Menschen mit schweren Verläufen an Spätfolgen.

Hinzu kommt, dass der Studie zufolge sieben Prozent der Jugendlichen an Long Covid leiden. Bei Erwachsenen sind es doppelt so viele (14 Prozent).

Long Covid: Corona-Impfstoff für Kinder und Jugendliche wird getestet

Sowohl der Mediziner Karl Lauterbach als auch Jördis Frommhold von der auf Long-Covid-Erkrankungen spezialisierten Median-Klinik in Heiligendammt sehen es kritisch, dass es noch keinen Corona-Impfstoff für Kinder und Jugendliche gibt. Biontech/Pfizer meldete, dass sie Ende März mit Studien zur Wirkung und Sicherheit ihres Vakzins für Kinder im Alter von sechs Monaten bis einschließlich elf Jahre begonnen haben. Studien für Teenager zwischen 12 und 16 Jahren laufen bereits. Derzeit dürfen in Deutschland und NRW Menschen ab 16 Jahren geimpft werden.

Bis Kinder und Jugendliche geimpft werden, sei die Situation schwierig. Gerade die Öffnung der Schulen sei gefährlich, warnt Karl Lauterbach. Er fordert, dass Schulen auf Wechselunterricht und Corona-Tests zweimal in der Woche setzen. Jördis Frommhold sagt, dass die Alltagsordnung erst in Kraft treten könnte, wenn es einen Corona-Impfstoff für Kinder und Jugendliche gibt. (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa (Symbolbild)

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