1. wa.de
  2. Leben
  3. Gesundheit

Kinderimpfung gegen Corona: Zulassung diese Woche - ab wann geimpft werden kann

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Tobias Hinne-Schneider

Kommentare

Die Kinderimpfung kommt. Noch diese Woche soll der Kinder-Impfstoff gegen Corona zugelassen werden. Deutschland hat sich über zwei Millionen Dosen gesichert. 

Hamm - Das Coronavirus macht auch vor Kindern nicht halt. Deswegen sollen Kinder in Deutschland zwischen fünf und elf Jahren geimpft werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rechnet in Kürze damit, dass die ersten 2,4 Millionen Dosen ausgeliefert werden können. „Es gibt eine erhöhte Nachfrage in den Praxen“, sagte Jakob Maske, Kinderarzt aus Berlin-Schöneberg und Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) der Bild.

LandDeutschland
HauptstadtBerlin
Einwohner83,24 Millionen

Kinderimpfung: Zulassung noch diese Woche - dann kann geimpft werden

Bislang ist eine Corona-Impfung nur für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren zugelassen. Die Impfquote liege in dieser Altersgruppe bei rund 50 Prozent, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag (22. November) auf einer Pressekonferenz. Mit einem ähnlichen Interesse rechnet Spahn auch in der Altersklasse zwischen fünf und elf. In dieser Altersklasse gibt es bis zu 4,5 Millionen Kinder.

In NRW steigt die Inzidenz immer weiter an, liegt deutlich über 200.  Mittlerweile verzeichnen mehrere Städte und Kreise eine 7-Tage-Inzidenz von über 300.

Spahn geht davon aus, dass die 2,4 Millionen Dosen die erste Nachfrage bedienen. 2022 werde es weitere Lieferungen geben, kündigte Spahn an. Da es sich beim Kinder-Impfstoff nur um ein Drittel der regulären Dosis handele, müssten zunächst andere Fläschchen produziert werden, bevor geliefert werden kann. Der Kinder-Impfstoff wird vom deutschen Pharma-Unternehmen Biontech/Pfizer produziert.

Derzeit ist noch kein Impfstoff für unter Zwölfjährige zugelassen. Noch vor Weihnachten soll allerdings mit den Impfungen begonnen werden. Spahn geht davon aus, dass am Donnerstag (25. November) oder am Freitag (26.) die Entscheidung der EU-Arzneimittelbehörde EMA zur Zulassung des Biontech-Impfstoffs für unter Zwölfjährige getroffen wird. Erstmalig verfügbar soll der Kinderimpfstoff dann ab dem 20. Dezember sein. Impfungen sollen nach einer Zulassung durch die EMA laut Spahn auch dann möglich sein, wenn die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland noch keine offizielle Empfehlung gegeben hat.

Kinderimpfung: Stiko-Empfehlung erst im nächsten Jahr?

„Wir plädieren dafür, zunächst abzuwarten, was die Stiko sagt“, so der Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske. „Es wäre nicht ratsam, dass die Politik die Impfung empfiehlt, solange es keine Empfehlung des Gremiums gibt, das die Politik berät.“ Die Politik sollte nicht schon wieder unnötig Druck auf Eltern und Kinder machen. Maske rechnet mit einer Stiko-Entscheidung erst im nächsten Jahr. Früher könnte eine Empfehlung kommen für Kinder mit Vorerkrankungen und schwer kranken Angehörigen.

Bereits jetzt können Kinder mit bestimmten Risikofaktoren geimpft werden - dafür gibt es eine sogenannte Off-Label-Impfung. Die Entscheidung treffen im Einzelfall die Ärzte vor Ort. In den USA können alle Kinder unter zwölf Jahren seit November geimpft werden. Israel hat am Sonntag (21. November) nachgezogen.

Herbstzeit ist Grippezeit, deshalb raten Experten zur Schutzimpfung.
Bislang ist eine Corona-Impfung nur Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren zugelassen. Kinder unter 12 Jahren werden nur in Ausnahmen geimpft. © Seth Wenig/dpa

Die Empfehlung der Stiko ist Maske so wichtig, da es vor einer Zulassung einen Test mit 2000 Patienten gibt. Erst dann könne man sich sicher, dass es keine Nebenwirkungen für Kinder gibt. „Wir wollen einen sicheren Impfstoff haben, bei dem der Nutzen größer als das Risiko ist.“

Derzeit landen nur drei von 100.000 infizierten Kindern auf einer Intensivstation. Im Gegensatz zu Erwachsenen verläuft eine Infektion fast immer mild. „Man muss sehen, dass das Virus gerade für junge Kinder nicht besonders gefährlich ist. Wenn wir uns die Todesfälle seit Ausbruch der Pandemie anschauen, sind 98.000 Erwachsene gestorben und 30 Kinder. Das zeigt, wie milde der Verlauf bei Jüngeren ist“, sagte Jakob Maske.

Kinderimpfung: Studie sieht direkten und indirekten Nutzen

Kinder gegen eine Infektionskrankheit zu impfen, die sie meist unkompliziert und ohne Komplikationen überstehen, sei immer „eine schwierige Entscheidung“, sagt Kinderarzt und Stiko-Mitglied Fred Zepp. „Man muss die Risiken einer Sars-CoV-2 Infektion den möglichen seltenen Risiken einer Impfung gegenüberstellen.“ Dabei müsse auch berücksichtigt werden, dass man unterschiedliche Gruppengrößen vergleicht: „Wenn ich alle Kinder einer Altersgruppe impfe, setze ich alle zunächst dem sehr geringen Risiko einer Impfnebenwirkung aus. Die Risiken einer Covid-19 Erkrankung sind größer, aber wir wissen nicht, wie viele Kinder sich tatsächlich infiziert hätten und erkrankt wären.“

Autoren der Studie im „New England Journal of Medicine“ argumentieren mit einem direkten und einem indirekten Nutzen: Eine Impfung schütze Kinder vor einem - wenn auch seltenen - schweren Verlauf oder Spätfolgen einer Covid-Erkrankung. Indem man sie schütze, schütze man auch Menschen in ihrem Umfeld, die ein Risiko für einen schwereren Krankheitsverlauf hätten. Ungeimpft könne diese Altersgruppe Überträger werden auch für neu entstehende Varianten des Virus.

Bei Erwachsenen setzt die Bundesregierung beim Brechen der vierten Corona-Welle auf Booster-Impfungen. Weil die vom Bundesgesundheitsministerium eingelagerten Moderna-Dosen gegen das Coronavirus im ersten Quartal 2022 verfallen, sollen sie jetzt vermehrt geimpft werden.

Auch interessant

Kommentare