Kliniken und Kassen streiten über Abrechnungen

Berlin - Rechnen Krankenhäuser falsch ab? Oder wollen die Krankenkassen voreilige Entlassungen von Patienten erzwingen? Beide Seiten machen sich gegenseitig schwere Vorwürfe.

Zwischen Krankenhäusern und Krankenkassen ist ein heftiger Streit über korrekte Klinik-Abrechnungen entbrannt. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) wies am Dienstag die jüngste Kritik der Kassen an den Abrechnungen unter Berufung auf eine Studie als “substanzlos“ zurück und erhob ihrerseits schwere Vorwürfe gegen die Kassen.

Der Kassenverband GKV hielt dem entgegen: “Krankenhäuser, die korrekt behandeln und abrechnen, brauchen eine vom Gesetzgeber vorgesehene Rechnungsprüfung durch die Kassen nicht zu scheuen. Die bisherigen Ergebnisse der Kassen zeigen jedoch: Jede zweite geprüfte Rechnung ist fehlerhaft, das sind dann keine Kavaliersdelikte mehr.“

DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum verwies seinerseits auf die Studie einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die zeige, “dass sich der überwiegende Teil der Prüfungen des Medizinischen Dienstes der Kassen (MDK) gar nicht auf die sachlich-fachliche Abrechnungsprüfung“ beziehe. Vielmehr habe die Kritik “die nachträgliche Infragestellung der von den Kliniken in der akuten Phase der Patientenversorgung erbrachten medizinischen Leistungen“ im Blick, argumentierte Baum.

Auch die Wirtschaftsprüfer kämen zu dem Ergebnis, “dass die Kassen die Krankenhäuser zu einer vorschnellen Patientenentlassung zwingen wollten, was “blutigen“ Entlassungen“ gleichkäme. Baum warnte vor einem Zusammenstreichen der stationären Patientenversorgung.

Baum erläuterte, meist viele Wochen nach der Entlassung entscheide “ein MDK-Prüfer anonym am Schreibtisch“, dass etwa eine ältere Frau nicht hätte wegen Herzinsuffizienz (Herzschwäche) behandelt, sondern nach Hause geschickt werden müssen. In einem anderen Fall sei ein Prüfer zu der Ansicht gelangt, dass der Versuch, den Fuß einer Patientin zu retten, hätte aufgegeben werden müssen zugunsten einer frühen Amputation, berichtete Baum und fügte hinzu: “Diese und viele weitere gravierende Fälle höchst zweifelhafter Prüfungen liegen in den Kliniken massenhaft vor.“

Die Studie belege, dass 96 Prozent aller Krankenhausabrechnungen unbeanstandet seien. Nachträglich werde nicht um die Rechnung insgesamt, sondern um Interpretationen von Details gerungen. Kliniken müssten in strittigen Fragen meist nachgeben, um jahrelange Gerichtsverfahren zu vermeiden. Die Prüfungsbürokratie koste immense Summen und binde Personal.

Der GKV-Spitzenverband sprach von einem “Auftragsgutachten“ und zweifelte dessen Wert an. “Wenn Krankenhäuser sich tatsächlich ihrer Verantwortung für ein korrektes Abrechnungsmanagement stellen würden, kämen wir einen großen Schritt voran.“ Der MDK prüfe die Rechnungen der Krankenhäuser sowohl nach sachlich-fachlichen als auch nach abrechnungstechnischen Kriterien. “Nach den Prüfergebnissen der Kassen verteilen sich Auffälligkeiten in allen Bereichen gleichmäßig.“

dpa

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