Bei jungen Männern

Nebenwirkung? Herzmuskelentzündung nach Corona-Impfung mit Biontech in Deutschland aufgetreten

Bei einem 18 Jahre alten Schüler ist nach einer Corona-Impfung mit Biontech eine Herzmuskelentzündung aufgetreten. Besteht ein Zusammenhang?

Hamm – Während es um den Corona-Impfstoff Astrazeneca ruhiger geworden ist, mehren sich nun die Meldungen hinsichtlich einer mutmaßlich gravierenden Nebenwirkung nach einer Impfung mit dem Vakzin von Biontech. Demnach gibt es mehrere Fälle von jungen Männern, die nach einer Corona-Impfung mit Biontech an einer Herzmuskelentzündung erkrankt sind - auch in Deutschland. Zwar gehen die Experten tatsächlich von einem Zusammenhang aus, allerdings gibt es wohl auch Entwarnung. Denn es handelt sich offenbar nicht um eine lupenreine Nebenwirkung im engeren Sinne. (News zum Coronavirus)

UnternehmenBiontech
Gründung2008
CEOUğur Şahin (2008–)
HauptsitzDeutschland

Herzmuskelentzündung nach Corona-Impfung mit Biontech: Erst in Israel, jetzt in Deutschland

Bereits vor Wochen hatten diverse Medien über dutzende Fälle von Herzmuskelentzündungen als Nebenwirkung nach einer Corona-Impfung mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer in Israel berichtet. Das israelische Gesundheitsministerium bezog daraufhin Stellung und erklärte eine überdurchschnittliche Häufung der Herzmuskelerkrankung für nicht erwiesen.

Nun wurden auch in Deutschland Fälle bekannt. Wie heidelberg24.de* berichtet, ist ein 18-jähriger Schüler aus der Region Heilbronn ist an einer Herzmuskelentzündung erkrankt, nachdem er mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer geimpft wurde. Danach musste der junge Mann zunächst auf der Intensivstation behandelt werden. Er wurde inzwischen aber wieder entlassen. Nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) handelt es sich nicht um den ersten Vorfall dieser Art in Deutschland. Experten halten einen Zusammenhang zwischen der Herzmuskelentzündung und der Corona-Impfung mit Biontech für wahrscheinlich.

Corona-Impfung mit Biontech: Herzmuskelentzündung treten bei Männern unter 30 auf

Da jedoch in Deutschland erst vergleichsweise wenige Fälle einer Herzmuskelentzündung nach einer Corona-Impfung mit Biontech aufgetreten sind, schweift der Blick für weitreichendere Erkenntnisse nach Israel. Wie diverse israelische Medien berichten, sei ein Zusammenhang zwischen den Herzerkrankungen und der Impfung tatsächlich „wahrscheinlich“. Es gehe vor allem um Erkrankungen bei jungen Männern unter 30. Es muss es aber noch weitere Untersuchungen zur Biontech-Impfung in Bezug auf eine Herzmuskelentzündung geben, wie auch Merkur.de* berichtet.

Biontech selbst hatte in seinen eigenen Studien bislang keinen Zusammenhang zwischen der Corona-Impfung und einem Anstieg der an einer Herzmuskelentzündung erkrankten Menschen protokolliert. Israelische Experten erklären, dass offenbar deshalb in anderen Ländern noch keine Zunahme der Herzmuskelentzündungen bei Jüngeren beobachtet worden sei, weil die Impfrate bei Jüngeren dort oftmals geringer sei als in Israel.

Herzmuskelentzündung nach Corona-Impfung mit Biontech: Zusammenhang mit Sport?

Müssen sich Männer unter 30 nun Sorgen machen, nach einer Corona-Impfung mit Biontech wegen einer Herzmuskelentzündung auf der Intensivstation zu landen? Es gibt zumindest Hinweise, die darauf deuten, dass die im Fachjargon als Myokarditis bekannte Krankheit am Herzen nicht als reguläre Nebenwirkung auftritt. Stattdessen könnte es sein, dass die Nebenwirkung nur dann auftritt, wenn sich die erkrankte Person zuvor sportlich betätigt hat.

Denn tatsächlich ist es gemeinhin bekannt, dass es gefährlich für das Herz sein kann, wenn man nach einer Grippe etwa zu früh damit anfängt, Sport zu treiben. Und auch eine Corona-Erkrankung kann in Zusammenhang mit Sport zu einer Herzmuskelentzündung führen. „Covid-19 hat eine ganze Reihe von Effekten auf das kardiovaskuläre System. Angefangen von Herzrhythmusstörungen übergehend zu Herzmuskelentzündungen und Kardiomyopathie, aber auch zum akuten Koronarsyndrom und Herzinfarkt“, erläutert Oberarzt Dr. Fritz Wimbauer in einem Artikel der Deutschen Apotheker-Zeitung.

Ärzte warnen vor Sport nach Corona-Infektion – Ähnliches Muster nach Impfung mit Pfizer/Biontech?

Bei jüngeren Menschen kann es zudem fatale Folgen haben, wenn diese nach einer Corona-Infektion zu früh wieder Sport treiben. „Bei der Lunge merken Sie, wenn etwas nicht stimmt. Sie husten oder haben Atemnot. Das Herz spüren Sie nicht“, erklärt Prof. Martin Halle, Direktor der Präventiven Sportmedizin und Sportkardiologie der Technischen Universität München, mit Blick auf voreilige junge Menschen. „Gerade bei Jüngeren, auch bei Sportlern, ist das eine große Gefahr. Sie spüren nicht, dass das Herz ein Problem hat und trainieren einfach weiter“, so Halle. Eine Herzmuskelentzündung könne daraus resultieren.

Das Vakzin von Biontech gilt indes als sogenannter mRNA-Impfstoff. Vereinfacht gesagt, erhält der menschliche Körper bei einer Impfung mit dem Corona-Impfstoff von Pfizer/Biontech einen Bauplan, um ein spezielles Coronavirus-Merkmal - nämlich das sogenannte Spike-Protein - auszubilden und anschließend Abwehrkräfte dagegen zu entwickeln. Ärzte raten zudem davon ab, nach einer Impfung Sport zu treiben. Denn auch von der Impfung muss sich der Körper regenerieren. Unter Umständen könnte voreiliger Sport bei Geimpften also einen ähnlichen Effekt haben wie bei Infizierten.

In Deutschland steht der Impfstoff trotz der Befunde aus Israel auf keiner roten Liste. Aktuell können junge Menschen sich problemlos mit dem Vakzin von Pfizer/Biontech gegen Corona impfen lassen, sofern sie denn einen Impftermin bekommen. Tatsächlich hat der Pharmakonzern Biontech nun sogar die Zulassung seines Corona-Impfstoffs für Kinder ab zwölf Jahren beantragt. - *Merkur.de und *heidelberg24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Robert Michael/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare